INTERVIEW MIT
GRAHAM
WEIR

Graham Weir war festes Bandmitglied bei OMD in den Jahren
1984 bis 1988.
Gemeinsam mit seinem Bruder Neil spielte er dort diverse Blasinstrumente,
Gitarre und Keyboard und war auch als Songschreiber beteiligt.
Graham arbeitet mittlerweile als Direktor der „Ian Tomlin School of Music“,
die eingegliedert ist in die Napier Universität in Edinburgh/Schottland.
Interview von Hagen Schmitt
geführt im April 2005
Übersetzung der Fragen ins Englische von Kerstin Peter
Übersetzung des Interviews ins Deutsche von Hagen Schmitt.
special
thanks to Jim Doyle
Graham, bitte erzähle uns
doch mal - wie kam es damals eigentlich zur Zusammenarbeit der ‚Weir Brothers’
mit OMD?
Neil und ich hatten als Bläserensemble in Schottland
mit verschiedenen Bands zusammengespielt. Die Band „Fiction Factory“, an deren
Album wir mitgearbeitet hatten, wurden vom gleichen Management betreut wie OMD
– „Worldchief“. OMD hatten damals „Junk Culture“ aufgenommen und dabei auf
einigen Tracks mit einem Bläserensemble zusammengearbeitet. Wir wurden gefragt,
ob wir ein paar Termine in England zusammen mit OMD wahrnehmen könnten, auch
TV-Auftritte für die damals veröffentlichte Single „Locomotion“. Als sie
merkten, das wir außer Blasinstrumenten auch alle anderen Instrumente spielen
konnten, die sie uns in die Hand drückten, fragten sie uns, ob wir nicht auch
an der Welttournee teilnehmen wollten, um den Songs verschiedene Gitarren-
Keyboard- und Bassparts hinzuzufügen, die normalerweise fehlten. Wir gaben
unser Bestes, um uns unentbehrlich zu machen, also fragten sie uns schließlich,
ob wir nicht bei ihnen bleiben wollten.
Kanntest Du zur damaligen Zeit OMD, bzw. ihre Songs?
Nicht
besonders gut. Ich mochte viele ihrer Singles, besonders „Souvenir“, die beiden „Joan Of Arc“-Songs und ich hatte mir „Messages“ gekauft. Neil war kein Fan.
War es für Dich als
ausgebildeter und notenfester Musiker nicht gewöhnungsbedürftig, mit einer
elektronisch ausgerichteten Band wie OMD zusammenzuarbeiten? Andy und Paul
komponierten doch eher autodidaktisch zusammen und mit Hilfe ihrer ganz eigenen
Art der Notation. Hast Du dich nicht in gewisser Hinsicht musikalisch
unterfordert gefühlt?
Nein,
nicht unbedingt. Obwohl wir klassisch als Musiker ausgebildet waren, waren wir
beide offen für alles, waren Mitglieder in Bands und spielten dort Gitarre und
Keyboards. Wir beide liebten "Pink Floyd", "Tangerine Dream" und andere
experimentelle Gruppen, und ich liebte "Kraftwerk". Nachdem ich Andy (McCluskey)
dann kannte fand ich eines Tages heraus, das wir damals als Jugendliche oft die
gleichen Schallplatten gekauft hatten. "Do The Standing Still" von The Table
verkaufte etwa zwei Exemplare in England - eine an Andy und eine an mich. Andy
und ich sind auch große Fans von Leonard Cohen und wir alle interessierten uns für
die von Stockhausen/Boulez
beeinflussten Komponisten.
Technisch
gesehen war es ziemlich schwierig, bzw. hart für Neil und mich in dem Sinne,
daß Andy und Paul sich keine Gedanken über die letztendliche Tonhöhe der Songs
mit Blasinstrumenteneinsatz machten, da sie meistens gesampelt und anschließend
durch den Fairlight gejagt wurden. Songs wie „All Wrapped Up“ waren dann
plötzlich auf die Tonart F erhöht, was ziemlich hart war für uns.
Hattet ihr zu Beginn eurer
Zeit bei OMD, im Besonderen während Eurer ersten Tournee 1984, negative
Erfahrungen mit Fans machen müssen, die mit dem musikalischen Richtungswechsel
von OMD ganz und gar nicht einverstanden waren?
Während der
ersten Tour, nein. Wir wurden von jedem enthusiastisch aufgenommen, mit dem wir
sprachen und der die neue Richtung mochte. Das gute an der Sache war ja, das
aus OMD nicht gleich eine dieser von Bläsern dominierenden Funkband wurde,
sondern es war nur eine andere musikalische Struktur auf dem nach wie vor
gleichen elektronischen Hintergrund. In den folgenden Jahren dann hatte ich
einigen Einfluss auf die Art der Musik; ich war (und bin immer noch) ein großer
Fan von Soul- und Dancemusic und ich denke, ich lenkte Paul und teilweise auch
Andy hin zu mehr souligen, schwarzen Künstlern und dieser Einfluss begann sich
dann ein wenig in die Musik einzuschleichen. Einige
mögen sagen, das war keine gute Sache …
Zur Aufnahme der "Brass Version" von
"Julia's Song" (die ich persönlich sehr mag) waren Du und Neil 1984 zum ersten
mal mit OMD zusammen für Aufnahmen im Studio. Wie kam es eigentlich zu dieser
Neuaufnahme und wessen Idee war es ? Hast Du noch Erinnerungen daran, wie die
Aufnahmen damals abliefen?
Wir hatten den
Song während den Proben in Belgien laufen und Neil und ich hatten die Bläser-Riffs
hinzugefügt. Als wir dann später verschiedene Aufnahmen in einem Studio in Brüssel
machten vervollständigten wir den Track. Er endete schließlich als B-Seite,
soweit ich mich erinnere. Ich kann mich kaum an die Aufnahme erinnern - Tonstudios
sind überall auf der Welt gleich.
Du warst
als Songwriter an einem der größten Hits von OMD – "Forever Live & Die" – beteiligt. Welche Empfindungen
hattest du damals dabei? Du warst plötzlich ein Hit-Komponist ...
Woher
weißt Du das alles?!! Es war ein gutes Gefühl, zweifellos. Ich bin der Meinung,
es ist ein wunderbarer Song, aber um ehrlich zu sein, es ist hauptsächlich
Paul’s Song. Er hatte ihn bereits geschrieben und Martin Cooper hatte ein sehr
stilvolles Saxofon-Break für die Mitte des Liedes dafür abgeliefert. Ich war
schon immer gut darin zu erkennen, welche Musikstile bei Songwritern während
des Schreibens mit eingeflossen waren und als "Slave To The Rhythm" von Grace
Jones zu dieser Zeit ein großer Hit war, war es offensichtlich, woher der
Groove von Paul’s Song ursprünglich stammte. Ich fügte dem Song im Liverpooler
‚Amazon Studio’ einige Gitarrenspuren hinzu und als der Song langsam Gestalt
annahm, konstruierte ich einen groovy, (aber lächerlich identischen!)
Rhythmuspart, basierend auf dem von "Slave To The Rhythm". Das machte den Song
mehr funky, also passte nun Martin’s
Saxsolo nicht mehr so gut dazu. Ich ging ins Studio, sang die Abfolge der
Bläser- und Streicherstimmen in einem Versuch dazu und spielte sie dann auf
einem Emulator-Keyboard. Für diese Arbeit habe ich einen Anteil an den
Songwriter-Credits erhalten, den ich mir mit Neil zusammen teile und der Rest
ist Geschichte.
Hier
ist eine Veranschaulichung über Plagiation in Aktion: Die Basslinie von
"Forever Live And Die" ist dieselbe wie die von "Sexy Thing", einem viele Jahre
zuvor veröffentlichten Titel von "Hot Chocolate". "You Sexy Thing" wurde um 1989
herum wiederveröffentlicht und wurde ein großer Hit. Doch war der Song neu
geremixt worden und enthielt nun den komplett gestohlenen Bläsersatz von
"Forever Live And Die"! Er hat das gleiche triolische Feeling. Das ironische
daran ist nun wieder, das ich mir den Bläsersatz damals beim Song „Roseanna“ von
"Toto" abgeschaut hatte.
Mit "Shame"
dagegen, einem weiteren Song, an dem du beteiligt warst, habt ihr im Anschluß
daran leider einen massiven Flop in den Charts gelandet ...
Ja, das war wirklich eine “Schande”. Ich schrieb den Song
so gut wie im Alleingang und auf der Single habe ich auch fast alle Instrumente
selbst eingespielt. Das war wahrscheinlich der Grund, warum alles mit diesem
Song falsch lief, denn er war letztendlich etwas leblos. Kim Wilde besuchte uns
damals während der "Pacific Age"-Tour
in Australien und sie erzählte mir, "Shame" wäre der herausragende Track des
Albums. Was mich dazu veranlasste darüber nachzudenken für sie zu komponieren
(und darüber sie zu heiraten!), aber es kam nicht dazu.
 Graham
Weir 1986
In diversen
Interviews wird oft erwähnt, das es ohne die "Stimmungmacher’ in Form der
"Weir Brothers" während der endlosen USA – Auftritte zwischen 1986 und 1988
wohl ziemlich düster innerhalb der Band ausgesehen hätte. Wie siehst du heute
diese Zeit und die Zeit ‚on tour’ überhaupt?
Auf Tournee zu sein war die beste Sache überhaupt! Ich hatte seitdem
sicherlich viele weitere Höhepunkte in
meinem Leben, aber als junger, ungebundener Mann war es, als würden alle Träume
wahr werden – ein Haufen Geld, prächtige Mädchen, wunderbare Hotels, tolle Länder
und nur ein paar Stunden Arbeit täglich. Es gibt schon auch eine Menge
Langeweile und oft hängt man einfach nur den ganzen Tag herum, aber wir machten
einfach fröhlich weiter und hatten riesigen Spaß. Neil und ich sind ehrlich
gesagt auch bekannt dafür, das wir nie ernst bleiben können und Mal Holmes ist
genauso abgedreht, also hatten wir einige großartige Momente voller Albernheit
und dummen Spielchen.
Und hast du dabei noch spezielle Erinnerungen an
Deutschland?
Einige… Die Verpflegung hinter der Bühne
beschränkte sich in den meisten Fällen immer auf “Weinerschnitzel” … ich war sehr erfreut darüber, Dr Mueller’s
Sex Shop im Frankfurter Flughafen zu entdecken, und noch mehr darüber, James
Brown darin zu treffen ... reizende Mädchen ... gute Clubs in München ... als
wir ein Open Air in einem Park in Hamburg spielten und die Bühne mit China
Crisis in Beschlag nahmen ... Das Festival in Paderborn mit vielen Besuchern in
Gestalt von britischen Soldaten … Berlin in der Zeit vor der Vereinigung … eine
bescheuerte TV Show in der wir auftraten, irgendwas mit “Pop...”
War es schwer für dich und Neil, eure eigenen
musikalischen Ideen gegenüber den Hauptsongwritern Andy und Paul einzubringen
oder durchzusetzen? Mit ein Grund für den OMD-Split 1989 soll ja auch die
Tatsache gewesen sein, das ihr, wie auch Malcolm und Martin, mehr in den
kreativen Songwriting-Prozess involviert sein wolltet.
Ich
war begierig darauf zu schreiben – ich hatte Millionen an Ideen von denen ich
dachte, sie wären großartig, aber rückblickend waren sie zu komplex und
kompliziert. Ich versuchte Andy seine Songideen auszureden, weil ich oft dachte
sie wären anmaßend. Na ja, es hat ihn nicht viel gekümmert, aber er hat mich
während der Aufnahme von "The Pacific Age" gnädigerweise nach ein paar meiner
Ideen gefragt.
Ich
denke, dies hat teilweise eine Rolle gespielt in Bezug auf die Spannungen und
die darauffolgende Trennung, aber da waren noch andere Faktoren, wie z. B. der
vom marketingtechnischen Standpunkt aus gesehene, riesengroße Fehler, für den
größten Hit in den USA, "If You Leave", kein Album im Rücken gehabt zu haben,
das sich unterstützend auf den Verkauf ausgewirkt hätte. Wir tourten unablässig
und erbarmungslos und ich denke, dadurch wurde die Kreativität von Andy und
Paul möglicherweise etwas in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Zeit begannen wir
uns während all dieser Tourneen ein wenig auf den Wecker zu gehen, wir hatten
Freundinnen oder Ehefrauen, so war also die Aussicht, direkt im Anschluß nach
einer anstrengenden Tour für weitere drei Monate in ein Studio zu gehen wenig
attraktiv für uns alle. Paul ist ein sehr netter Typ und Andy ist jemand mit
einem sehr starken Willen, was zur Folge hatte, das, als Andy mit Plänen für
eine neue Richtung in Sachen OMD ankam und Paul nicht daran interessiert war,
beide damit begannen, ihre eigenen, getrennten Wege zu gehen.
Viele Fan's waren damals wie auch heute der Meinung, daß "Virgin", die
Plattenfirma von OMD, die Band nie genug, bzw. gut genug vermarktet hat. Wie
denkst Du darüber? Könnten OMD heute, wären sie konsequenter vermarktet worden,
ähnlich populär sein und Kultstatus besitzen wie beispielsweise "Depeche Mode"
oder "New Order"? Ich kann das wirklich nicht beantworten; ich war nie an irgendwelchen
Aktionen bezüglich Marketing
oder an Geschäften mit der Plattenfirma beteiligt.
Wie ich bereits erwähnte, ich bin der Meinung, das es ein schwerwiegender
Fehler war, kein Album zu haben, als "If You Leave" ein Hit in den US-Charts
wurde. Ich denke auch, eine Menge Singles waren einfach schwach; die Band war bereits
lange Zeit einem Hit erfolglos hinterhergerannt und dies war auch weiterhin
so als ich dabei war.
An welchen Songs von OMD
haben Du und Neil eigentlich maßgeblich mitgewirkt, ohne namentlich als
Songwriter genannt worden zu sein?
Das ist schwierig in eine bestimmte Zahl zu fassen und die Antwort könnte
Probleme verursachen.
 Graham Weir kurz
vor einem Auftritt mit "Forever Live & Die" im deutschen
Fernsehen 1986
Wie kamst du damals mit den
einzelnen Mitgliedern von OMD zurecht und habt ihr heute eigentlich noch
Kontakt untereinander?
Wir sind alle gute Freunde. Mit Andy hatten wir
zeitweilig eine schwierige Phase, aber wir gingen ihm in dieser Zeit einfach
aus dem Weg. Heute sind Neil und Mal sehr gute Freunde (Mal war Neils „Best
Man“ * bei seiner Hochzeit) und Mal und Mart stehen sich nach wie vor nahe.
Wir alle wissen über den anderen Bescheid, nur sehen wir uns nicht sehr oft.
Ich habe Andy in Liverpool gesehen und hatte ein paar gute Sessions. Paul habe
ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Es gibt keine negativen Stimmungen
untereinander, es ist nur so, das sich unsere Lebenswege in verschiedene
Richtungen geführt haben.
*) Freund
des Bräutigams, der bei der Ausrichtung der Hochzeit eine wichtige Rolle
spielt.
Gibt es etwas Neues über
deinen Bruder Neil zu berichten? Was macht er zur Zeit?
Neil arbeitet wie ich im Bereich der Ausbildung. Er
ist ranghoher Dozent in einem College im Westen von Schottland. Er ist
verheiratet und hat einen kleinen Sohn und spielt immer noch, wann immer er die
Zeit dazu findet. Er und Mal verbrachten die letzte Woche zusammen.
Wie hast Du persönlich die langsame
Trennung von Andy McCluskey und Paul Humphreys erlebt? Wann gab es deiner
Meinung nach die ersten Anzeichen dafür?
Wie ich bereits oben schon erwähnte – es war um 1987
herum, während der "Pacific Age" und "Best Of" – Tour. Es gibt nicht viel dazu zu
sagen, sie waren immer noch Freunde, aber alle machten eine Entwicklung durch
und hatten andere Interessen.
Waren Du
und Neil bis zum Ende der Band aktiv bei OMD dabei oder hattet ihr die Band
schon früher verlassen? Auf "Dreaming" aus dem Jahre 1988 ist für mich kein
Einfluss von eurer Seite aus erkennbar. Bei "Satellite", dem Song
auf der B-Seite, meine ich zwar eine
Posaune heraus zu hören, die kann allerdings auch gesampelt sein.
Ich habe keine Ahnung, ob ich an "Satellite" beteiligt war – ich habe das
Stück noch nie gehört! Sollte ich doch daran mitgewirkt haben, werde ich
natürlich sofort mal mit Andy telefonieren!
In Wirklichkeit hassten wir alle "Dreaming", schon als es das erste Mal
während den "Crush" - Sessions auftauchte. Andy liebte den Song, bekam ihn aber
nie auf ein Album, zumindestens solange nicht, bis OMD “seine” Band war.
Ich
kann mich nicht an das genaue Datum erinnern, aber ich glaube, es war 1988, als
wir als Supportband von "Depeche Mode" durch die USA tourten. Es
war bereits die dritte Tour als Vorband einer Reihe von Bands, die zu Hause in
England auch nicht bekannter waren als wir und sie alle eroberten die Staaten. Neil und ich spürten, das die Zeit
dafür gekommen war, etwas anders zu machen, also sagten wir den Jungs, das wir
nach dieser Tour die Band verlassen wollten, was wir dann auch taten. Ich
schrieb danach noch mit Andy gemeinsam am nächsten Album mit, aber keine dieser
Ideen schaffte es letztendlich auf “Sugar Tax”.
Wie erging es dir persönlich
nach dem Split der Band? Wie würdest du deine damalige Gemütslage beschreiben –
warst du froh, das es endlich vorbei war und hast dabei positiv in die Zukunft
geblickt oder gab es eine emotionale Krise, während der du nicht wusstest, was
die Zukunft bringen wird? Was hast du in der ersten Zeit nach OMD getan?
Nein, ehrlich gesagt war ich ziemlich unglücklich. Es war ein fantastisches
Leben, ein großartiger Haufen von Typen waren wir, und wir hatten die ganze
Welt zusammen bereist, hatten Freunde in den verschiedensten Orten. Es war
hart, dies alles und auch das Geld, das wir dabei verdienten, aufzugeben. Aber
es machte einfach keinen Spaß mehr und es war offensichtlich, das es zu einem
Ende kam. Also war der richtige Zeitpunkt gekommen um zu gehen. Ich hatte
damals ein nettes Mädchen getroffen, sie heißt Lorene und ist auch meine
Ehefrau geworden, also war ich damals darüber mehr aufgeregt! Mal und ich haben
was zusammen geschrieben, doch hatten wir weder keine klare Vorstellung davon,
was dabei letzten Endes herauskommen sollte, noch hatten wir viel Antrieb, also
fiel das ganze flach. Ich begann dann damit , für das Fernsehen und für
Werbespots Musik zu schreiben, was meine kreativen Bedürfnisse sehr befriedigt
hat. Mittlerweile bin ich ein Experte in Sachen MIDI Technologie, vor allem was
"Cubase" betrifft und ich wurde dann schließlich Lehrer auf diesem Gebiet.
 OMD
1986 (links Graham Weir)
Hast Du die
Weiterführung von OMD in den 90er Jahren durch Andy McCluskey mitverfolgt und
wenn ja, wie ist deine Meinung darüber?
Schön – ich war auf seiner „Sugar Tax“ – Party aus
Anlass der Veröffentlichung in Edinburgh und hörte mir ein paar der Songs des
Albums an. Dann gingen wir raus und betranken uns alle ziemlich fürchterlich.
Ich denke, "Sailing On The Seven Seas" war ein sehr guter Song. Andy hat ein
gutes kommerzielles Gespür und schreibt gute Melodien, also verdient er den
Erfolg. Ich denke, OMD starben einen natürlichen, würdevollen Tod – ein paar
Singles und Alben und dann sind sie verpufft.
Andy kann immer noch nicht tanzen. Sein "Atomic
Kitten" – Projekt war inspiriert, aber andererseits nicht unbedingt sehr
einfallsreich. Ohne Frage hat er sehr viel Arbeit dort hineingesteckt und wurde
angemessen dafür geehrt. Am besten ist
es, den Mantel des Schweigens über sein Eurovision-Projekt zu legen!
Es gibt eine Remix-Version von "Pandora’s
Box" mit vorzüglichem Bläsersatz, der sogenannte “Abstract Mix”, welcher sehr
an die Kombination Weir Brothers/OMD der achtziger Jahre erinnert. Kennst Du diese Version des Songs?
Nein und ich erwähne nochmal, ich wäre auch in diesem Fall
interessiert daran zu erfahren, ob ich es bin, der darauf mitspielt.
Ende 2004
gab es eine Diskussion darüber, ob es sinnvoll ist, OMD im Rahmen der "Here
& Now" – Tour nochmals auf die Bühne zu bringen. Was denkst du darüber
und
würdest du dich daran beteiligen?
Um der alten Zeiten willen würde
ich es gerne tun, aber ich bin zu beschäftigt, um an einer solchen Tour
teilnehmen zu können. Ich bezweifele aber, das ich überhaupt gefragt werden
würde – diese Art von "Tour" braucht gewöhnlich nur den Namen des Künstlers, in
Verbindung mit einer vom Haus zur Verfügung gestellten Band. Ich wünsche ihnen
viel Glück – wenn es ein Publikum dafür gibt - warum nicht?
 Die
"Weir Brothers" 1984
Mit welchen
Musikern hast du außer OMD eigentlich noch zusammengearbeitet? Auf welchen
Platten anderer Künstler bist du noch zu hören?
‘Crowded
House’ hatten uns in Australien als Vorband unterstützt, als sie sich gerade
formiert hatten. Wir diskutierten die Idee von Neil und mir, der Gruppe für
eine bereits gebuchte, große Tournee
durch die USA beizutreten. Aber es wurde
nichts daraus, da wir mit OMD bereits zu Auftritten in Japan und dem Fernen
Osten unterwegs waren. Ich frage mich manchmal, wie dann wohl alles seinen Lauf
genommen hätte, hätten wir diese Idee damals umgesetzt ...
In den achtziger Jahren arbeiteten wir mit all diesen schottischen Bands
wie ‘Wet Wet Wet’, ‚Love and Money’, ‚Hue and Cry’, ‚Spirea X’; ich kann mich
nicht mehr an alle Namen erinnern. Wir arbeiteten mit Van Morrison und ich
spielte einmal Gitarre auf einer Single der ‚Pale Fountains’! Heutzutage machen wir nicht mehr viel, es
sei denn, wir mögen den betreffenden Künstler wirklich sehr gerne. Wir hatten
vor kurzem ein paar Aufnahmen und Auftritte mit einer großartigen Gruppe namens
‚Mull Historical Society’ getätigt, um die zur Zeit ziemlich viel Wind gemacht
wird. Wir spielten mit ihnen in England, USA und in Europa, außerdem machten
wir ein paar TV-Auftritte mit ihnen, zusammen mit traditionellen (Folk)
-Musikern.
Du bist nun Kopf der ‚Ian Tomlin School of Music’ in
der ‚Napier University’ in Edinburgh. Kannst du uns etwas über deine Arbeit
dort erzählen?
Ich hatte im Bereich Unterricht bereits seit 1990 auf einem College für
Fortbildung gearbeitet. Im Jahr 2000 dann bekam ich das Angebot der Napier
Universität, dort ein akademisches Fach für ‚Populäre Musik’ zu entwickeln und
zu etablieren. Ich nahm das Angebot an und vor zwei Jahren wurde ich dort der
Boss. Die Universität befindet sich auf einem wundervollen Campus in Edinburgh,
ein sehr angenehmer Ort zum arbeiten. Wir bieten Fächer an für klassische-,
sowie auch für populäre Musik und bieten den Studenten ein großes Spektrum an
Ausbildungsmöglichkeiten in den verschiedensten Stilarten. Wir haben sehr
hervorragende Mitarbeiter und gute Verbindungen zu verschiedenen Instituten weltweit.
Wir
bieten den Sommer über eine Reihe von Kursen an, wie beispielsweise eine Jazz Schule, Rock Schule, eine Orgel
Akademie, Gesangsausbildung und die ‚Pacific Northwest Filmmusik Schule’ – das
weltweit bedeutenste Programm für Filmmusik, welches geleitet wird von ‚Emmy
Award for Composer ’- Gewinner Hummie Mann.
Ich
kam gerade von einem einwöchigen Aufenthalt in Los Angeles zurück, wo ich daran
mitarbeite, Verbindungen zu Partnerinstituten zu knüpfen und die Förderung des
Wachstums unserer Arbeit im Bereich Filmmusik dort auszubauen.
Ich
bin täglich in alle musikalischen Richtungen involviert – von Klassik bis hin
zu Jazz und Rock, aber meine wahre Liebe gilt der Dance Music, dabei ganz
besonders Trance. Meine Sommerferien verbringe ich immer in Ibiza und versinke
in der dortigen Szene. Im Grunde meines Herzens bin ich ein Hippie!
Wie würdest Du abschließend
Deine Zeit mit OMD zusammenfassen?
Wenn
ich auf die alten Zeiten zurückblicke muß ich sagen: Es war ursprünglich nie
meine Absicht, OMD als festes Mitglied beizutreten. Ich wollte einfach nur
Musik spielen und die Welt kennenlernen und Neil und ich wussten, das wir
vielleicht irgendwann mal einen Anruf - von wem auch immer - bekommen würden,
der uns diesen Traum erfüllen würde. Als wir dann bei OMD dabei waren, konnte
es keinen besseren Haufen an netten Typen geben und ich bin dankbar für diese
Erfahrung. Ich habe das Ganze nie professionell
weiterverfolgt – meine Popmusik-Karriere endete, als ich OMD verließ, aber im
Verhältnis zu meiner bisherigen Lebenserfahrung spielte es eine große Rolle. Es
gab mir einen Einblick in die Natur des Menschen, die man nur erfährt, wenn man
die Welt so gesehen hat, wie ich es tat. Ich mache es mir zur Regel, nicht
sehr oft über die Vergangenheit nachzudenken, aber ich erinnere mich an jedem Tag meines Lebens an OMD, wenn ich all
die goldenen Schallplatten an meiner Wand anschaue und alle Erinnerungen sind
gute Erinnerungen.
Ich wurde damals auf der Bühne
während "Souvenir" nie benötigt, ein Lied, das ich bis heute liebe. Also stand ich während jeder Tour
und in jeder Nacht in einem verborgenen Winkel der Bühne und beobachtete die
Zuschauer dabei, wie sie den Song mitsangen. Tausende von Menschen lächelten
und genossen ihren ganz besonderen Abend und ich sagte zu mir: "Eines Tages
wirst du dich an all dies hier erinnern".
Und ich tue es.
Vielen Dank für das Interview Graham und für deine
weitere Zukunft wünschen wir dir alles Gute!
Mehr Infos zu Graham Weir gibt es
HIER
sowie unter
http://www.pnwfilmmusic.com/europe/instructors.asp#graham
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