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Wichtiger
Hinweis: |
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KAPITEL 1: "EQUINOX" - Die ersten musikalischen Gehversuche - |
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Man schrieb das Jahr 1974, als im Liverpooler Stadtteil Meols, Wirral Merseyside, der als recht schüchtern und zurückhaltend geltende 14-jährige PAUL HUMPHREYS (geb. 27. Februar 1960) damit begann, sich für Musik zu interessieren. Vor allem die Bands „Pink Floyd“ und „Queen“ hatten es ihm besonders angetan. Für einen Teenager seines Alters zu jener Zeit eher ungewöhnlich, stand er bald darauf auch der experimentellen elektronischen Musik der deutschen Band „Kraftwerk“ – den damaligen Pionieren auf diesem Gebiet – und der ebenfalls aus Deutschland stammenden Band „NEU!“ sehr aufgeschlossen gegenüber. Paul besuchte damals die Höhere Schule in Hilbre und sehr oft trafen sich seine Schulfreunde bei ihm zu Hause zum Billard spielen. |
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Auch sie waren sehr musikbegeistert – und als sie eines Tages beschlossen, eine Band zu gründen, war Paul sofort Feuer und Flamme und trat umgehend der Gruppe bei – ungeachtet des Umstandes, dass er eigentlich überhaupt kein Instrument hatte – geschweige denn überhaupt eines spielen konnte. Jedoch besaß Paul ein bescheidenes Wissen über Elektronik und legte, wenn es nötig wurde, an jegliches von Strom versorgte Teil Hand an, das ihm zwischen die Finger kam – was ihn somit letztlich für eine Bandmitgliedschaft ausreichend qualifizierte. Aus diesem Grund war seine Rolle anfangs auch mehr die eines Helfers und Zuträgers als die des Musikers. Die Band nannte sich "Equinox" und setzte sich zusammen aus Gary Hodgson und Neil Shenton an den Gitarren, Simon Patten am Schlagzeug, Graham Johnson als Sänger und als weiteren Gitarristen Sean Weston. Die ersten Proben fanden in der Schulaula in Hilbre und bei Gary zu Hause in Newton statt. Die Gruppe versuchte sich am Nachspielen von Songs wie „Hotel California“ von den „Eagles“, Eric Clapton’s „Layla“, aber auch an den eher obskuren, selbstgeschriebenen Songs von Gary. |
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Schon bald machte sich allerdings empfindlich das Fehlen eines in der Rockmusik nicht gerade unwichtigen Instruments bemerkbar: des Basses. Paul Humphreys war es nun, der sich an den Typen mit den langen Haaren und der langen Jacke erinnerte, welcher immer seinen Bass mit sich herumtrug und den Paul schon des öfteren damit durch den Park in Meols laufen sah. Paul wusste auch, wo er wohnte – also gingen er und die anderen Mitglieder von "Equinox" zu ihm nach Hause, klopften an seine Tür und fragten ihn – obwohl sie ihn noch nie spielen gehört hatten – ob er in ihre Band eintreten wolle. Der langhaarige Typ, er hieß ANDY McCLUSKEY (geb. 24. Juni 1959), sagte daraufhin spontan zu. |
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(Eine
Anmerkung an dieser Stelle.: Entgegen
anderslautender Behauptungen kannten sich Andy und Paul nicht schon aus dem
Sandkasten – sie besuchten beide, als sie etwa neun oder zehn Jahre alt waren,
lediglich zur selben Zeit die „Market Street Secondary School“ [Grundschule] in
West Kirby, Wirral, Chesire – wo sie aber nicht miteinander befreundet, sondern
nach einem ersten Zusammentreffen im dortigen Speisesaal nur flüchtig miteinander
bekannt waren – auch dadurch bedingt, weil Andy bereits eine Klassenstufe höher
war als Paul.) |
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Genau zu dieser Zeit waren in Meols drei ambitionierte junge Musiker auf der Suche nach einem Übungsraum. Es handelte sich dabei um die beiden Gitarristen Si Lerman und Ian Jackson – und einen Schlagzeuger aus dem Liverpooler Stadtteil Birkenhead namens MALCOLM HOLMES (geb. 28. Juli 1960). Bald wurden sie auch fündig, denn Paul Humphreys machte ihnen das Angebot, in seinem Elternhaus zu proben. Paul war sofort von Malcolm und vor allem von seinem recht eindrucksvollen Drumkit begeistert. Als "Equinox" sich kurz darauf entschieden, sich auf die Suche nach einem neuen Drummer zu machen, war es wiederum Paul, der Rat wusste. Denn er kannte ja bereits einen Drummer, der noch dazu bei ihm zu Hause übte und schlug ihn den anderen als Ersatz für Simon Patten vor. So wurde Malcolm Holmes, der zuvor schon in einigen anderen Bands Erfahrungen sammeln konnte und in der damaligen Szene schon zu den wenigen respektierten Drummern gehörte, schließlich der neue Schlagzeuger von "Equinox". |
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KAPITEL 2: "VCL XI" & "HITLERZ UNDERPANTZ" - Elektronische Experimente, der erste
gemeinsame Auftritt von Andy & Paul |
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Andy und Paul waren mittlerweile recht gut miteinander befreundet und verbrachten 1975 die meiste freie Zeit zusammen, was auch zum Großteil daran lag, dass sie die Einzigen aus der Band waren, die direkt in Meols wohnten. Während ihre Freunde aus der Band überwiegend auf die neuesten Hits standen, welche im Radio gespielt wurden, entdeckten Andy und Paul abseits der kommerziellen Musikrichtungen die experimentelle elektronische Musik für sich. Ausschlaggebend war vor allem der damalige Sommerhit „Autobahn“ von „Kraftwerk“. Nach einem für ihn enttäuschenden Konzert der in Deutschland beheimateten Elektronikband „Tangerine Dream“ in der „Liverpool Cathedral“ besuchte Andy eine Woche später, am 5. Oktober 1975, ein wenig besuchtes Konzert von „Kraftwerk“ im „Liverpool Empire“. Noch heute bezeichnet er diesen Auftritt als das einflussreichste und wichtigste Konzert seines Lebens. Es wirkte sich sehr nachhaltig auf seinen weiteren musikalischen Werdegang aus, den er zusammen mit Paul, mittlerweile ein großer Fan der Band „Genesis“, einschlagen sollte. Beide entschlossen sich, eine Art Gegenpol zu der konventionellen Rockmusik, die sie bei „Equinox“ spielten, zu kreieren. Paul konnte dabei sein in der Schule angeeignetes elektronisches Wissen einbringen und fortan arbeiteten sie gemeinsam mit Radiomodulatoren und selbstgebastelten Synthesizern an eigenen Soundcollagen und Songideen. Es folgte 1976 die Gründung der experimentellen Band „VCL XI“, benannt nach einem Zahlencode auf dem "Kraftwerk"-Album "Radio Aktivität". Treffender wäre das Projekt jedoch als kreative Partnerschaft und Ideenschmiede zu bezeichnen, denn eine Band im herkömmlichen Sinne war „VCL XI“ keinesfalls. Parallel zu „Equinox“ und „VCL XI“ übernahm Andy McCluskey noch den Leadsängerposten von Colin Free in der Band „Pegasus“, die sich aus seinen Freunden aus Calday zusammensetzten: Duncan Lewis (Bass), Simon Bateman (Schlagzeug), John Bleasdale (Gitarre) und Graham Gate (Keyboards). Später übernahm er zusätzlich noch den Job des Bassisten. Mit „Pegasus“ hatte Andy einige lokale Auftritte in der Gegend um Wirral. |
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Paul besuchte mittlerweile das „Riversdale Technical College“ (die technische Hochschule) in Liverpool und studierte dort das Fach Elektronik. Dadurch hatten beide nun zwangsläufig weniger Zeit, um ihre neuen Soundexperimente fortzuführen. Dennoch versuchten Andy und Paul sich in jeder freien Minute zu treffen, um ihr „VCL XI“-Projekt weiter voranzutreiben. Ihre Freunde allerdings konnten mit den abgedrehten „Songs“ nicht viel anfangen und hielten die beiden für ziemlich verrückt. Paul erlernte mittlerweile anhand eines Lehrbuches und mit der Hilfe des lokalen Musikers Kenny Newton die Grundlagen des Keyboardspielens. Als Paul zu Ohren kam, dass "Pegasus"-Keyboarder Graham Gate sein altes Selmer-E-Piano verkaufte, schlug Paul sofort zu und erwarb es für 25 Pfund. Nebenbei konstruierte er mit Hilfe eines Schaltkreisdiagramms, das er in der Hochschule entdeckt hatte, einen simplen Synthesizer. "VCL XI" hatte nun ausreichend Equipment. Andy und Paul begannen jetzt auch erstmals mit dem Versuch, gemeinsam konventionellere Songs zu schreiben, anstatt bizarre Sounds zu kreieren. Das erste Resultat daraus war der spätere Klassiker "Electricity", gefolgt von „The Beginning And The End“, das Jahre später ebenfalls noch Verwendung finden sollte. Da sie ihre Musik allerdings selbst für ziemlich abgedreht hielten, hatten sie nicht den Mut, mit „VCL XI“ live auf einer Bühne aufzutreten, obschon ein Interesse dafür vorhanden war. |
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Andy und Paul lernten nun im Laufe der Zeit einige andere lokale Musiker kennen, die der Musikszene von Wirral angehörten (oder sich derer zugehörig fühlten) – so auch den sonderbarsten Kauz von Allen – Adrian Pratt. Sie freundeten sich ziemlich schnell mit ihm an und liehen sich schon bald des öfteren seinen Synthesizer, zumal er der Einzige war, der einen eigenen Synthesizer besaß. Adrian Pratt hatte zu dieser Zeit ein Projekt mit Namen „Hitlerz Underpantz“ am Laufen – mehr ein Musikzirkus als eine richtige Band zwar – allerdings verfolgte er den ehrgeizigen Plan, das Unternehmen einmal im Jahr live auf die Bühne zu bringen. 1976 schien dies mangels geeigneter Musiker nicht zu klappen, bis Andy und Paul vorschlugen, bei ihm auszuhelfen. So kam es schließlich zum ersten gemeinsamen Bühnenauftritt von Andy und Paul in der „United Reform Church Hall“ in Hoylake, in der Nähe von Meols. |
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Paul war bei seiner Live-Premiere sichtlich nervös, doch fand er Spaß daran, live aufzutreten und wollte dies auch unbedingt mit Andy zusammen fortsetzen. Andy beendete im Sommer 1977 die Schule und begann ein Studium an der Kunstschule in Wallasey. Dort lernte er auch Julia Kneale kennen, die in der nun folgenden Zeit musikalisch wie auch privat eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen sollte. |
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KAPITEL 3: "THE ID" & "DALEK I LOVE YOU" - Von konventionellem Punkrock im Liverpooler „Eric’s Club“zu Synthesizer & Drumcomputer - |
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Regelmäßig an
jedem Freitagabend trafen sich Andy und Julia (beide waren mittlerweile ein
Paar), Paul und seine damalige Freundin Angela und auch die anderen Jungs von
„Equinox“ im |
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Andy wohnte mittlerweile mehr oder weniger bei Julia, die neben der Musik seine gesamte Zeit beanspruchte, was zwangsläufig die Vernachlässigung seines Kunststudiums zur Folge hatte. Bei „The ID“ allerdings wurde Julia Kneale schon ziemlich bald unzufrieden mit ihrer Rolle als Backgroundsängerin und wollte mehr von sich in die Band einbringen. Aus diesem Grund nervte sie Andy schon recht bald mit dem Wunsch, einen eigenen Song singen zu wollen. Andy, Paul und Malcolm erarbeiteten daraufhin im Proberaum ein Lied, das sie dann im Anschluss daran Julia vorstellten – mit dem Hinweis von Andy, dass er lediglich noch einen geeigneten Text dafür schreiben müsse. Julia lehnte dies ab, denn sie hatte bereits eine eigene Vorstellung davon, wie die Lyrics dafür aussehen sollten. So schrieb sie für ihr eigenes Lied ihren eigenen Text (welcher letztendlich auch der Einzige bleiben sollte). Und weil es nun mal ihr Lied war, nannte man es schließlich schlicht und einfach „Julia’s Song“. Im Gegensatz zu „Equinox“, die sich damit begnügt hatten, hauptsächlich bekannte Songs zu covern, spielten „The ID“ überwiegend von Paul und Andy geschriebene Stücke. "The ID" wurde schnell die Stammband in Liverpools ultimativer Szenekneipe, dem "Eric's Club" in der Liverpooler Mathew Street. Andy kristallisierte sich schon bald als der am meisten geeignete Bandleader heraus. So fiel ihm auch die undankbare Aufgabe zu, ihrem Gitarristen Neil Shenton mitzuteilen, dass er die Band verlassen musste. John Floyd kehrte der Gruppe kurz darauf ebenfalls den Rücken und mit ihm auch Julia Kneale, deren Beziehung zu Andy sich immer mehr zu einem Trauma für beide entwickelte. Andy fühlte sich in zunehmenden Maße eingeengt von ihr, ein Umstand, der ihn schließlich zur Trennung veranlasste. Die folgenden sechs Monate, die Andy als die traumatischsten seines Lebens bezeichnete, waren überschattet von Selbstmordversuchen und einer psychiatrischen Behandlung von Julia. |
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Mit „The ID“ jedoch, die sich nun mit Andy am Gesang, Paul am Keyboard, Malcolm an den Drums, Steve Hollis am Bass und Gary Hodgson an der Gitarre im wahrsten Sinne des Wortes gesundgeschrumpft hatten, ging es stetig bergauf. Noch mehr McCluskey/Humphreys-Originalkompositionen wurden dem Programm hinzugefügt: die Songs „Nepal“, „Berlin“, „The Misunderstanding“ und vor allem der Song „Electricity“, der schon bald zum Standardrepertoire der Band gehören sollte. |
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Der Besitzer des „Eric’s Club“, Roger Eagle, in dessen Club „The ID“ jetzt regelmäßig auftraten, ermutigte die Band dazu, ein Demo-Tape aufzunehmen, um damit auch in anderen Clubs Auftritte ergattern zu können. Also sammelten sie zusammen 25 Pfund und mieteten für einen Tag das kleine Vierspur-Tonstudio „Open Eye Gallery“ im Herzen von Liverpool. Dort nahmen sie drei Songs auf: „Electricity", "The Misunderstanding" und "Julia's Song" (bei dem Andy nun den Leadgesang übernommen hatte). Erst im Juli 1979, als die Band schon lange nicht mehr existierte, erschien davon „Julia’s Song“ auf dem Sampler "Street To Street – A Liverpool Album". |
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Leider kamen schon bald die restlichen Bandmitglieder nicht mehr damit klar, dass ausschließlich Andy und Paul im Alleingang die Songs für "The ID" schrieben. Zusätzlich gab es einige Streitereien finanzieller Natur. Erschwerend kam für „The ID“ als Punkrockband noch hinzu, dass Andy und Paul umso weniger Lust auf den gitarrenlastigen „The ID“-Sound hatten, je mehr sie „Kraftwerk“ hörten. Die Folge dieser Differenzen war, dass sich Andy dazu veranlasst sah, die Band im August 1978 zu verlassen, was auch letzten Endes die komplette Auflösung von „The ID“ bedeutete, da sein Weggang nicht kompensiert werden konnte. |
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Paul und Andy blieben jedoch Freunde, verfolgten weiterhin eifrig ihre „VCL XI“-Soundexperimente und besuchten auch regelmäßig das "Eric's", allein schon, um sich dort über neue Bands zu informieren. Sehr beeindruckt wurde Andy im „Erics“ von Andy Gill (Gitarre), David Balfe (Bass), Chris Shaw (Tonbänder) und David Hughes (Keyboards), die auf der Bühne vorproduzierte Tonbandaufnahmen und einen Drumcomputer benutzten und sich "Dalek I Love You", kurz „DILY“ nannten. Andy war einfach nur begeistert – für ihn war die Band eine Art New-Wave-Pop-Version von „Kraftwerk“, da sie zwar Elektronik einsetzten, trotzdem aber nicht auf Bass und Gitarre verzichteten. Da der Band ein Frontmann und Sänger fehlte, heuerten Gill und Balfe, die beiden kreativen Köpfe von „DILY“, umgehend Andy für diese Aufgabe an. Für die darauffolgenden zwei Monate war er nun Mitglied. |
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Die Band stand sogar kurz vor dem Abschluss eines Plattenvertrages mit „Phonogram-Records“. Doch es sollte anders kommen: Durch den Umstand, dass Andy keinerlei Raum für seine Songideen eingeräumt wurde und der weiteren, für Andy unerträglichen Tatsache, dass ziemlich chaotische Zustände innerhalb des Bandgefüges herrschten, verließ er konsequenterweise im Frühsommer 1978 wieder die Gruppe „DILY“. (Später benutzten Andy und Paul jedoch noch des öfteren ihr Equipment für Auftritte.) Andy und Paul hatten im September 1978 beide das College beendet und waren nun zum Einen arbeitslos und zum Anderen so gut wie pleite. Jedoch hatten sie immer noch ihre original "VCL XI"-Sounds und fertiges Songmaterial. Beide wollten ihre Zusammenarbeit unbedingt fortsetzen und wenigsten einmal live damit vor Publikum auftreten. Es wurde ihnen jetzt jedoch auch schlagartig bewusst, dass seit ihrem ersten Kontakt mit der elektronischen Musik bereits drei Jahre vergangen waren und sie mit ihrer Vorliebe dafür mittlerweile nicht mehr alleine waren. Die Gruppe „Normal“ hatte „Warm Leatherette“ veröffentlicht, es gab die Gruppe „Cabaret Voltaire“ und auch „The Human League“ waren bereits mit dem exzellenten Synthiesong „Being Boiled“ auf der Bildfläche erschienen. Andy und Paul war klar, dass sie die vertrackten „VCL XI“- Songs unmöglich zu zweit spielen konnten, allerdings wollten sie – nach den Erfahrungen mit „The ID“ – ihr Projekt keinesfalls wieder in ein starres konventionelles Bandschema pressen und zudem die alleinige musikalische Kontrolle über ihre Musik behalten. Doch wie sollte das funktionieren? „Dalek I Love You“ hatten es bereits aufgezeigt – die Lösung war der Einsatz eines Tonbandgerätes, das zusätzliche Musiker überflüssig machte. |
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KAPITEL 4: "ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK" - Die Geschichte beginnt hier - |
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Durch Neil Shenton und Gary Hodgson lernten Paul und Andy Paul Collister kennen. Collister erklärte sich bereit, die beiden zu unterstützen – denn er war im Besitz eines 4-Spur TEAC A344-Tonbandgerätes. Als Techniker half er den beiden, damit Backingtracks für ihren geplanten Auftritt aufzunehmen. Andy und Paul buchten dafür in Eigenregie den „Eric’s Club“, die Songs (u. a. Lieder von „The ID“, Material von ihren „VCL XI“-Experimenten wie z. B. „Once When I Was Six“ und die Songs „Electricity“, „Julia’s Song“, „Bunker Soldiers“, „Red Frame/White Light“ und eine frühe Version von „Dancing“) waren ausgewählt, als Club-Manager Roger Eagle sie darauf aufmerksam machte, dass er für die Konzertplakate noch den Namen ihrer Band benötigte. Andy erinnerte sich an ein Experimentalstück, welches er und Paul einmal aufgenommen hatten. Es basierte auf drei Radiogeräten und Kriegsgeräuschen. Da sie sowieso nur diesen einen Auftritt machen wollten, nahmen die beiden ohne viel darüber nachzudenken den Titel des Stückes als Bandnamen – nichtahnend, dass sie ihn für die kommenden zwei Jahrzehnte behalten sollten. An einem Donnerstag, genauer gesagt am 12. Oktober 1978, war es dann soweit: Andy und Paul testeten die Theorie ihrer „Taperecorder-Music“ live auf der Bühne des „Eric’s Club“ in Liverpool – unter dem sonderbaren und ungewöhnlichen Namen |
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ORCHESTRAL MANOEUVRES in the Dark. |
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Ihrer Band einen so langen, schwerfälligen und auch komplizierten Namen zu geben war möglicherweise nicht unbedingt sehr klug – doch Paul Humphreys brachte es auf den Punkt: "Wir brauchten einen Namen, der den Leuten klarmachte, dass wir keine Punkband waren." McCluskey sagte dazu in einem Interview für die Musikzeitschrift "Sounds" 1980: "Es war der blödeste Name, der uns eingefallen war." |
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Zu ihrem ersten Auftritt äußerte sich Andy McCluskey in
einem Interview mit dem "New Musical Express" am 22.11.1980 folgendermaßen: |
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KAPITEL 5: TONY
WILSON's "FACTORY", PETER SAVILLE |
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Roger Eagle vom „Eric’s
Club“ war es auch, der den Kontakt zu Tony Wilson, einem Konzertveranstalter
aus Manchester herstellte. Wilson besaß einen Club, genannt „The Factory“. Gut
zwei Wochen nach ihrem Debüt im „Eric’s“ traten OM bei ihm auf. Unterstützt
wurden sie auch weiterhin von Paul Collister, da er der Einzige im Umfeld von
Andy und Paul war, der sich mit dem Bedienen von Mischpulten und der Live-P.A.
auskannte. Außerdem besaß er ein bisschen Geld und hatte Zugriff auf einen
Firmenlieferwagen, was sich für die Fahrt zu den Liveauftritten als sehr
hilfreich erwies. Und da war auch die noch immer in seinem Besitz befindliche
Tonbandmaschine, auf die Andy und Paul nicht verzichten konnten und der man
mittlerweile den Namen „WINSTON“ (nach der Hauptfigur des George Orwell-Romans
„1984“) verpasst hatte. Andy und Paul setzten zudem großes Vertrauen in ihn und
ungeachtet des Umstandes, dass Collisters Wissen in Bezug auf das Musikbusiness
so ziemlich gegen Null tendierte und er durch sein ungepflegtes Äußeres
meistens für den Roadie gehalten wurde, übertrugen sie ihm die Verantwortung
als ihr Manager. Collister tätigte von da an alle geschäftlichen Belange und
Gespräche für OM und vereinbarte weitere lokale Auftritte in und um Liverpool.
Der Liverpooler Alternativ-Radiosender „Radio City“ veranstaltete jährlich einen Songwettbewerb für Nachwuchskünstler. Andy und Paul wollten ebenfalls daran teilnehmen. Dafür wählten die beiden den Song „Electricity“ aus und nahmen ihn in Paul Collister’s kleinem Garagenstudio mit recht bescheidenen Mitteln auf. Zusätzlich brachten sie einen weiteren neuen Song, den sie geschrieben hatten, auf Band – es handelte sich dabei um den Titel „Almost“. Diese Aufnahme schickten sie umgehend an den Radiosender, zusätzlich noch an verschiedene lokale Konzertveranstalter und auch an das Liverpooler Plattenlabel „Zoo Records“, das allerdings keinerlei Interesse an der Band zeigte. Paul und Andy probten daraufhin weiter in Collisters Garage und schrieben einige weitere neue Songs, darunter auch das Stück „Messages“. Es folgten einige lokale Auftritte und es war jetzt offensichtlich, dass nun doch mehr aus OM werden würde als der ursprünglich geplante eine Auftritt im „Eric’s Club“. |
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Und – oh Wunder –
„Radio City“ spielte
„Electricity“ tatsächlich in seinem Programm. Andy und Paul waren mächtig
stolz, als sie ihren eigenen Song zum ersten Mal während einer Fahrt im Auto
hörten. Lustigerweise dachten sie damals, dass der Song von einer ihrer
zahlreichen Kassetten ablief und wollten das Band ausschalten. Sie mussten aber
zu ihrer eigenen Überraschung feststellen, dass das Lied im Radio lief!
Problematisch indes war, dass beide nicht alleine von ihrer Musik leben
konnten. So musste Andy beim Zoll arbeiten, was jedoch recht gut bezahlt wurde
und OM durch so manchen finanziellen Engpass half. Paul wiederum verdiente
nebenbei Geld als Helfer in der örtlichen Liverpooler Badeanstalt. |
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Doch beide ergriffen jede
Chance, die sich ihnen anbot und ihre Lage verbessern konnte. Als Andy und Paul
im britischen Sender „Granada TV“ einen Auftritt von „The Human League“ sahen,
noch dazu moderiert von keinem Geringerem als Tony Wilson, dem
„Factory-Club“-Besitzer, rief Paul Collister noch gleich nach der Sendung dort
an, um seinem Freund Tony mitzuteilen, dass auch OM gerne in seiner Show
auftreten würden. Da jedoch alle in Frage kommenden Termine bereits anderweitig
besetzt waren, konnte er der Band keinen Auftritt in naher Zukunft versprechen
– allerdings hatte er gerade sein eigenes Denn während die meisten Leute in OM ausschließlich eine englische Version des verrückten deutschen „Kraftwerk“-Zeugs sahen, so erkannte Tony Wilson damals schon das Hitpotential von OM. Per Handschlag und einer einfachen 50/50-Regelung nahm er OM bei seinem Label „Factory“ unter Vertrag, allerdings unter der Bedingung, „Electricity“ & „Almost“ neu aufzunehmen. |
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In den „Cargo Studios“ in Rochdale wurden die Songs schließlich aufgenommen, zum erstenmal für Andy und Paul in einem halbwegs vernünftigen Studio. Doch waren sie mit dem Ergebnis des Produzenten Martin „Zero“ Hannett überhaupt nicht zufrieden und lehnten die Aufnahmen ab. Tony Wilson jedoch war von Hannett’s Version von „Almost“ sehr angetan. Andy und Paul setzten letztendlich durch, dass die alte, von Paul Collister aufgenommene Version von „Electricity“ für die A-Seite der Single verwendet wurde, Tony Wilson jedoch entschied sich für Martin Hannett’s Version von „Almost“ als B-Seite. |
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Andy, der in der Regel alle anfallenden künstlerischen Arbeiten, wie z. B. das Gestalten der Konzertplakate übernahm, hatte für die geplante Single bereits ein Cover entworfen. Von Tony Wilson wurde für diese Arbeit jedoch Peter Saville favorisiert, ein junger aufstrebender Designer aus Manchester, der das Cover von “Electricity“ dann auch schließlich realisieren durfte. „Electricity“ war überhaupt die erste Single, die„Factory Records“ veröffentlichte. Was sich nun allerdings abzuzeichnen begann, war eine gewisse Konfusion um die richtige Bandbezeichnung. Den meisten war der volle Bandname natürlich zu lang – also wurden zahlreiche Abkürzungen dafür erfunden. Die korrekte Abkürzung von „Orchestral Manoeuvres in the Dark“ war „OMITD“, die auch bevorzugt von der Musikpresse benutzt wurde. Andere wiederum verwendeten lieber „Orchestral Manoeuvres“ oder kurz „OM“, in Liverpool selbst nannte man sie nur „The Orchs“. Es sollte noch einige Zeit dauern, bis man sich auf ein offizielles und einheitliches Kürzel einigen konnte. Die Single jedenfalls verkaufte als Independentveröffentlichung in den ersten Wochen nach Erscheinen 5.000 Stück, was zum großen Teil auch an der tatkräftigen Unterstützung des englischen „Radio-One“- DJ’s John Peel lag. Er mochte das Stück und spielte „Electricity“ in seiner überregional bekannten Late-Night-Show. Dadurch wurde auch ziemlich schnell die Musikpresse auf den Titel und auf OM im Besonderen aufmerksam. So bewertete der NME am 9. Juni 1979 die Platte als „das zur Zeit beste Beispiel von „Factory-Records“ – exzellenter melodischer Synthesizerpop“. Tony Wilson machte sich nun an die Arbeit – denn das Eisen war jetzt heiß – und umgehend organisierte er eine kleine Tournee mit einigen seiner damaligen „Factory“-Künstlern – darunter auch die Band „Joy Division“. Diese Tour führte OM erstmals heraus aus Liverpool – sie spielten nun in Manchester, Leeds, Sheffield, Blackpool und zum ersten Mal auch in der Musikmetropole und Hauptstadt London. Dennoch – das Geld, welches „Electricity“ einspielte, reichte bei weitem nicht aus, um dringend benötigtes neues Equipment zu kaufen. So konnten OM auch weiterhin nicht auf Andy’s gutbezahlten Job beim Zoll verzichten. Doch Hilfe war bereits
nah – denn „Factory“ verschickte nun Kopien von Bis auf eine Ausnahme... |
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KAPITEL 6: "DIN DISC" & "THE GRAMMOPHONE SUITE" - Großer Plattenvertrag und die ersten Aufnahmen im eigenen Studio - |
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Carol Wilson war leitende Direktorin beim Plattenlabel „Virgin Music“ und dort mitverantwortlich für die Verpflichtung von Künstlern wie Sting, Tom Petty und „The Human League“. Von Virgin-Boss Richard Branson erhielt sie den Auftrag, „DinDisc Records“, ein neues, speziell für alternative Musik konzipiertes Unterlabel von „Virgin“ zu etablieren. Auch sie bekam ein Exemplar der von Tony Wilson verschickten Singles von „Electricity“ auf ihren Schreibtisch und besuchte OM daraufhin bei einem ihrer Auftritte im „Eric’s Club“. Carol Wilson war begeistert von der Musik und von Andy’s abgedrehtem Tanzstil, den er sich mittlerweile für Liveauftritte angeeignet hatte. Restlos überzeugt vom Potential OM’s wurde sie dann schließlich von einem neuen 4-Song-Demo, welches Andy und Paul, finanziert von Tony Wilson, in den „Cargo-Studios“ aufgenommen hatten. Darauf enthalten waren die Titel „Bunker Soldiers“, „Red Frame/White Light“, „Messages“ und eine neue Version von „Julia’s Song“. Besonders das Stück „Messages“ tat es Carol ungemein an. Sie war der Auffassung, dass „Messages“ das Zeug für eine potentielle Hitsingle hatte. Tony Wilson von „Factory“ war im Grunde recht froh darüber, dass Carol und „DinDisc“ Interesse an OM zeigten, denn ihm war bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass er OM früher oder später nicht mehr bei seinem „Factory“-Label würde halten können. Dafür räumte er ihnen zu große Hit-Chancen ein und die dafür erforderlichen Voraussetzungen hätte er ihnen keinesfalls bieten können. So einigte er sich schließlich mit Carol Wilson über den Wechsel von OM zu „DinDisc“.
Sie besuchte zusammen mit ihrem damaligen Freund Mike Howlett OM nun ein weiteres Mal während ihres Gigs mit „Joy Division“ in Blackpool. Dort machte sie ihnen noch am selben Abend das Angebot zur Vertragsunterzeichnung. „DinDisc“ war bis dahin die einzige interessierte Plattenfirma und bot insgesamt eine Summe von 250.000 Pfund, davon 20.000 Pfund als Vorschuss für die Aufnahme des ersten Albums. Dennoch zögerten Andy und Paul noch eine Weile damit, das Angebot anzunehmen. Während des Jahres 1979 schrieben Andy und Paul erst einige weitere Songs, bis sie schließlich insgesamt ein gutes Dutzend zusammen hatten. Allerdings wussten sie nicht, wo sie ihre erste LP qualitativ einigermaßen gut aufnehmen sollten, denn gute Studios waren für ihre Verhältnisse unbezahlbar. Und so kam ihnen die folgende Idee: Warum sollten sie 20.000 Pfund in teure Studiozeit investieren, um dann womöglich – wenn die LP ein Flop werden sollte – mit leeren Händen dazustehen? Wenn sie aber 25.000 Pfund vom „DinDisc“-Vorschuss nehmen und das Geld in ein eigenes Studio und in eigenes neues Equipment investieren würden, hätten sie bei einem Misserfolg des Albums immer noch ein komplett eingerichtetes Studio, das ihnen niemand mehr hätte nehmen können. |
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Doch Andy und Paul zögerten weiterhin, den Vertrag zu unterschreiben. Nach einigen überzeugenden Festivalauftritten, u. a. mit „Echo & The Bunnymen“, „Joy Division“, „PIL“ und „Cabaret Voltaire“ bekamen OM das Angebot, im September & Oktober 1979, den damals immens angesagten Gary Numan auf seiner England-Tour zu begleiten und nahmen dankend an. Während dieser Tour unterschrieben sie dann schließlich doch noch den Vertrag mit „DinDisc“, welcher u. a. die Verpflichtung von OM zur Veröffentlichung von insgesamt sieben Alben umfasste. Dies machte wiederum die Gründung der eigenen Firma „White Noise Ltd.“ nötig, zum Einen aus steuerlichen Gründen und zum Anderen konnten dort nun alle Einnahmen einfließen, die dadurch korrekt an Andy, Paul und Manager Paul Collister zu drei gleichen Teilen ausgezahlt werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt war es weder Andy noch Paul bewusst, dass sie bei der Unterzeichnung des Vertrages nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen worden waren. OM tappten in genau die gleiche Falle der kleingedruckten Vertragsklauseln, wie schon unzählige Newcomerbands vor und (leider auch immer noch) nach ihnen. Dieser Umstand sollte sich in den kommenden Jahren noch recht negativ auf ihren künstlerischen Output auswirken. |
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„DinDisc“ veröffentlichte sofort nach Vertragsabschluss „Electricity“ erneut als Single, diesmal jedoch in der von Andy und Paul ungeliebten, in den „Cargo-Studios“ von Martin „Zero“ Hannett aufgenommenen Version. Gleich nach Beendigung der Gary Numan-Tour spielten OM noch einige Gigs als Headliner, u. a. unterstützt von der damals noch unbekannten englischen Band namens „UB 40“ als Vorgruppe. Die Idee mit dem eigenen Studio indessen wurde wie geplant umgesetzt. Es begannen nun in kompletter Eigenleistung, unter Anleitung und tatkräftiger Mithilfe von Malcolm Holmes Vater, die Arbeiten an ihrem Studio „The Grammophone Suite“ im zweiten Stock eines alten Kaufhauses in der Innenstadt von Liverpool. Allerdings musste die Arbeit daran des Öfteren unterbrochen werden: Zuerst durch eine weitere Aufnahmesession für „John Peel’s Late-Night-Show“ und dann für einige Auftritte als Support (zusammen mit der völlig unbekannten Band „U 2“) für die US-Gruppe „Talking Heads“ im Dezember 1979 in England. Als die Arbeit am Studio dann zumindest soweit beendet war, dass Aufnahmen darin gemacht werden konnten und auch in absehbarer Zeit keine weiteren Livetermine mehr anstanden, begannen OM mit den Aufnahmen ihres ersten Albums – wofür sie gerade mal drei Wochen Zeit hatten! |
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KAPITEL 7: "O.M.I.T.D." & "MESSAGES" - Das erste Album und „Top Of The Pops“ - |
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„DinDisc“ hatte den
Veröffentlichungstermin des ersten OM-Albums in der Presse bereits für Februar
1980 angekündigt. Das Problem aber war, dass das Im Januar 1980 begannen dann die Proben für die bereits geplante Tour durch britische Clubs, um das in Kürze erscheinende Debütalbum zu promoten. Andy und Paul jedoch hatten bereits während der Tour mit Gary Numan ernüchtert feststellen müssen, dass ihr Konzept – zwei Männer und eine Bandmaschine – auf größeren Bühnen nicht funktionierte. Winston entwickelte sich zunehmend zum musikalischen Diktator auf der Bühne. Die beiden fühlten sich immer mehr in ihrer Spontanität beschnitten und unerträglich eingeengt. So beendeten sie das Kapitel „Winston“ Ende des Jahres 1979. Um die musikalische Lücke, die der Verzicht auf „Winston“ nun hinterließ, schließen zu können, mussten Andy und Paul entgegen ihrer ursprünglichen Absicht nun doch auf „richtige“ Musiker zurückgreifen. Mit DAVID HUGHES (Mitglied bei „DILY“ und „Pegasus“) war schnell ein geeigneter Keyboarder gefunden, und für die Stelle des Drummers gab es für Andy und Paul sowieso nur einen geeigneten Kandidaten, der dafür in Frage kam: Malcolm Holmes, der zum ersten Mal bei OM’s Debüt-Auftritt auf dem europäischen Festland, genauer gesagt in Eindhoven (Holland), zur Band stieß. |
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Als zweite
Singleveröffentlichung unterdessen wurde nun, noch vor dem Erscheinen des
Albums und für viele ziemlich unverständlich, der Song „Red Frame/White Light“
herausgebracht. Die Kritiken waren demnach recht gemischt, jedenfalls
erreichten OM mit dem Song zum ersten Mal einen nennenswerten Rang in den
britischen Charts: Platz 67. Am 15. Februar 1980 begann dann die Tour vom heimatlichen
und sicheren Hafen des „Eric’s Club“ in Liverpool aus. Waren dort gut zwei
Jahre zuvor bei ihrem ersten Auftritt lediglich Am 22. Februar 1980 erschien dann endlich das langerwartete Debütalbum, betitelt mit dem Bandnamen und produziert von Paul Collister (der sich jedoch für das Album das Pseudonym Chester Valentino zulegte). Die Musikpresse überschlug sich fast ausnahmslos mit Lob über das Werk. So schrieb zum Beispiel der englische Kritikerpapst Paul Morley im NME am 01.03.1980: " 'Orchestral Manoeuvres' Debut-LP ist eine der besten des Jahres“. Das Album erreichte den respektablen 27. Platz in den britischen Charts. Einigen Anteil an dem respektablen Verkauf von „O.M.i.t.D.“ hatte auch Designer Peter Saville, der ein außergewöhnliches Cover für das Album entworfen hatte und dafür im Laufe des Jahres auch mehrere Auszeichnungen erhielt. Nachdem die
Veröffentlichung von „Electricity“ ohne nennenswerten Erfolg geblieben (Platz
96 in England) und auch „Red Frame/White Light“ sang- und klanglos
untergegangen war, wurde von Carol Wilson der Titel |
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Nachdem der Song in
den „Advision Studios“ dann für fast alle Beteiligten (Andy mochte auch die
neue Aufnahme nicht) zufriedenstellend aufgenommen und schließlich auf Single
gepresst worden war, wurde er am 2. Mai 1980 veröffentlicht. OM planten nun in ihrer Euphorie und vielleicht zu einem etwas zu frühen Zeitpunkt ihre erste Tour durch Amerika. Der Trip erwies sich als ein am Ende hoffnungslos unterfinanziertes Unterfangen und in der Regel mussten OM mangels Hotel bei Fans oder Bardamen übernachten. Paul Humphreys jedoch begegnete dort seiner großen Liebe: Während eines Konzertes im New Yorker Club „Hurrahs“ lernte er seine spätere Frau Maureen, eine in New York arbeitende Ballett-Tänzerin, kennen, welche die Show zusammen mit einer Freundin besucht hatte. Nach der Rückkehr von OM ins heimische England nahmen sie dann zum zweiten Mal Songs für „John Peel’s Radioshow“ auf – unter anderem einen neuen Song mit dem etwas missverständlichen Namen „Enola Gay". |
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KAPITEL 8: "ORGANISATION" & "ENOLA GAY" - Zweites Album und der erste internationale Hit - |
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Mit „Enola Gay“ lagen Andy und Paul Carol Wilson bereits seit Monaten in den Ohren, wollten es jedoch zuerst nicht als Nachfolger von „Messages“ veröffentlichen. Die beiden waren immer noch mit der aus ihrer Punkmusikzeit heraus entstandenen Einstellung behaftet, dass Musik und Kommerz nicht zusammenpassten. Andy und Paul waren einigermaßen verunsichert darüber, welchen Weg sie in Zukunft musikalisch weiterverfolgen sollten. Ihr Debütalbum hatte in England Goldstatus erreicht und gehörte zu den sechzig meistverkauften Alben des Jahres 1980. So begannen Andy und Paul zunächst damit, neue Songs für das neue Album aufzunehmen. „Enola Gay“ war der erste und einzige neue Song, den sie bis dato geschrieben hatten. „DinDisc“ kündigte noch vor Weihnachten die Veröffentlichung des zweiten Albums an und so gerieten Andy und Paul mächtig unter Zeitdruck. Zwischen Juni und Juli 1980 schrieben die beiden insgesamt neun neue Songs (zusätzlich nahmen sie noch eine Coverversion mit in die engere Songauswahl – „The More I See You“ von Chris Montez) und nahmen die Demos in ihrem „Grammophone Studio“ auf. Zur endgültigen Aufnahme und Abmischung benutzten sie allerdings zwei größere Studios – „Ridge Farm“ in Dorking und die „Advision“-Studios. Sie ließen es nun von dem Mann produzieren, der bereits „Messages“ zum Erfolg gemacht hatte – Mike Howlett. Paul Collister hingegen war an den Aufnahmen diesmal überhaupt nicht beteiligt. |
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Ihre bisherige Arbeitsweise, alles gemeinsam zu machen, und – wie beim ersten Album – jeden Song gemeinsam zu schreiben, konnten Andy und Paul nicht beibehalten, denn sie wurden nun mit einem neuen Problem konfrontiert. Maureen zog zu Paul nach Meols und die Konsequenz daraus war, dass sich Andy jetzt in ungewohnter Weise sehr oft alleine im Studio wiederfand, da Paul verständlicherweise mehr Zeit mit seiner Freundin Maureen verbrachte, als noch die Jahre zuvor mit ihm. So schrieb und nahm Andy einige Songs im Alleingang auf („Enola Gay“, „2nd Thought“ und „Statues“), für die Paul im Anschluss daran lediglich noch ein paar Melodien beisteuerte. Paul wiederum schrieb ohne Andy den Titel „Promise“ und übernahm dabei auch noch gleich zum ersten Mal auf einem OM-Song den Leadgesang. Andy und Pauls Vorliebe für ausgefallene Themen führte schließlich noch zu dem ungewöhnlichen Lied „Stanlow“ – eine Liebeserklärung an die gleichnamige Ölraffinerie im Liverpooler Hafenbezirk Ellesmere, in der Andys Vater und Schwester arbeiteten. Mit dem völlig überarbeiteten „The Misunderstanding“ fand sogar noch zusätzlich ein alter „The ID“-Song Verwendung.
Nach gut vier Wochen war das Album schließlich fertig aufgenommen. Das Resultat konnte in der Grundstimmung als düster und melancholisch bezeichnet werden. Die Songs darauf hatten nur noch wenig von der Unbekümmertheit und Verspieltheit des Erstlings. Mitverantwortlich für diese Stimmungslage war der Freitod des Sängers Ian Curtis von „Joy Division“ am 18. Mai 1980. Andy liebte die Musik der Band und war geschockt vom Tod des Sängers, mit dem er sich während ihrer gemeinsamen Tour 1979 angefreundet hatte. So schrieb er seine Gedanken dazu in dem recht depressiven Song „Statues“ nieder. |
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"Enola Gay“ wurde nun doch als die nächste Single ausgewählt. Der Song wurde inspiriert vom Namen jenes Flugzeuges (benannt nach der Mutter des Piloten), welches 1945 über Hiroshima die erste Atombombe abwarf. Vielen Menschen war dies allerdings nicht bekannt, und so wurde das Lied vielfach für eine Art „Schwulensong“ gehalten, da „gay“ im englischen Sprachgebrauch bekanntlich für „homosexuell“ steht. „Enola Gay“ produzierte im Vorfeld bereits eine Menge Kontroverse und Stress. Paul Collister war absolut gegen die Veröffentlichung des Songs, auch Paul mochte ihn nicht sonderlich und nach Malcolm’s Einschätzung war die Chance, dass dieses Stück ein Hit werden würde, mehr als gering. Andy jedoch liebte seinen Song und hatte auch Carol Wilson von „DinDisc“ auf seiner Seite. Allerdings wiederholte sich auch hier wieder dasselbe Spiel wie schon bei „Messages“. Etliche neue Mixe wurden gefertigt und teilweise nach Beginn der Pressung wieder zurückgezogen. Andy und Paul gerieten unter mächtigen kommerziellen Druck, denn „DinDisc“ erwartete einen zumindest ebenbürtigen Nachfolger für „Messages“. Letztendlich wurde der Song aus verschiedenen aufgenommenen Versionen zusammengesetzt und am 26. September 1980 veröffentlicht. Lynden Barber vom „Melody Maker“ bezeichnete ihn als „einen perfekten Nachfolger von „Messages“. „Enola Gay“ erreichte mühelos die Position 8 in den britischen Charts, übertraf damit sogar ihren Vorgänger und blieb bis heute der erfolgreichste Song in Italien (die erste Nr. 1-Platzierung für OM überhaupt), Frankreich (38 Wochen in den Charts und 750.000 verkaufte Einheiten) und in den Mittelmeerländern. Paul Collister bezeichnete die Veröffentlichung des Songs trotz allem Erfolg (oder vielleicht gerade wegen seines Erfolges) immer noch als schweren Fehler. |
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Am 24. Oktober 1980 wurde das Album „Organisation“ veröffentlicht. Es erreichte den von allen unerwarteten 6. Platz in den englischen Charts und erhielt Gold für über 100.000 verkaufte Schallplatten. Auch in der englischen Musikpresse erhielt das Album sehr gute Kritiken, wobei allerdings die verlorene Unbekümmertheit gegenüber dem Erstling ebenfalls ein Thema war. OM begannen nun mit den Vorbereitungen für ihre bevorstehende England-Tour, als mitten in den Proben David Hughes seinen sofortigen Ausstieg aus der Band bekannt gab. Eine Absage der Termine war jetzt allerdings nicht mehr möglich, auch waren Andy und Paul zeitlich nicht mehr in der Lage, noch mehr Instrumentalparts auf die Tonbänder zu packen. Also musste schnellstmöglich Ersatz gefunden werden, denn in zehn Tagen sollte die Tour beginnen. |
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Der Ersatz für Dave
Hughes hieß MARTIN COOPER |
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Ungünstigerweise häuften sich in zunehmendem Maße die Probleme mit Manager Paul Collister. Man entfernte sich nicht allein durch die grundlegend verschiedenen musikalischen Auffassungen immer mehr voneinander. Collister war immer weniger in der Lage, eine erfolgreiche Chartband unter extremen finanziellen Mitteln zu managen und begann, aus Angst um seine Position, Andy und Paul gegeneinander auszuspielen. Zusätzlich fühlten sich OM immer mehr isoliert, je erfolgreicher sie wurden. Ihre einzige Ansprechpartnerin bei Problemen blieb Carol Wilson, die die beiden als Vertraute um Rat und Hilfe bitten konnten. Das Jahr endete im Dezember 1980 mit einem famosen ausverkauften Konzert im Londoner „Hammersmith Odeon“. Die englische Zeitung „Daily Star“ bezeichnete OM als „Englands beste neue Elektronikband".
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KAPITEL 9: "ARCHITECTURE & MORALITY" - Der endgültige Durchbruch und doch fast das Ende - |
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In den ersten acht Monaten des Jahres 1981 herrschte nun zumindest in England vollkommene Funkstille um OM. Es wurde keine weitere Single aus „Organisation“ ausgekoppelt, obwohl die Band für diesen Zweck den Titel „Motion & Heart“ neu aufgenommen hatte. OM gab keine Konzerte, absolvierte keine TV-Auftritte und brachte keine neue Langspielplatte heraus. Weiterhin gaben Andy und Paul in dieser Zeit so gut wie keine Interviews mehr, denn beide hatten die Nase voll von nervenden Boulevard-Journalisten, die mehr an persönlichem Klatsch und Tratsch interessiert waren als an der Musik von OM. Andy und Paul wollten immer noch keine Popstars sein, verweigerten sich der Presse und gingen jeglichem Starrummel aus dem Weg. Zusätzlich eskalierte das Verhältnis zu Manager Paul Collister. Es endete im Streit und Andy und Paul entließen ihn schließlich aus „White Noise Ltd.“. Allerdings waren bereits die Auftritte für ihre Tour durch Kanada und die USA gebucht und ein Manager, der die dafür anfallenden Arbeiten erledigen musste, war somit unbedingt erforderlich. Gordian Troeller, der schon mit Paul Collister bei OM-Tourneen mitgearbeitet hatte, erklärte sich auf Wunsch von Andy und Paul bereit, den Job zu übernehmen, hatte aber im Gegensatz zu Tony Wilson noch andere Klienten, um die er sich kümmern musste. Die bisher in England
erschienenen OM-Platten wurden zwischenzeitlich bereits in Kanada bei
„Polygram-Records“ veröffentlicht und so war es naheliegend, dort auch ihren
zweiten Amerika-Trip zu beginnen. Als harter Brocken erwiesen sich wiederholt die
USA: Carol Wilson fand keine Plattenfirma, die OM-Platten dort veröffentlichen
wollte, die Alben waren lediglich als Import zu bekommen. So begann eine
regelrechte Ochsentour quer durch die Vereinigten Staaten. Die Band reiste
Hunderte von Meilen von einem Provinznest zum anderen, um dort dann meistens nur
vor einer handvoll Leuten aufzutreten, die eigentlich lieber zu Country &
Western getanzt hätten als zu seltsamem englischen Synthesizer-Pop. Im Juli
1981 wurde schließlich doch noch von |
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Im Frühjahr 1981 begannen Andy und Paul bereits mit den Aufnahmen für das dritte Album in den „Manor Studios“ in Oxford, diesmal produziert vom dortigen Studiotechniker Richard Manwaring. Als einer der ersten Songs neben „She’s Leaving“ entstand ein Stück namens „Georgia“, das später jedoch in „Gravity Never Failed“ umbenannt wurde und erst 1988 auf einer B-Seite erschien. Den Titel „Georgia“ erhielt stattdessen ein anderer Song der beiden. In den „Manor-Studios“ schrieben Paul und Martin Cooper, basierend auf einem von David Hughes aufgenommenen Tape mit Choreffekten, erstmals gemeinsam an einem Stück namens „Souvenir“. Andy mochte den Song nicht, war auch von der Zusammenarbeit Pauls mit Martin nicht sonderlich begeistert und verließ bei den Aufnahmen das Studio. Mike Howlett produzierte neben Manwaring zusätzlich noch eine zweite Version des Songs. Auch „The Beginning And The End“, ein Titel aus Andy und Pauls Anfangstagen, fand nun den Weg ins Aufnahmestudio. Lediglich als vorläufige Version aufgenommen, wurde er später dennoch genau in dieser Rohversion veröffentlicht. Andy und Paul experimentierten mit neuen, fremdartigen Klängen und Effekten (beim Instrumentalstück „Architecture & Morality“) und schufen epische und verträumte Klanglandschaften voller Melancholie („Sealand“, „The Romance Of The Telescope“). |
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Im Mai verließ Martin Cooper überraschend OM, da seine Mitarbeit am Album kaum gefragt war und Paul und Andy als alleinige Songschreiber ihre gewissermaßen diktatorische Arbeitsweise weiterhin gewissenhaft pflegten und praktisch keine Einflüsse von außen zuließen. Martin stieg daraufhin in David Hughes neuer Band „Godot“ ein – ein relativ kurzlebiges Studioprojekt, das lediglich zwei EP’s und eine Single veröffentlichte und 1983 bereits wieder zu den Akten gelegt wurde. Offiziell bestanden OM zu dieser Zeit ausschließlich aus Andy McCluskey und Paul Humphreys. Alle anderen Musiker, so auch Martin Cooper und Malcolm Holmes, wurden lediglich für ihre Liveauftritte engagiert und bezahlt und spielten im Studio im Grunde das, was Andy und Paul von ihnen verlangten. Im Hinblick auf die kommende Tour wurde jetzt allerdings erneut (bedingt durch Martin’s Ausstieg) ein zweiter Keyboarder benötigt. Andy war es, der MICHAEL DOUGLAS an Bord holte. Douglas (später bei "The Human League" und "China Crisis") durfte dann auch am neuen Album mitwirken. OM experimentierten mit gregorianischen Gesängen und Choreffekten und benutzten zum ersten Mal das „Mellotron“, welches im Grunde als Prototyp der heutigen Sampler bezeichnet werden kann. Man konnte mit diesem Gerät die verschiedensten Klänge, Geräusche oder Sounds aufnehmen und anschließend auf dem Keyboard als ganz normale Melodie spielen und wiedergeben, was zu dieser Zeit noch relativ neu war. |
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Auch die kulturellen Eindrücke, die OM auf ihrer Tournee durch Frankreich sammeln konnten, wirkten sich nun inspirierend auf das Songwriting aus. So war Andy sehr beeindruckt von der Geschichte der französischen Freiheitskämpferin Jeanne d’ Arc, auch bekannt als „Jungfrau von Orleans“. Seine Faszination für dieses Thema resultierte letztendlich in einem Song – allerdings verlief die Arbeit daran recht unbefriedigend. Deshalb wurde das Stück beiseite gelegt und Andy schrieb einen komplett neuen Song darüber, mit dem schließlich jeder zufrieden war – „Joan Of Arc“. Dennoch griff man die erste Version nochmals auf und arbeitete diesmal mit der kompletten Band daran. Dieser Versuch führte nun ebenfalls zu einem gutem Ergebnis (nicht zuletzt durch Malcolm Holmes grandioses Drumming) und damit gab es für das Album kurioserweise einen zweiten Song über Jeanne d’ Arc – „Maid Of Orleans“. Andy schrieb noch einen weiteren Titel für das Album im Alleingang – „The New Stone Age“. |
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Am 4. August 1981
veröffentlichte „DinDisc“ Mike Howlett’s Version von „Souvenir“ als Nachfolger
von Andy und Paul etablierten nun „OMD“ als einheitliche Abkürzung ihres Bandnamens, um die zahlreichen unterschiedlichen Bezeichnungen ihrer Band endgültig zu unterbinden, die seit Gründung der Gruppe die Runde machten. |
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Auch die Albumaufnahmen
waren mittlerweile fertiggestellt und Andy schlug den Namen „Architecture &
Morality“ dafür vor, den er zufällig in einem Laden als Titel eines Buches von
David Watkins gesehen hatte. Im September 1981 kehrte Martin durch Vermittlung
von Malcolm wieder zurück zu OMD und begleitete die Band auf einer Kurztour
durch die USA, wo Paul in Los Angeles Maureen heiratete. Während die Band in
New York weilte, wurde ausschließlich in England der Song „Joan Of Arc“ als Nachfolgesingle
von „Souvenir“ veröffentlicht und kletterte ebenfalls wieder in die Top-5. Als am 6. November schließlich das Album |
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Paul und Andy indessen waren nun zwar auf dem Gipfel des Erfolges angelangt, fühlten sich aber dennoch so gut wie am Ende. Das Jahr 1981 hatte seine Spuren bei ihnen hinterlassen: Zwei Trips nach Amerika, europaweit sieben Nummer-Eins-Platzierungen und zahlreiche vergoldete Alben – allerdings hatten beide dabei den Spaß an der Musik weitgehend verloren und standen unter einem immensen Druck, den sie kaum zu kanalisieren in der Lage waren. Am Vorabend ihrer beginnenden England-Tour nahmen sie den noch am selben Tag für die B-Seite der „Maid Of Orleans“-Maxi geschriebenen Song „Of All The Things We’ve Made“ im „Grammophone-Studio“ auf – mit der festen Absicht, dass es der letzte Song sein sollte, den sie jemals für OMD schreiben und aufnehmen würden. Beide hatten genug vom Popbusiness, fühlten sich ausgebrannt und waren an einem für sie unerträglichen und musikalisch schier ausweglosen Punkt angelangt. |
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Die Tour durch England jedoch geriet zu einem Triumphzug von OMD. Enthusiastische Fans strömten in ausverkaufte Hallen und OMD spielten nun zum ersten Mal auch in Irland. Einen Teil ihrer Konzerteinnahmen spendeten OMD dabei regelmäßig einem Fonds, der arbeitslosen Jugendlichen zugute kam. Carol Wilson schmiedete bereits Pläne zur Veröffentlichung von „She’s Leaving“ als späteren Nachfolger von „Maid Of Orleans“ und entwarf Pläne für eine weitere, umfangreiche Vermarktung der Band. „Maid Of Orleans“ wurde, entgegen der Erwartung von OMD, ein Riesenhit in ganz Europa, erreichte in England wiederum die Top-5 und war in Deutschland wochenlang Platz 1 und die meistverkaufteste Single 1982. „Maid Of Orleans“ übertraf mit drei Millionen Einheiten sogar noch bei weitem die Verkaufszahlen von „Architecture & Morality“. Für den B-Seiten-Track „Navigation“ griffen Andy und Paul auf Sounds von den Original-„VCL XI“-Aufnahmen der Jahre 1976/77 zurück. Die Auskopplung von „She’s Leaving“ als vierte Single aus dem Album war für Carol Wilson bereits so gut wie beschlossen, doch scheiterte dieses Vorhaben am Widerspruch von Andy und Paul, die in dieser Aktion einen allmählichen Ausverkauf ihrer Band sahen. Der Presse blieben die Differenzen und Probleme nicht verborgen und erste Trennungsgerüchte begannen zu zirkulieren. Andy und Paul kommentierten diese Gerüchte mit der Aussage: „Diese OMD-Verkörperung ist definitiv am Ende – es ist Zeit für eine Veränderung“ – dennoch war beiden auch klar, das es für sie nicht so leicht werden würde, die Band einfach auseinanderbrechen zu lassen. |
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Es folgte eine ausgedehnte Europatour – u. a. durch Frankreich, wo „Souvenir“ immer noch Nr. 1 in der Hitparade war. In Italien hatten sie deutlich weniger Zuspruch. Die Italiener konnten mit dem neuen Sound, der sich so grundlegend vom Hit „Enola Gay“ unterschied, wenig anfangen und die Mehrzahl der Konzertbesucher war mehr als zurückhaltend. Nach Italien ging es dann in die Schweiz und durch deutsche Konzerthallen. In Deutschland – genauer gesagt in dem kleinen Club „Zeche“ in Bochum – bekamen OMD unerwarteten Besuch von ihren größten Idolen: Karl Bartos, Ralph Hütter und Wolfgang Flür von „Kraftwerk“ kamen zu ihrem Konzert. Andy und Paul waren während ihres Auftritts verständlicherweise übernervös, immer daran denkend, wie das Konzert und ihre Musik wohl bei den „Kraftwerk“-Musikern ankommen würde. Diese waren jedoch von OMD recht angetan und nach Ende des Gigs traf man sich dann sogar noch zu einem gemeinsamen Gespräch. Am nächsten Abend besuchten „Kraftwerk“ in ihrer Heimatstadt Düsseldorf noch einen weiteren Auftritt von OMD. Die Tour führte die Band im weiteren Verlauf für einige Konzerte nach Belgien und Holland, wo „Maid Of Orleans“ bis heute der erfolgreichste S | |