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KAPITEL 1: "EQUINOX" - Die ersten musikalischen Gehversuche - |
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Man schrieb das Jahr 1974, als im Liverpooler Stadtteil Meols, Wirral Merseyside, der als recht schüchtern und zurückhaltend geltende 14-jährige PAUL HUMPHREYS (geb. 27. Februar 1960) damit begann, sich für Musik zu interessieren. Vor allem die Bands „Pink Floyd“ und „Queen“ hatten es ihm besonders angetan. Für einen Teenager seines Alters zu jener Zeit eher ungewöhnlich, stand er bald darauf auch der experimentellen elektronischen Musik der deutschen Band „Kraftwerk“ – den damaligen Pionieren auf diesem Gebiet – und der ebenfalls aus Deutschland stammenden Band „NEU!“ sehr aufgeschlossen gegenüber. Paul besuchte damals die Höhere Schule in Hilbre und sehr oft trafen sich seine Schulfreunde bei ihm zu Hause zum Billard spielen. |
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Auch sie waren sehr musikbegeistert – und als sie eines Tages beschlossen, eine Band zu gründen, war Paul sofort Feuer und Flamme und trat umgehend der Gruppe bei – ungeachtet des Umstandes, dass er eigentlich überhaupt kein Instrument hatte – geschweige denn überhaupt eines spielen konnte. Jedoch besaß Paul ein bescheidenes Wissen über Elektronik und legte, wenn es nötig wurde, an jegliches von Strom versorgte Teil Hand an, das ihm zwischen die Finger kam – was ihn somit letztlich für eine Bandmitgliedschaft ausreichend qualifizierte. Aus diesem Grund war seine Rolle anfangs auch mehr die eines Helfers und Zuträgers als die des Musikers. Die Band nannte sich "Equinox" und setzte sich zusammen aus Gary Hodgson und Neil Shenton an den Gitarren, Simon Patten am Schlagzeug, Graham Johnson als Sänger und als weiteren Gitarristen Sean Weston. Die ersten Proben fanden in der Schulaula in Hilbre und bei Gary zu Hause in Newton statt. Die Gruppe versuchte sich am Nachspielen von Songs wie „Hotel California“ von den „Eagles“, Eric Clapton’s „Layla“, aber auch an den eher obskuren, selbstgeschriebenen Songs von Gary. |
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Schon bald machte sich allerdings empfindlich das Fehlen eines in der Rockmusik nicht gerade unwichtigen Instruments bemerkbar: des Basses. Paul Humphreys war es nun, der sich an den Typen mit den langen Haaren und der langen Jacke erinnerte, welcher immer seinen Bass mit sich herumtrug und den Paul schon des öfteren damit durch den Park in Meols laufen sah. Paul wusste auch, wo er wohnte – also gingen er und die anderen Mitglieder von "Equinox" zu ihm nach Hause, klopften an seine Tür und fragten ihn – obwohl sie ihn noch nie spielen gehört hatten – ob er in ihre Band eintreten wolle. Der langhaarige Typ, er hieß ANDY McCLUSKEY (geb. 24. Juni 1959), sagte daraufhin spontan zu. |
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(Eine
Anmerkung an dieser Stelle.: Entgegen
anderslautender Behauptungen kannten sich Andy und Paul nicht schon aus dem
Sandkasten – sie besuchten beide, als sie etwa neun oder zehn Jahre alt waren,
lediglich zur selben Zeit die „Market Street Secondary School“ [Grundschule] in
West Kirby, Wirral, Chesire – wo sie aber nicht miteinander befreundet, sondern
nach einem ersten Zusammentreffen im dortigen Speisesaal nur flüchtig miteinander
bekannt waren – auch dadurch bedingt, weil Andy bereits eine Klassenstufe höher
war als Paul.) |
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Genau zu dieser Zeit waren in Meols drei ambitionierte junge Musiker auf der Suche nach einem Übungsraum. Es handelte sich dabei um die beiden Gitarristen Si Lerman und Ian Jackson – und einen Schlagzeuger aus dem Liverpooler Stadtteil Birkenhead namens MALCOLM HOLMES (geb. 28. Juli 1960). Bald wurden sie auch fündig, denn Paul Humphreys machte ihnen das Angebot, in seinem Elternhaus zu proben. Paul war sofort von Malcolm und vor allem von seinem recht eindrucksvollen Drumkit begeistert. Als "Equinox" sich kurz darauf entschieden, sich auf die Suche nach einem neuen Drummer zu machen, war es wiederum Paul, der Rat wusste. Denn er kannte ja bereits einen Drummer, der noch dazu bei ihm zu Hause übte und schlug ihn den anderen als Ersatz für Simon Patten vor. So wurde Malcolm Holmes, der zuvor schon in einigen anderen Bands Erfahrungen sammeln konnte und in der damaligen Szene schon zu den wenigen respektierten Drummern gehörte, schließlich der neue Schlagzeuger von "Equinox". |
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KAPITEL 2: "VCL XI" & "HITLERZ UNDERPANTZ" - Elektronische Experimente, der erste
gemeinsame Auftritt von Andy & Paul |
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Andy und Paul waren mittlerweile recht gut miteinander befreundet und verbrachten 1975 die meiste freie Zeit zusammen, was auch zum Großteil daran lag, dass sie die Einzigen aus der Band waren, die direkt in Meols wohnten. Während ihre Freunde aus der Band überwiegend auf die neuesten Hits standen, welche im Radio gespielt wurden, entdeckten Andy und Paul abseits der kommerziellen Musikrichtungen die experimentelle elektronische Musik für sich. Ausschlaggebend war vor allem der damalige Sommerhit „Autobahn“ von „Kraftwerk“. Nach einem für ihn enttäuschenden Konzert der in Deutschland beheimateten Elektronikband „Tangerine Dream“ in der „Liverpool Cathedral“ besuchte Andy eine Woche später, am 5. Oktober 1975, ein wenig besuchtes Konzert von „Kraftwerk“ im „Liverpool Empire“. Noch heute bezeichnet er diesen Auftritt als das einflussreichste und wichtigste Konzert seines Lebens. Es wirkte sich sehr nachhaltig auf seinen weiteren musikalischen Werdegang aus, den er zusammen mit Paul, mittlerweile ein großer Fan der Band „Genesis“, einschlagen sollte. Beide entschlossen sich, eine Art Gegenpol zu der konventionellen Rockmusik, die sie bei „Equinox“ spielten, zu kreieren. Paul konnte dabei sein in der Schule angeeignetes elektronisches Wissen einbringen und fortan arbeiteten sie gemeinsam mit Radiomodulatoren und selbstgebastelten Synthesizern an eigenen Soundcollagen und Songideen. Es folgte 1976 die Gründung der experimentellen Band „VCL XI“, benannt nach einem Zahlencode auf dem "Kraftwerk"-Album "Radio Aktivität". Treffender wäre das Projekt jedoch als kreative Partnerschaft und Ideenschmiede zu bezeichnen, denn eine Band im herkömmlichen Sinne war „VCL XI“ keinesfalls. Parallel zu „Equinox“ und „VCL XI“ übernahm Andy McCluskey noch den Leadsängerposten von Colin Free in der Band „Pegasus“, die sich aus seinen Freunden aus Calday zusammensetzten: Duncan Lewis (Bass), Simon Bateman (Schlagzeug), John Bleasdale (Gitarre) und Graham Gate (Keyboards). Später übernahm er zusätzlich noch den Job des Bassisten. Mit „Pegasus“ hatte Andy einige lokale Auftritte in der Gegend um Wirral. |
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Paul besuchte mittlerweile das „Riversdale Technical College“ (die technische Hochschule) in Liverpool und studierte dort das Fach Elektronik. Dadurch hatten beide nun zwangsläufig weniger Zeit, um ihre neuen Soundexperimente fortzuführen. Dennoch versuchten Andy und Paul sich in jeder freien Minute zu treffen, um ihr „VCL XI“-Projekt weiter voranzutreiben. Ihre Freunde allerdings konnten mit den abgedrehten „Songs“ nicht viel anfangen und hielten die beiden für ziemlich verrückt. Paul erlernte mittlerweile anhand eines Lehrbuches und mit der Hilfe des lokalen Musikers Kenny Newton die Grundlagen des Keyboardspielens. Als Paul zu Ohren kam, dass "Pegasus"-Keyboarder Graham Gate sein altes Selmer-E-Piano verkaufte, schlug Paul sofort zu und erwarb es für 25 Pfund. Nebenbei konstruierte er mit Hilfe eines Schaltkreisdiagramms, das er in der Hochschule entdeckt hatte, einen simplen Synthesizer. "VCL XI" hatte nun ausreichend Equipment. Andy und Paul begannen jetzt auch erstmals mit dem Versuch, gemeinsam konventionellere Songs zu schreiben, anstatt bizarre Sounds zu kreieren. Das erste Resultat daraus war der spätere Klassiker "Electricity", gefolgt von „The Beginning And The End“, das Jahre später ebenfalls noch Verwendung finden sollte. Da sie ihre Musik allerdings selbst für ziemlich abgedreht hielten, hatten sie nicht den Mut, mit „VCL XI“ live auf einer Bühne aufzutreten, obschon ein Interesse dafür vorhanden war. |
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Andy und Paul lernten nun im Laufe der Zeit einige andere lokale Musiker kennen, die der Musikszene von Wirral angehörten (oder sich derer zugehörig fühlten) – so auch den sonderbarsten Kauz von Allen – Adrian Pratt. Sie freundeten sich ziemlich schnell mit ihm an und liehen sich schon bald des öfteren seinen Synthesizer, zumal er der Einzige war, der einen eigenen Synthesizer besaß. Adrian Pratt hatte zu dieser Zeit ein Projekt mit Namen „Hitlerz Underpantz“ am Laufen – mehr ein Musikzirkus als eine richtige Band zwar – allerdings verfolgte er den ehrgeizigen Plan, das Unternehmen einmal im Jahr live auf die Bühne zu bringen. 1976 schien dies mangels geeigneter Musiker nicht zu klappen, bis Andy und Paul vorschlugen, bei ihm auszuhelfen. So kam es schließlich zum ersten gemeinsamen Bühnenauftritt von Andy und Paul in der „United Reform Church Hall“ in Hoylake, in der Nähe von Meols. |
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Paul war bei seiner Live-Premiere sichtlich nervös, doch fand er Spaß daran, live aufzutreten und wollte dies auch unbedingt mit Andy zusammen fortsetzen. Andy beendete im Sommer 1977 die Schule und begann ein Studium an der Kunstschule in Wallasey. Dort lernte er auch Julia Kneale kennen, die in der nun folgenden Zeit musikalisch wie auch privat eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen sollte. |
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KAPITEL 3: "THE ID" & "DALEK I LOVE YOU" - Von konventionellem Punkrock im Liverpooler „Eric’s Club“ zu Synthesizer & Drumcomputer - |
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Regelmäßig an jedem Freitagabend trafen sich Andy und Julia (beide waren mittlerweile ein Paar), Paul und seine damalige Freundin Angela und auch die anderen Jungs von „Equinox“ im „White Lion Pub“ in West Kirby. Durch den Umstand, dass „Equinox“ als Band mittlerweile an ihrem Ende angelangt war, wurde dort nun die Idee geboren, eine neue Band, die parallel zu „Hitlerz Underpantz“ laufen sollte, zu gründen. Ursprünglich bestand nur die Absicht, alle Mitglieder von „Equinox“ sowie Julia Kneale und einen alten Schulfreund von Andy, den Sänger John Floyd, für lediglich einen einzigen Auftritt zusammen zutrommeln. Diesen Auftritt – als 8-köpfige Band – realisierten sie dann auch – ebenfalls in der „United Reform Church Hall“ in Hoylake. An diesem Abend im September 1977 spielten sie unter anderem auch ca. sieben von McCluskey und Humphreys geschriebene Songs, darunter ein Lied namens „Yugoslavia“ und ein Stück mit Namen „Red Frame/White Light“. Auch der Song „Radio Waves“, für den John Floyd den Text geschrieben hatte, war mit im Programm Die Band kam an diesem Abend sehr gut beim Publikum an, was die letztendliche Entscheidung, die Band fortzuführen, wesentlich erleichterte und sich in der Konsequenz als die Geburtsstunde der eher konventionellen Punkrockband „THE ID“ herausstellte. |
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Andy wohnte mittlerweile mehr oder weniger bei Julia, die neben der Musik seine gesamte Zeit beanspruchte, was zwangsläufig die Vernachlässigung seines Kunststudiums zur Folge hatte. Bei „The ID“ allerdings wurde Julia Kneale schon ziemlich bald unzufrieden mit ihrer Rolle als Backgroundsängerin und wollte mehr von sich in die Band einbringen. Aus diesem Grund nervte sie Andy schon recht bald mit dem Wunsch, einen eigenen Song singen zu wollen. Andy, Paul und Malcolm erarbeiteten daraufhin im Proberaum ein Lied, das sie dann im Anschluss daran Julia vorstellten – mit dem Hinweis von Andy, dass er lediglich noch einen geeigneten Text dafür schreiben müsse. Julia lehnte dies ab, denn sie hatte bereits eine eigene Vorstellung davon, wie die Lyrics dafür aussehen sollten. So schrieb sie für ihr eigenes Lied ihren eigenen Text (welcher letztendlich auch der Einzige bleiben sollte). Und weil es nun mal ihr Lied war, nannte man es schließlich schlicht und einfach „Julia’s Song“. Im Gegensatz zu „Equinox“, die sich damit begnügt hatten, hauptsächlich bekannte Songs zu covern, spielten „The ID“ überwiegend von Paul und Andy geschriebene Stücke. "The ID" wurde schnell die Stammband in Liverpools ultimativer Szenekneipe, dem "Eric's Club" in der Liverpooler Mathew Street. Andy kristallisierte sich schon bald als der am meisten geeignete Bandleader heraus. So fiel ihm auch die undankbare Aufgabe zu, ihrem Gitarristen Neil Shenton mitzuteilen, dass er die Band verlassen musste. John Floyd kehrte der Gruppe kurz darauf ebenfalls den Rücken und mit ihm auch Julia Kneale, deren Beziehung zu Andy sich immer mehr zu einem Trauma für beide entwickelte. Andy fühlte sich in zunehmenden Maße eingeengt von ihr, ein Umstand, der ihn schließlich zur Trennung veranlasste. Die folgenden sechs Monate, die Andy als die traumatischsten seines Lebens bezeichnete, waren überschattet von Selbstmordversuchen und einer psychiatrischen Behandlung von Julia. |
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Mit „The ID“ jedoch, die sich nun mit Andy am Gesang, Paul am Keyboard, Malcolm an den Drums, Steve Hollis am Bass und Gary Hodgson an der Gitarre im wahrsten Sinne des Wortes gesundgeschrumpft hatten, ging es stetig bergauf. Noch mehr McCluskey/Humphreys-Originalkompositionen wurden dem Programm hinzugefügt: die Songs „Nepal“, „Berlin“, „The Misunderstanding“ und vor allem der Song „Electricity“, der schon bald zum Standardrepertoire der Band gehören sollte. |
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Der Besitzer des „Eric’s Club“, Roger Eagle, in dessen Club „The ID“ jetzt regelmäßig auftraten, ermutigte die Band dazu, ein Demo-Tape aufzunehmen, um damit auch in anderen Clubs Auftritte ergattern zu können. Also sammelten sie zusammen 25 Pfund und mieteten für einen Tag das kleine Vierspur-Tonstudio „Open Eye Gallery“ im Herzen von Liverpool. Dort nahmen sie drei Songs auf: „Electricity", "The Misunderstanding" und "Julia's Song" (bei dem Andy nun den Leadgesang übernommen hatte). Erst im Juli 1979, als die Band schon lange nicht mehr existierte, erschien davon „Julia’s Song“ auf dem Sampler "Street To Street – A Liverpool Album". |
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Leider kamen schon bald die restlichen Bandmitglieder nicht mehr damit klar, dass ausschließlich Andy und Paul im Alleingang die Songs für "The ID" schrieben. Zusätzlich gab es einige Streitereien finanzieller Natur. Erschwerend kam für „The ID“ als Punkrockband noch hinzu, dass Andy und Paul umso weniger Lust auf den gitarrenlastigen „The ID“-Sound hatten, je mehr sie „Kraftwerk“ hörten. Die Folge dieser Differenzen war, dass sich Andy dazu veranlasst sah, die Band im August 1978 zu verlassen, was auch letzten Endes die komplette Auflösung von „The ID“ bedeutete, da sein Weggang nicht kompensiert werden konnte. |
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Paul und Andy blieben jedoch Freunde, verfolgten weiterhin eifrig ihre „VCL XI“-Soundexperimente und besuchten auch regelmäßig das "Eric's", allein schon, um sich dort über neue Bands zu informieren. Sehr beeindruckt wurde Andy im „Erics“ von Andy Gill (Gitarre), David Balfe (Bass), Chris Shaw (Tonbänder) und David Hughes (Keyboards), die auf der Bühne vorproduzierte Tonbandaufnahmen und einen Drumcomputer benutzten und sich "Dalek I Love You", kurz „DILY“ nannten. Andy war einfach nur begeistert – für ihn war die Band eine Art New-Wave-Pop-Version von „Kraftwerk“, da sie zwar Elektronik einsetzten, trotzdem aber nicht auf Bass und Gitarre verzichteten. Da der Band ein Frontmann und Sänger fehlte, heuerten Gill und Balfe, die beiden kreativen Köpfe von „DILY“, umgehend Andy für diese Aufgabe an. Für die darauffolgenden zwei Monate war er nun Mitglied. |
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Die Band stand sogar kurz vor dem Abschluss eines Plattenvertrages mit „Phonogram-Records“. Doch es sollte anders kommen: Durch den Umstand, dass Andy keinerlei Raum für seine Songideen eingeräumt wurde und der weiteren, für Andy unerträglichen Tatsache, dass ziemlich chaotische Zustände innerhalb des Bandgefüges herrschten, verließ er konsequenterweise im Frühsommer 1978 wieder die Gruppe „DILY“. (Später benutzten Andy und Paul jedoch noch des öfteren ihr Equipment für Auftritte.) Andy und Paul hatten im September 1978 beide das College beendet und waren nun zum Einen arbeitslos und zum Anderen so gut wie pleite. Jedoch hatten sie immer noch ihre original "VCL XI"-Sounds und fertiges Songmaterial. Beide wollten ihre Zusammenarbeit unbedingt fortsetzen und wenigsten einmal live damit vor Publikum auftreten. Es wurde ihnen jetzt jedoch auch schlagartig bewusst, dass seit ihrem ersten Kontakt mit der elektronischen Musik bereits drei Jahre vergangen waren und sie mit ihrer Vorliebe dafür mittlerweile nicht mehr alleine waren. Die Gruppe „Normal“ hatte „Warm Leatherette“ veröffentlicht, es gab die Gruppe „Cabaret Voltaire“ und auch „The Human League“ waren bereits mit dem exzellenten Synthiesong „Being Boiled“ auf der Bildfläche erschienen. Andy und Paul war klar, dass sie die vertrackten „VCL XI“- Songs unmöglich zu zweit spielen konnten, allerdings wollten sie – nach den Erfahrungen mit „The ID“ – ihr Projekt keinesfalls wieder in ein starres konventionelles Bandschema pressen und zudem die alleinige musikalische Kontrolle über ihre Musik behalten. Doch wie sollte das funktionieren? „Dalek I Love You“ hatten es bereits aufgezeigt – die Lösung war der Einsatz eines Tonbandgerätes, das zusätzliche Musiker überflüssig machte. |
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KAPITEL 4: "ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK" - Die Geschichte beginnt hier - |
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Durch Neil Shenton und Gary Hodgson lernten Paul und Andy Paul Collister kennen. Collister erklärte sich bereit, die beiden zu unterstützen – denn er war im Besitz eines 4-Spur TEAC A344-Tonbandgerätes. Als Techniker half er den beiden, damit Backingtracks für ihren geplanten Auftritt aufzunehmen. Andy und Paul buchten dafür in Eigenregie den „Eric’s Club“, die Songs (u. a. Lieder von „The ID“, Material von ihren „VCL XI“-Experimenten wie z. B. „Once When I Was Six“ und die Songs „Electricity“, „Julia’s Song“, „Bunker Soldiers“, „Red Frame/White Light“ und eine frühe Version von „Dancing“) waren ausgewählt, als Club-Manager Roger Eagle sie darauf aufmerksam machte, dass er für die Konzertplakate noch den Namen ihrer Band benötigte. Andy erinnerte sich an ein Experimentalstück, welches er und Paul einmal aufgenommen hatten. Es basierte auf drei Radiogeräten und Kriegsgeräuschen. Da sie sowieso nur diesen einen Auftritt machen wollten, nahmen die beiden ohne viel darüber nachzudenken den Titel des Stückes als Bandnamen – nichtahnend, dass sie ihn für alle Zeit behalten sollten. An einem Donnerstag, genauer gesagt am 12. Oktober 1978, war es dann soweit: Andy und Paul testeten die Theorie ihrer „Taperecorder-Music“ live auf der Bühne des „Eric’s Club“ in Liverpool – unter dem sonderbaren und ungewöhnlichen Namen
ORCHESTRAL MANOEUVRES in the Dark. |
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Ihrer Band einen so langen, schwerfälligen und auch komplizierten Namen zu geben war möglicherweise nicht unbedingt sehr klug – doch Paul Humphreys brachte es auf den Punkt: "Wir brauchten einen Namen, der den Leuten klarmachte, dass wir keine Punkband waren." McCluskey sagte dazu in einem Interview für die Musikzeitschrift "Sounds" 1980: "Es war der blödeste Name, der uns eingefallen war." |
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Zu ihrem ersten Auftritt äußerte sich Andy McCluskey in einem Interview mit dem "New Musical Express" am 22.11.1980 folgendermaßen: "Paul und ich begannen ausschließlich zu unserem eigenen Interesse Songs zu schreiben. Wir machten das zwei Jahre lang, aber wir wollten wissen, wie sich die Songs auf der Bühne anhörten und wollten es einfach nur ausprobieren. Dies war der einzige Grund, warum wir im 'Erics' auftraten. Alles was danach kam war ein zusätzlicher Bonus für uns". Jedenfalls waren zu ihrem Debüt nicht mehr als 40 Leute erschienen (darunter auch Holly Johnson, zu dieser Zeit Sänger der Gruppe „Big In Japan“ und einige Jahre später Megastar bei „Frankie Goes To Hollywood“) und der überwiegende Teil davon waren Freunde und Familienangehörige von Andy und Paul. So waren die beiden ziemlich überrascht, dass Clubbesitzer Roger Eagle, im Gegensatz zum Großteil des Publikums, ihren Auftritt großartig fand und sie für weitere Auftritte haben wollte. „Orchestral Manoeuvres“, oder kurz „OM“, (Anm.: Zu Beginn ihrer Karriere wurde das Kürzel „OMD“ noch nicht verwendet, daher nachfolgend die Abkürzung „OM“) spielten in der Folgezeit noch weitere sieben mal im "Eric's Club". |
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KAPITEL 5: TONY
WILSON's "FACTORY", PETER SAVILLE |
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Roger Eagle vom „Eric’s
Club“ war es auch, der den Kontakt zu Tony Wilson, einem Konzertveranstalter
aus Manchester herstellte. Wilson besaß einen Club, genannt „The Factory“. Gut
zwei Wochen nach ihrem Debüt im „Eric’s“ traten OM bei ihm auf. Unterstützt
wurden sie auch weiterhin von Paul Collister, da er der Einzige im Umfeld von
Andy und Paul war, der sich mit dem Bedienen von Mischpulten und der Live-P.A.
auskannte. Außerdem besaß er ein bisschen Geld und hatte Zugriff auf einen
Firmenlieferwagen, was sich für die Fahrt zu den Liveauftritten als sehr
hilfreich erwies. Und da war auch die noch immer in seinem Besitz befindliche
Tonbandmaschine, auf die Andy und Paul nicht verzichten konnten und der man
mittlerweile den Namen „WINSTON“ (nach der Hauptfigur des George Orwell-Romans
„1984“) verpasst hatte. Andy und Paul setzten zudem großes Vertrauen in ihn und
ungeachtet des Umstandes, dass Collisters Wissen in Bezug auf das Musikbusiness
so ziemlich gegen Null tendierte und er durch sein ungepflegtes Äußeres
meistens für den Roadie gehalten wurde, übertrugen sie ihm die Verantwortung
als ihr Manager. Collister tätigte von da an alle geschäftlichen Belange und
Gespräche für OM und vereinbarte weitere lokale Auftritte in und um Liverpool.
Der Liverpooler Alternativ-Radiosender „Radio City“ veranstaltete jährlich einen Songwettbewerb für Nachwuchskünstler. Andy und Paul wollten ebenfalls daran teilnehmen. Dafür wählten die beiden den Song „Electricity“ aus und nahmen ihn in Paul Collister’s kleinem Garagenstudio mit recht bescheidenen Mitteln auf. Zusätzlich brachten sie einen weiteren neuen Song, den sie geschrieben hatten, auf Band – es handelte sich dabei um den Titel „Almost“. Diese Aufnahme schickten sie umgehend an den Radiosender, zusätzlich noch an verschiedene lokale Konzertveranstalter und auch an das Liverpooler Plattenlabel „Zoo Records“, das allerdings keinerlei Interesse an der Band zeigte. Paul und Andy probten daraufhin weiter in Collisters Garage und schrieben einige weitere neue Songs, darunter auch das Stück „Messages“. Es folgten einige lokale Auftritte und es war jetzt offensichtlich, dass nun doch mehr aus OM werden würde als der ursprünglich geplante eine Auftritt im „Eric’s Club“. |
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Und – welch
eine Überraschung –
„Radio City“ spielte
„Electricity“ tatsächlich in seinem Programm. Andy und Paul waren mächtig
stolz, als sie ihren eigenen Song zum ersten Mal während einer Fahrt im Auto
hörten. Lustigerweise dachten sie damals, dass der Song von einer ihrer
zahlreichen Kassetten ablief und wollten das Band ausschalten. Sie mussten aber
zu ihrer eigenen Überraschung feststellen, dass das Lied im Radio lief!
Problematisch indes war, dass beide nicht alleine von ihrer Musik leben
konnten. So musste Andy beim Zoll arbeiten, was jedoch recht gut bezahlt wurde
und OM durch so manchen finanziellen Engpass half. Paul wiederum verdiente
nebenbei Geld als Helfer in der örtlichen Liverpooler Badeanstalt. |
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Doch beide ergriffen jede Chance, die sich ihnen anbot und ihre Lage verbessern konnte. Als Andy und Paul im britischen Sender „Granada TV“ einen Auftritt von „The Human League“ sahen, noch dazu moderiert von keinem Geringerem als Tony Wilson, dem „Factory-Club“-Besitzer, rief Paul Collister noch gleich nach der Sendung dort an, um seinem Freund Tony mitzuteilen, dass auch OM gerne in seiner Show auftreten würden. Da jedoch alle in Frage kommenden Termine bereits anderweitig besetzt waren, konnte er der Band keinen Auftritt in naher Zukunft versprechen – allerdings hatte er gerade sein eigenes „Factory“-Plattenlabel gegründet und machte Andy und Paul den Vorschlag, eine Single bei ihm aufzunehmen. Denn während die meisten Leute in OM ausschließlich eine englische Version des verrückten deutschen „Kraftwerk“-Zeugs sahen, so erkannte Tony Wilson damals schon das Hitpotential von OM. Per Handschlag und einer einfachen 50/50-Regelung nahm er OM bei seinem Label „Factory“ unter Vertrag, allerdings unter der Bedingung, „Electricity“ & „Almost“ neu aufzunehmen. |
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In den „Cargo Studios“ in Rochdale wurden die Songs schließlich aufgenommen, zum erstenmal für Andy und Paul in einem halbwegs vernünftigen Studio. Doch waren sie mit dem Ergebnis des Produzenten Martin „Zero“ Hannett überhaupt nicht zufrieden und lehnten die Aufnahmen ab. Tony Wilson jedoch war von Hannett’s Version von „Almost“ sehr angetan. Andy und Paul setzten letztendlich durch, dass die alte, von Paul Collister aufgenommene Version von „Electricity“ für die A-Seite der Single verwendet wurde, Tony Wilson jedoch entschied sich für Martin Hannett’s Version von „Almost“ als B-Seite. |
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Andy, der in der Regel alle anfallenden künstlerischen Arbeiten, wie z. B. das Gestalten der Konzertplakate übernahm, hatte für die geplante Single bereits ein Cover entworfen. Von Tony Wilson wurde für diese Arbeit jedoch Peter Saville favorisiert, ein junger aufstrebender Designer aus Manchester, der das Cover von “Electricity“ dann auch schließlich realisieren durfte. „Electricity“ war überhaupt die erste Single, die„Factory Records“ veröffentlichte. Was sich nun allerdings abzuzeichnen begann, war eine gewisse Konfusion um die richtige Bandbezeichnung. Den meisten war der volle Bandname natürlich zu lang – also wurden zahlreiche Abkürzungen dafür erfunden. Die korrekte Abkürzung von „Orchestral Manoeuvres in the Dark“ war „OMITD“, die auch bevorzugt von der Musikpresse benutzt wurde. Andere wiederum verwendeten lieber „Orchestral Manoeuvres“ oder kurz „OM“, in Liverpool selbst nannte man sie nur „The Orchs“. Es sollte noch einige Zeit dauern, bis man sich auf ein offizielles und einheitliches Kürzel einigen konnte. Die Single jedenfalls verkaufte als Independentveröffentlichung in den ersten Wochen nach Erscheinen 5.000 Stück, was zum großen Teil auch an der tatkräftigen Unterstützung des englischen „Radio-One“- DJ’s John Peel lag. Er mochte das Stück und spielte „Electricity“ in seiner überregional bekannten Late-Night-Show. Dadurch wurde auch ziemlich schnell die Musikpresse auf den Titel und auf OM im Besonderen aufmerksam. So bewertete der NME am 9. Juni 1979 die Platte als „das zur Zeit beste Beispiel von „Factory-Records“ – exzellenter melodischer Synthesizerpop“. Tony Wilson machte sich nun an die Arbeit – denn das Eisen war jetzt heiß – und umgehend organisierte er eine kleine Tournee mit einigen seiner damaligen „Factory“-Künstlern – darunter auch die Band „Joy Division“. Diese Tour führte OM erstmals heraus aus Liverpool – sie spielten nun in Manchester, Leeds, Sheffield, Blackpool und zum ersten Mal auch in der Musikmetropole und Hauptstadt London. Dennoch – das Geld, welches „Electricity“ einspielte, reichte bei weitem nicht aus, um dringend benötigtes neues Equipment zu kaufen. So konnten OM auch weiterhin nicht auf Andy’s gutbezahlten Job beim Zoll verzichten. Doch Hilfe war bereits
nah – denn „Factory“ verschickte nun Kopien von Bis auf eine Ausnahme... |
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KAPITEL 6: "DIN DISC" & "THE GRAMMOPHONE SUITE" - Großer Plattenvertrag und die ersten Aufnahmen im eigenen Studio - |
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Carol Wilson war leitende Direktorin beim Plattenlabel „Virgin Music“ und dort mitverantwortlich für die Verpflichtung von Künstlern wie Sting, Tom Petty und „The Human League“. Von Virgin-Boss Richard Branson erhielt sie den Auftrag, „DinDisc Records“, ein neues, speziell für alternative Musik konzipiertes Unterlabel von „Virgin“ zu etablieren. Auch sie bekam ein Exemplar der von Tony Wilson verschickten Singles von „Electricity“ auf ihren Schreibtisch und besuchte OM daraufhin bei einem ihrer Auftritte im „Eric’s Club“. Carol Wilson war begeistert von der Musik und von Andy’s abgedrehtem Tanzstil, den er sich mittlerweile für Liveauftritte angeeignet hatte. Restlos überzeugt vom Potential OM’s wurde sie dann schließlich von einem neuen 4-Song-Demo, welches Andy und Paul, finanziert von Tony Wilson, in den „Cargo-Studios“ aufgenommen hatten. Darauf enthalten waren die Titel „Bunker Soldiers“, „Red Frame/White Light“, „Messages“ und eine neue Version von „Julia’s Song“. Besonders das Stück „Messages“ tat es Carol ungemein an. Sie war der Auffassung, dass „Messages“ das Zeug für eine potentielle Hitsingle hatte. Tony Wilson von „Factory“ war im Grunde recht froh darüber, dass Carol und „DinDisc“ Interesse an OM zeigten, denn ihm war bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass er OM früher oder später nicht mehr bei seinem „Factory“-Label würde halten können. Dafür räumte er ihnen zu große Hit-Chancen ein und die dafür erforderlichen Voraussetzungen hätte er ihnen keinesfalls bieten können. So einigte er sich schließlich mit Carol Wilson über den Wechsel von OM zu „DinDisc“.
Sie besuchte zusammen mit ihrem damaligen Freund Mike Howlett OM nun ein weiteres Mal während ihres Gigs mit „Joy Division“ in Blackpool. Dort machte sie ihnen noch am selben Abend das Angebot zur Vertragsunterzeichnung. „DinDisc“ war bis dahin die einzige interessierte Plattenfirma und bot insgesamt eine Summe von 250.000 Pfund, davon 20.000 Pfund als Vorschuss für die Aufnahme des ersten Albums. Dennoch zögerten Andy und Paul noch eine Weile damit, das Angebot anzunehmen. Während des Jahres 1979 schrieben Andy und Paul erst einige weitere Songs, bis sie schließlich insgesamt ein gutes Dutzend zusammen hatten. Allerdings wussten sie nicht, wo sie ihre erste LP qualitativ einigermaßen gut aufnehmen sollten, denn gute Studios waren für ihre Verhältnisse unbezahlbar. Und so kam ihnen die folgende Idee: Warum sollten sie 20.000 Pfund in teure Studiozeit investieren, um dann womöglich – wenn die LP ein Flop werden sollte – mit leeren Händen dazustehen? Wenn sie aber 25.000 Pfund vom „DinDisc“-Vorschuss nehmen und das Geld in ein eigenes Studio und in eigenes neues Equipment investieren würden, hätten sie bei einem Misserfolg des Albums immer noch ein komplett eingerichtetes Studio, das ihnen niemand mehr hätte nehmen können. |
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Doch Andy und Paul zögerten weiterhin, den Vertrag zu unterschreiben. Nach einigen überzeugenden Festivalauftritten, u. a. mit „Echo & The Bunnymen“, „Joy Division“, „PIL“ und „Cabaret Voltaire“ bekamen OM das Angebot, im September & Oktober 1979, den damals immens angesagten Gary Numan auf seiner England-Tour zu begleiten und nahmen dankend an. Während dieser Tour unterschrieben sie dann schließlich doch noch den Vertrag mit „DinDisc“, welcher u. a. die Verpflichtung von OM zur Veröffentlichung von insgesamt sieben Alben umfasste. Dies machte wiederum die Gründung der eigenen Firma „White Noise Ltd.“ nötig, zum Einen aus steuerlichen Gründen und zum Anderen konnten dort nun alle Einnahmen einfließen, die dadurch korrekt an Andy, Paul und Manager Paul Collister zu drei gleichen Teilen ausgezahlt werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt war es weder Andy noch Paul bewusst, dass sie bei der Unterzeichnung des Vertrages nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen worden waren. OM tappten in genau die gleiche Falle der kleingedruckten Vertragsklauseln, wie schon unzählige Newcomerbands vor und (leider auch immer noch) nach ihnen. Dieser Umstand sollte sich in den kommenden Jahren noch recht negativ auf ihren künstlerischen Output auswirken.
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„DinDisc“ veröffentlichte sofort nach Vertragsabschluss „Electricity“ erneut als Single, diesmal jedoch in der von Andy und Paul ungeliebten, in den „Cargo-Studios“ von Martin „Zero“ Hannett aufgenommenen Version. Gleich nach Beendigung der Gary Numan-Tour spielten OM noch einige Gigs als Headliner, u. a. unterstützt von der damals noch unbekannten englischen Band namens „UB 40“ als Vorgruppe. Die Idee mit dem eigenen Studio indessen wurde wie geplant umgesetzt. Es begannen nun in kompletter Eigenleistung, unter Anleitung und tatkräftiger Mithilfe von Malcolm Holmes Vater, die Arbeiten an ihrem Studio „The Grammophone Suite“ im zweiten Stock eines alten Kaufhauses in der Innenstadt von Liverpool. Allerdings musste die Arbeit daran des Öfteren unterbrochen werden: Zuerst durch eine weitere Aufnahmesession für „John Peel’s Late-Night-Show“ und dann für einige Auftritte als Support (zusammen mit der völlig unbekannten Band „U 2“) für die US-Gruppe „Talking Heads“ im Dezember 1979 in England. Als die Arbeit am Studio dann zumindest soweit beendet war, dass Aufnahmen darin gemacht werden konnten und auch in absehbarer Zeit keine weiteren Livetermine mehr anstanden, begannen OM mit den Aufnahmen ihres ersten Albums – wofür sie gerade mal drei Wochen Zeit hatten! |
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KAPITEL 7: "O.M.I.T.D." & "MESSAGES" - Das erste Album und „Top Of The Pops“ - |
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„DinDisc“ hatte den Veröffentlichungstermin des ersten OM-Albums in der Presse bereits für Februar 1980 angekündigt. Das Problem aber war, dass das „Grammophone Suite“-Studio, zumindest was den Kontrollraum mit dem Mischpult betraf, zwar fertig war, der eigentliche Aufnahmeraum jedoch noch praktisch einer Baustelle glich. Es herrschte ein nasskalter Winter und durch das undichte Dach regnete es zum Teil in das gesamte alte Gebäude. Andy musste deshalb einige der Songs unter einem Regenschirm einsingen (bei „Pretending To See The Future“ kann man bei genauerem hinhören sogar das Wasser tropfen hören), um sich selbst und auch das Mikrophon damit zu schützen. Das Album, das ausschließlich den Namen ihrer Band tragen sollte, war in erster Linie die Studioversion ihres vorhandenen Live-Repertoires. So wurden zum Teil unter Mithilfe von befreundeten Musikern wie Malcolm Holmes (der nach dem Aus von „The ID“ bei der Band „The Man From U.N.C.L.E“ unterkam) und dem Gitarristen Dave Fairbairn die Songs „Electricity“, „Julia’s Song“ „Red Frame/ White Light“, „Bunker Soldiers“, „Dancing“ und „Messages“ übernommen und aufgenommen. Die einzigen neuen Stücke waren „The Messerschmitt Twins“, „Pretending To See The Future“ und das von Martin Cooper am Saxophon unterstützte „Mystereality“. Martin Cooper war ein alter Schulfreund von Paul Collister, der die Aufnahmen als Produzent betreute. Im Januar 1980 begannen dann die Proben für die bereits geplante Tour durch britische Clubs, um das in Kürze erscheinende Debütalbum zu promoten. Andy und Paul jedoch hatten bereits während der Tour mit Gary Numan ernüchtert feststellen müssen, dass ihr Konzept – zwei Männer und eine Bandmaschine – auf größeren Bühnen nicht funktionierte. Winston entwickelte sich zunehmend zum musikalischen Diktator auf der Bühne. Die beiden fühlten sich immer mehr in ihrer Spontanität beschnitten und unerträglich eingeengt. So beendeten sie das Kapitel „Winston“ Ende des Jahres 1979. Um die musikalische Lücke, die der Verzicht auf „Winston“ nun hinterließ, schließen zu können, mussten Andy und Paul entgegen ihrer ursprünglichen Absicht nun doch auf „richtige“ Musiker zurückgreifen. Mit DAVID HUGHES (Mitglied bei „DILY“ und „Pegasus“) war schnell ein geeigneter Keyboarder gefunden, und für die Stelle des Drummers gab es für Andy und Paul sowieso nur einen geeigneten Kandidaten, der dafür in Frage kam: Malcolm Holmes, der zum ersten Mal bei OM’s Debüt-Auftritt auf dem europäischen Festland, genauer gesagt in Eindhoven (Holland), zur Band stieß. |
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Als zweite Singleveröffentlichung unterdessen wurde nun, noch vor dem Erscheinen des Albums und für viele ziemlich unverständlich, der Song „Red Frame/White Light“ herausgebracht. Die Kritiken waren demnach recht gemischt, jedenfalls erreichten OM mit dem Song zum ersten Mal einen nennenswerten Rang in den britischen Charts: Platz 67. Am 15. Februar 1980 begann dann die Tour vom heimatlichen und sicheren Hafen des „Eric’s Club“ in Liverpool aus. Waren dort gut zwei Jahre zuvor bei ihrem ersten Auftritt lediglich 40 überwiegend desinteressierte Leute erschienen, so zwängten sich diesmal 800 zahlende Menschen in den viel zu kleinen Club. Penny Kiley vom „Melody Maker“ schrieb am nächsten Tag darüber: „OM sind auf dem Weg, eine große Nummer zu werden...“. Am 22. Februar 1980 erschien dann endlich das langerwartete Debütalbum, betitelt mit dem Bandnamen und produziert von Paul Collister (der sich jedoch für das Album das Pseudonym Chester Valentino zulegte). Die Musikpresse überschlug sich fast ausnahmslos mit Lob über das Werk. So schrieb zum Beispiel der englische Kritikerpapst Paul Morley im NME am 01.03.1980: " 'Orchestral Manoeuvres' Debut-LP ist eine der besten des Jahres“. Das Album erreichte den respektablen 27. Platz in den britischen Charts. Einigen Anteil an dem respektablen Verkauf von „O.M.i.t.D.“ hatte auch Designer Peter Saville, der ein außergewöhnliches Cover für das Album entworfen hatte und dafür im Laufe des Jahres auch mehrere Auszeichnungen erhielt. Nachdem die
Veröffentlichung von „Electricity“ ohne nennenswerten Erfolg geblieben (Platz
96 in England) und auch „Red Frame/White Light“ sang- und klanglos
untergegangen war, wurde von Carol Wilson der Titel |
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Nachdem der Song in
den „Advision Studios“ dann für fast alle Beteiligten (Andy mochte auch die
neue Aufnahme nicht) zufriedenstellend aufgenommen und schließlich auf Single
gepresst worden war, wurde er am 2. Mai 1980 veröffentlicht. OM planten nun in ihrer Euphorie und vielleicht zu einem etwas zu frühen Zeitpunkt ihre erste Tour durch Amerika. Der Trip erwies sich als ein am Ende hoffnungslos unterfinanziertes Unterfangen und in der Regel mussten OM mangels Hotel bei Fans oder Bardamen übernachten. Paul Humphreys jedoch begegnete dort seiner großen Liebe: Während eines Konzertes im New Yorker Club „Hurrahs“ lernte er seine spätere Frau Maureen, eine in New York arbeitende Ballett-Tänzerin, kennen, welche die Show zusammen mit einer Freundin besucht hatte. Nach der Rückkehr von OM ins heimische England nahmen sie dann zum zweiten Mal Songs für „John Peel’s Radioshow“ auf – unter anderem einen neuen Song mit dem etwas missverständlichen Namen „Enola Gay". |
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KAPITEL 8: "ORGANISATION" & "ENOLA GAY" - Zweites Album und der erste internationale Hit - |
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Mit „Enola Gay“ lagen Andy und Paul Carol Wilson bereits seit Monaten in den Ohren, wollten es jedoch zuerst nicht als Nachfolger von „Messages“ veröffentlichen. Die beiden waren immer noch mit der aus ihrer Punkmusikzeit heraus entstandenen Einstellung behaftet, dass Musik und Kommerz nicht zusammenpassten. Andy und Paul waren einigermaßen verunsichert darüber, welchen Weg sie in Zukunft musikalisch weiterverfolgen sollten. Ihr Debütalbum hatte in England Goldstatus erreicht und gehörte zu den sechzig meistverkauften Alben des Jahres 1980. So begannen Andy und Paul zunächst damit, neue Songs für das neue Album aufzunehmen. „Enola Gay“ war der erste und einzige neue Song, den sie bis dato geschrieben hatten. „DinDisc“ kündigte noch vor Weihnachten die Veröffentlichung des zweiten Albums an und so gerieten Andy und Paul mächtig unter Zeitdruck. Zwischen Juni und Juli 1980 schrieben die beiden insgesamt neun neue Songs (zusätzlich nahmen sie noch eine Coverversion mit in die engere Songauswahl – „The More I See You“ von Chris Montez) und nahmen die Demos in ihrem „Grammophone Studio“ auf. Zur endgültigen Aufnahme und Abmischung benutzten sie allerdings zwei größere Studios – „Ridge Farm“ in Dorking und die „Advision“-Studios. Sie ließen es nun von dem Mann produzieren, der bereits „Messages“ zum Erfolg gemacht hatte – Mike Howlett. Paul Collister hingegen war an den Aufnahmen diesmal überhaupt nicht beteiligt. |
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Ihre bisherige Arbeitsweise, alles gemeinsam zu machen, und – wie beim ersten Album – jeden Song gemeinsam zu schreiben, konnten Andy und Paul nicht beibehalten, denn sie wurden nun mit einem neuen Problem konfrontiert. Maureen zog zu Paul nach Meols und die Konsequenz daraus war, dass sich Andy jetzt in ungewohnter Weise sehr oft alleine im Studio wiederfand, da Paul verständlicherweise mehr Zeit mit seiner Freundin Maureen verbrachte, als noch die Jahre zuvor mit ihm. So schrieb und nahm Andy einige Songs im Alleingang auf („Enola Gay“, „2nd Thought“ und „Statues“), für die Paul im Anschluss daran lediglich noch ein paar Melodien beisteuerte. Paul wiederum schrieb ohne Andy den Titel „Promise“ und übernahm dabei auch noch gleich zum ersten Mal auf einem OM-Song den Leadgesang. Andy und Pauls Vorliebe für ausgefallene Themen führte schließlich noch zu dem ungewöhnlichen Lied „Stanlow“ – eine Liebeserklärung an die gleichnamige Ölraffinerie im Liverpooler Hafenbezirk Ellesmere, in der Andys Vater und Schwester arbeiteten. Mit dem völlig überarbeiteten „The Misunderstanding“ fand sogar noch zusätzlich ein alter „The ID“-Song Verwendung.
Nach gut vier Wochen war das Album schließlich fertig aufgenommen. Das Resultat konnte in der Grundstimmung als düster und melancholisch bezeichnet werden. Die Songs darauf hatten nur noch wenig von der Unbekümmertheit und Verspieltheit des Erstlings. Mitverantwortlich für diese Stimmungslage war der Freitod des Sängers Ian Curtis von „Joy Division“ am 18. Mai 1980. Andy liebte die Musik der Band und war geschockt vom Tod des Sängers, mit dem er sich während ihrer gemeinsamen Tour 1979 angefreundet hatte. So schrieb er seine Gedanken dazu in dem recht depressiven Song „Statues“ nieder. |
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"Enola Gay“ wurde nun doch als die nächste Single ausgewählt. Der Song wurde inspiriert vom Namen jenes Flugzeuges (benannt nach der Mutter des Piloten), welches 1945 über Hiroshima die erste Atombombe abwarf. Vielen Menschen war dies allerdings nicht bekannt, und so wurde das Lied vielfach für eine Art „Schwulensong“ gehalten, da „gay“ im englischen Sprachgebrauch bekanntlich für „homosexuell“ steht. „Enola Gay“ produzierte im Vorfeld bereits eine Menge Kontroverse und Stress. Paul Collister war absolut gegen die Veröffentlichung des Songs, auch Paul mochte ihn nicht sonderlich und nach Malcolm’s Einschätzung war die Chance, dass dieses Stück ein Hit werden würde, mehr als gering. Andy jedoch liebte seinen Song und hatte auch Carol Wilson von „DinDisc“ auf seiner Seite. Allerdings wiederholte sich auch hier wieder dasselbe Spiel wie schon bei „Messages“. Etliche neue Mixe wurden gefertigt und teilweise nach Beginn der Pressung wieder zurückgezogen. Andy und Paul gerieten unter mächtigen kommerziellen Druck, denn „DinDisc“ erwartete einen zumindest ebenbürtigen Nachfolger für „Messages“. Letztendlich wurde der Song aus verschiedenen aufgenommenen Versionen zusammengesetzt und am 26. September 1980 veröffentlicht. Lynden Barber vom „Melody Maker“ bezeichnete ihn als „einen perfekten Nachfolger von „Messages“. „Enola Gay“ erreichte mühelos die Position 8 in den britischen Charts, übertraf damit sogar ihren Vorgänger und blieb bis heute der erfolgreichste Song in Italien (die erste Nr. 1-Platzierung für OM überhaupt), Frankreich (38 Wochen in den Charts und 750.000 verkaufte Einheiten) und in den Mittelmeerländern. Paul Collister bezeichnete die Veröffentlichung des Songs trotz allem Erfolg (oder vielleicht gerade wegen seines Erfolges) immer noch als schweren Fehler. |
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Am 24. Oktober 1980 wurde das Album „Organisation“ veröffentlicht. Es erreichte den von allen unerwarteten 6. Platz in den englischen Charts und erhielt Gold für über 100.000 verkaufte Schallplatten. Auch in der englischen Musikpresse erhielt das Album sehr gute Kritiken, wobei allerdings die verlorene Unbekümmertheit gegenüber dem Erstling ebenfalls ein Thema war. OM begannen nun mit den Vorbereitungen für ihre bevorstehende England-Tour, als mitten in den Proben David Hughes seinen sofortigen Ausstieg aus der Band bekannt gab. Eine Absage der Termine war jetzt allerdings nicht mehr möglich, auch waren Andy und Paul zeitlich nicht mehr in der Lage, noch mehr Instrumentalparts auf die Tonbänder zu packen. Also musste schnellstmöglich Ersatz gefunden werden, denn in zehn Tagen sollte die Tour beginnen. |
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Der Ersatz für Dave Hughes hieß MARTIN COOPER (geb. 01.10.1958). Für Martin war es ein Sprung ins kalte Wasser. Zwar konnte er Klavier spielen, hatte jedoch noch nie ein Keyboard, bzw. einen Synthesizer bedient. Außerdem musste er sich innerhalb von zehn Tagen das komplette Programm erarbeiten. Doch Martin bekam es in den Griff und die komplett ausverkaufte Tour entwickelte sich zu einem Erfolg auf der ganzen Linie. Bedingt durch ihre beiden Charthits, verjüngte sich das Publikum von OM merklich, was allabendlich an den schreienden Teenagern (vor allem Mädchen) und Autogrammjägern zu beobachten war. Die britische Tour endete Mitte November 1980 und gleich darauf startete die Band nach Belgien, Holland, Deutschland und Frankreich. OM bekamen jetzt zunehmend ihre Vereinnahmung durch die Popindustrie zu spüren. |
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Ungünstigerweise häuften sich in zunehmendem Maße die Probleme mit Manager Paul Collister. Man entfernte sich nicht allein durch die grundlegend verschiedenen musikalischen Auffassungen immer mehr voneinander. Collister war immer weniger in der Lage, eine erfolgreiche Chartband unter extremen finanziellen Mitteln zu managen und begann, aus Angst um seine Position, Andy und Paul gegeneinander auszuspielen. Zusätzlich fühlten sich OM immer mehr isoliert, je erfolgreicher sie wurden. Ihre einzige Ansprechpartnerin bei Problemen blieb Carol Wilson, die die beiden als Vertraute um Rat und Hilfe bitten konnten. Das Jahr endete im Dezember 1980 mit einem famosen ausverkauften Konzert im Londoner „Hammersmith Odeon“. Die englische Zeitung „Daily Star“ bezeichnete OM als „Englands beste neue Elektronikband".
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KAPITEL 9: "ARCHITECTURE & MORALITY" - Der endgültige Durchbruch und doch fast das Ende - |
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In den ersten acht Monaten des Jahres 1981 herrschte nun zumindest in England vollkommene Funkstille um OM. Es wurde keine weitere Single aus „Organisation“ ausgekoppelt, obwohl die Band für diesen Zweck den Titel „Motion & Heart“ neu aufgenommen hatte. OM gab keine Konzerte, absolvierte keine TV-Auftritte und brachte keine neue Langspielplatte heraus. Weiterhin gaben Andy und Paul in dieser Zeit so gut wie keine Interviews mehr, denn beide hatten die Nase voll von nervenden Boulevard-Journalisten, die mehr an persönlichem Klatsch und Tratsch interessiert waren als an der Musik von OM. Andy und Paul wollten immer noch keine Popstars sein, verweigerten sich der Presse und gingen jeglichem Starrummel aus dem Weg. Zusätzlich eskalierte das Verhältnis zu Manager Paul Collister. Es endete im Streit und Andy und Paul entließen ihn schließlich aus „White Noise Ltd.“. Allerdings waren bereits die Auftritte für ihre Tour durch Kanada und die USA gebucht und ein Manager, der die dafür anfallenden Arbeiten erledigen musste, war somit unbedingt erforderlich. Gordian Troeller, der schon mit Paul Collister bei OM-Tourneen mitgearbeitet hatte, erklärte sich auf Wunsch von Andy und Paul bereit, den Job zu übernehmen, hatte aber im Gegensatz zu Tony Wilson noch andere Klienten, um die er sich kümmern musste. Die bisher in England erschienenen OM-Platten wurden zwischenzeitlich bereits in Kanada bei „Polygram-Records“ veröffentlicht und so war es naheliegend, dort auch ihren zweiten Amerika-Trip zu beginnen. Als harter Brocken erwiesen sich wiederholt die USA: Carol Wilson fand keine Plattenfirma, die OM-Platten dort veröffentlichen wollte, die Alben waren lediglich als Import zu bekommen. So begann eine regelrechte Ochsentour quer durch die Vereinigten Staaten. Die Band reiste Hunderte von Meilen von einem Provinznest zum anderen, um dort dann meistens nur vor einer handvoll Leuten aufzutreten, die eigentlich lieber zu Country & Western getanzt hätten als zu seltsamem englischen Synthesizer-Pop. Im Juli 1981 wurde schließlich doch noch von „Epic-Records“ ein – schlicht mit „OMD“ betiteltes – Album der besten Songs aus den ersten beiden Alben „O.M.i.t.D.“ und „Organisation“ in Amerika herausgebracht, welches jedoch kaum beachtet wurde und umgehend in der Versenkung verschwand. |
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Im Frühjahr 1981 begannen Andy und Paul bereits mit den Aufnahmen für das dritte Album in den „Manor Studios“ in Oxford, diesmal produziert vom dortigen Studiotechniker Richard Manwaring. Als einer der ersten Songs neben „She’s Leaving“ entstand ein Stück namens „Georgia“, das später jedoch in „Gravity Never Failed“ umbenannt wurde und erst 1988 auf einer B-Seite erschien. Den Titel „Georgia“ erhielt stattdessen ein anderer Song der beiden. In den „Manor-Studios“ schrieben Paul und Martin Cooper, basierend auf einem von David Hughes aufgenommenen Tape mit Choreffekten, erstmals gemeinsam an einem Stück namens „Souvenir“. Andy mochte den Song nicht, war auch von der Zusammenarbeit Pauls mit Martin nicht sonderlich begeistert und verließ bei den Aufnahmen das Studio. Mike Howlett produzierte neben Manwaring zusätzlich noch eine zweite Version des Songs. Auch „The Beginning And The End“, ein Titel aus Andy und Pauls Anfangstagen, fand nun den Weg ins Aufnahmestudio. Lediglich als vorläufige Version aufgenommen, wurde er später dennoch genau in dieser Rohversion veröffentlicht. Andy und Paul experimentierten mit neuen, fremdartigen Klängen und Effekten (beim Instrumentalstück „Architecture & Morality“) und schufen epische und verträumte Klanglandschaften voller Melancholie („Sealand“, „The Romance Of The Telescope“). Auch eine erste Version vom später auf dem Album "Dazzle Ships" (1983) veröffentlichten Song "Telegraph" nahm man bereits während diesen Sessions in den "Manor Studios" auf. |
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Im Mai verließ Martin Cooper überraschend OM, da seine Mitarbeit am Album kaum gefragt war und Paul und Andy als alleinige Songschreiber ihre gewissermaßen diktatorische Arbeitsweise weiterhin gewissenhaft pflegten und praktisch keine Einflüsse von außen zuließen. Martin stieg daraufhin in David Hughes neuer Band „Godot“ ein – ein relativ kurzlebiges Studioprojekt, das lediglich zwei EP’s und eine Single veröffentlichte und 1983 bereits wieder zu den Akten gelegt wurde. Offiziell bestanden OM zu dieser Zeit ausschließlich aus Andy McCluskey und Paul Humphreys. Alle anderen Musiker, so auch Martin Cooper und Malcolm Holmes, wurden lediglich für ihre Liveauftritte engagiert und bezahlt und spielten im Studio im Grunde das, was Andy und Paul von ihnen verlangten. Im Hinblick auf die kommende Tour wurde jetzt allerdings erneut (bedingt durch Martin’s Ausstieg) ein zweiter Keyboarder benötigt. Andy war es, der MICHAEL DOUGLAS an Bord holte. Douglas (später bei "The Human League" und "China Crisis") durfte dann auch am neuen Album mitwirken. OM experimentierten mit gregorianischen Gesängen und Choreffekten und benutzten zum ersten Mal das „Mellotron“, welches im Grunde als Prototyp der heutigen Sampler bezeichnet werden kann. Man konnte mit diesem Gerät die verschiedensten Klänge, Geräusche oder Sounds aufnehmen und anschließend auf dem Keyboard als ganz normale Melodie spielen und wiedergeben, was zu dieser Zeit noch relativ neu war. |
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Auch die kulturellen Eindrücke, die OM auf ihrer Tournee durch Frankreich sammeln konnten, wirkten sich nun inspirierend auf das Songwriting aus. So war Andy sehr beeindruckt von der Geschichte der französischen Freiheitskämpferin Jeanne d’ Arc, auch bekannt als „Jungfrau von Orleans“. Seine Faszination für dieses Thema resultierte letztendlich in einem Song – allerdings verlief die Arbeit daran recht unbefriedigend. Deshalb wurde das Stück beiseite gelegt und Andy schrieb einen komplett neuen Song darüber, mit dem schließlich jeder zufrieden war – „Joan Of Arc“. Dennoch griff man die erste Version nochmals auf und arbeitete diesmal mit der kompletten Band daran. Dieser Versuch führte nun ebenfalls zu einem gutem Ergebnis (nicht zuletzt durch Malcolm Holmes grandioses Drumming) und damit gab es für das Album kurioserweise einen zweiten Song über Jeanne d’ Arc – „Maid Of Orleans“. Andy schrieb noch einen weiteren Titel für das Album im Alleingang – „The New Stone Age“. |
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Am 4. August 1981 veröffentlichte „DinDisc“ Mike Howlett’s Version von „Souvenir“ als Nachfolger von „Enola Gay“, und sie wurde prompt die bis heute meistverkaufteste Single der Band. Sie toppte, wie schon bei „Messages“ und „Enola Gay“, ein weiteres Mal durch Erreichen des 3. Platzes in den englischen Charts den Erfolg der vorangegangenen Single. Die Presse war einigermaßen erstaunt über die Tatsache, dass diesmal nicht Andy, sondern Paul Humphreys die Leadvocals sang. Nicht Wenige bezeichneten den Song als meilenweit entfernt von ihren früheren Hits. Von der englischen Presse wurde der Song überwiegend als ein Schritt in die falsche Richtung bezeichnet. Auf der B-Seite von „Souvenir“ fand schließlich auch die ursprünglich als Single geplante Neuaufnahme von „Motion & Heart“ ihren berechtigten Platz. Andy und Paul etablierten nun „OMD“ als einheitliche Abkürzung ihres Bandnamens, um die zahlreichen unterschiedlichen Bezeichnungen ihrer Band endgültig zu unterbinden, die seit Gründung der Gruppe die Runde machten. |
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Auch die Albumaufnahmen waren mittlerweile fertiggestellt und Andy schlug den Namen „Architecture & Morality“ dafür vor, den er zufällig in einem Laden als Titel eines Buches von David Watkins gesehen hatte. Im September 1981 kehrte Martin durch Vermittlung von Malcolm wieder zurück zu OMD und begleitete die Band auf einer Kurztour durch die USA, wo Paul in Los Angeles Maureen heiratete. Während die Band in New York weilte, wurde ausschließlich in England der Song „Joan Of Arc“ als Nachfolgesingle von „Souvenir“ veröffentlicht und kletterte ebenfalls wieder in die Top-5. Als am 6. November schließlich das Album „Architecture & Morality“ im Fahrwasser von zwei Hitsingles in die Läden kam, verkaufte es sich praktisch wie geschnittenes Brot. Die Langspielplatte wurde ebenfalls zu einem Topseller und blieb bis heute der Klassiker von OMD und eines ihrer drei erfolgreichsten Alben. Bald darauf, Ende 1981, wurde von Carol Wilson bereits ein weiterer Titel aus dem Album als Singleauskopplung geplant. Es handelte sich dabei um „Maid Of Orleans“– um den Song also, der beinahe fallengelassen worden wäre... |
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Paul und Andy indessen waren nun zwar auf dem Gipfel des Erfolges angelangt, fühlten sich aber dennoch so gut wie am Ende. Das Jahr 1981 hatte seine Spuren bei ihnen hinterlassen: Zwei Trips nach Amerika, europaweit sieben Nummer-Eins-Platzierungen und zahlreiche vergoldete Alben – allerdings hatten beide dabei den Spaß an der Musik weitgehend verloren und standen unter einem immensen Druck, den sie kaum zu kanalisieren in der Lage waren. Am Vorabend ihrer beginnenden England-Tour nahmen sie den noch am selben Tag für die B-Seite der „Maid Of Orleans“-Maxi geschriebenen Song „Of All The Things We’ve Made“ im „Grammophone-Studio“ auf – mit der festen Absicht, dass es der letzte Song sein sollte, den sie jemals für OMD schreiben und aufnehmen würden. Beide hatten genug vom Popbusiness, fühlten sich ausgebrannt und waren an einem für sie unerträglichen und musikalisch schier ausweglosen Punkt angelangt. |
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Die Tour durch England jedoch geriet zu einem Triumphzug von OMD. Enthusiastische Fans strömten in ausverkaufte Hallen und OMD spielten nun zum ersten Mal auch in Irland. Einen Teil ihrer Konzerteinnahmen spendeten OMD dabei regelmäßig einem Fonds, der arbeitslosen Jugendlichen zugute kam. Carol Wilson schmiedete bereits Pläne zur Veröffentlichung von „She’s Leaving“ als späteren Nachfolger von „Maid Of Orleans“ und entwarf Pläne für eine weitere, umfangreiche Vermarktung der Band. „Maid Of Orleans“ wurde, entgegen der Erwartung von OMD, ein Riesenhit in ganz Europa, erreichte in England wiederum die Top-5 und war in Deutschland wochenlang Platz 1 und die meistverkaufteste Single 1982. „Maid Of Orleans“ übertraf mit drei Millionen Einheiten sogar noch bei weitem die Verkaufszahlen von „Architecture & Morality“. Für den B-Seiten-Track „Navigation“ griffen Andy und Paul auf Sounds von den Original-„VCL XI“-Aufnahmen der Jahre 1976/77 zurück. Die Auskopplung von „She’s Leaving“ als vierte Single aus dem Album war für Carol Wilson bereits so gut wie beschlossen, doch scheiterte dieses Vorhaben am Widerspruch von Andy und Paul, die in dieser Aktion einen allmählichen Ausverkauf ihrer Band sahen. Der Presse blieben die Differenzen und Probleme nicht verborgen und erste Trennungsgerüchte begannen zu zirkulieren. Andy und Paul kommentierten diese Gerüchte mit der Aussage: „Diese OMD-Verkörperung ist definitiv am Ende – es ist Zeit für eine Veränderung“ – dennoch war beiden auch klar, das es für sie nicht so leicht werden würde, die Band einfach auseinanderbrechen zu lassen. |
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Es folgte eine ausgedehnte Europatour – u. a. durch Frankreich, wo „Souvenir“ immer noch Nr. 1 in der Hitparade war. In Italien hatten sie deutlich weniger Zuspruch. Die Italiener konnten mit dem neuen Sound, der sich so grundlegend vom Hit „Enola Gay“ unterschied, wenig anfangen und die Mehrzahl der Konzertbesucher war mehr als zurückhaltend. Nach Italien ging es dann in die Schweiz und durch deutsche Konzerthallen. In Deutschland – genauer gesagt in dem kleinen Club „Zeche“ in Bochum – bekamen OMD unerwarteten Besuch von ihren größten Idolen: Karl Bartos, Ralph Hütter und Wolfgang Flür von „Kraftwerk“ kamen zu ihrem Konzert. Andy und Paul waren während ihres Auftritts verständlicherweise übernervös, immer daran denkend, wie das Konzert und ihre Musik wohl bei den „Kraftwerk“-Musikern ankommen würde. Diese waren jedoch von OMD recht angetan und nach Ende des Gigs traf man sich dann sogar noch zu einem gemeinsamen Gespräch. Am nächsten Abend besuchten „Kraftwerk“ in ihrer Heimatstadt Düsseldorf noch einen weiteren Auftritt von OMD. Die Tour führte die Band im weiteren Verlauf für einige Konzerte nach Belgien und Holland, wo „Maid Of Orleans“ bis heute der erfolgreichste Song von OMD ist. Andy und Paul aber langweilten sich in zunehmenden Maße bei ihren Konzertreisen und bei der allabendlichen Wiederholung der immergleichen Songs. Doch zum Luft holen blieb keine Zeit. Denn eine weitere Mammut-Tour durch Amerika und Kanada stand gleich nach den Europaterminen auf dem Programm. Zehntausende von Kilometern reiste die Band nun wieder quer durch die USA und Kanada, bis sie endlich in Vancouver angelangt waren, ihrem letzten Auftritt von insgesamt sechsundachtzig innerhalb von sechs Monaten. Im April 1982 kamen sie erschöpft und körperlich wie auch mental ausgebrannt wieder zu Hause in Liverpool an. Dort renovierten sie weiter an ihrem „Grammophone Studio“, das immer noch nicht komplett fertig war. Als sie die noch erforderlichen Arbeiten abgeschlossen hatten, waren Andy und Paul jedoch dermaßen angeödet von diesem Ort, dass an neuen Songs zu arbeiten das Letzte war, was sie dort tun wollten. Auch dachte Andy noch oft an die Unterhaltung, die er mit den „Kraftwerk“-Musikern geführt hatte, denn „Kraftwerk“ setzten genau das um, wovon OMD nur träumen konnten: Kein Management, eigene Kontrolle über alle Aktivitäten, völlige künstlerische Freiheit und maximale Entlohnung. |
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Carol Wilson indessen überwarf sich mit Richard Branson, dem Besitzer von „Virgin“, dem auch das Sub-Label „DinDisc“ gehörte. Zusätzlich enttäuscht von Andy, der sich in der Presse negativ über sie geäußert hatte, trennte sie sich vom Label, was gleichzeitig auch ihre Trennung von OMD und das darauffolgende Aus für „DinDisc“ bedeutete. Somit standen OMD automatisch bei „Virgin“ unter Vertrag und neue Probleme kamen auf die Band zu: War „DinDisc“ als kleines Label noch überschaubar und hatten sie in Carol Wilson immer eine Ansprechpartnerin und Vertraute, die sich mit Hingabe um die Belange der Band kümmerte, so fanden sie sich nun in einem Major-Konzern wieder, in dem OMD lediglich eine Band von vielen war und keine Anlaufstelle mehr für Andy und Paul bereitstand. Es gab niemanden, der sich um sie kümmerte, niemanden den sie dort kannten und vor allem niemanden, der ihnen beratend zur Seite stand und sie vor möglichen Fehlentscheidungen bewahren konnte. |
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Alle drei bisher veröffentlichten Alben waren Hits – Millionen von Singles wurden verkauft – OMD waren auf dem Höhepunkt ihrer Popularität angelangt. Mit der Arbeit an den neuen Songs, die in der Veröffentlichung ihrer vierten Langspielplatte münden sollte, bahnte sich jedoch schon der erste und auch massivste Rückschlag für die Band an, von dem sie sich in den folgenden Jahren kaum noch erholen sollten. |
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KAPITEL 10: "DAZZLE SHIPS" - Unerwartete musikalische Manöver führen zum kommerziellen Desaster - |
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Das Jahr 1983 begann denkbar schlecht für OMD. Der phänomenale Erfolg von „Architecture & Morality“ bescherte Andy und Paul zwar einen überaus warmen Geldregen, man konnte sich nun eigene Autos und eigene Häuser in Wirral leisten und sich im Prinzip um die angenehmen Seiten des Lebens kümmern. Was sich aber schon während der Arbeit an „Organisation“ andeutete und sich nun immer grundlegender manifestierte, war die veränderte Arbeitsweise von Andy und Paul. Waren sie die letzten vier Jahre mehr oder weniger die meiste Zeit zusammen und schrieben und experimentierten hauptsächlich gemeinsam an neuen Songs, so war Paul, bedingt durch seine Heirat mit Maureen, jetzt viel seltener mit Andy zusammen. Das erfolgreiche Songschreiberkollektiv war empfindlich gestört. |
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Dennoch begannen beide mit dem Versuch einer Umsetzung ihrer neuen Songideen. Was sie dabei unbedingt vermeiden wollten, war ein Aufguss von „Architecture & Morality“ und so war es Andys Idee, zurück zu ihren Wurzeln zu gehen und wieder mehr Experimentierfreude an den Tag zu legen. Doch Andy und Paul saßen die meiste Zeit lediglich uninspiriert und ohne konkrete Ideen in ihrem Studio. Also nahmen sie sich eine Auszeit und flogen für sechs Wochen nach Kalifornien. Nach ihrer Rückkehr ins „Grammophone Studio“ hatte sich jedoch in kreativer Hinsicht nichts zum Besseren geändert. Es gab immer noch keine neuen Songs und so begannen sie in ihrer Not damit, einen alten Titel von„The ID“ – „Radio Waves“ –, auszugraben. Malcolm und Martin indessen wurde es zunehmend langweilig, denn beide waren abermals so gut wie überhaupt nicht in die neuen Aufnahmesessions involviert. Malcolm beispielsweise spielte lediglich auf drei Stücken mit. Positiv für die beiden war einzig der Umstand, dass sie nun von Andy und Paul als vollwertige Mitglieder in die Band aufgenommen wurden. Andy und Paul waren desillusioniert, schon allein aufgrund der Tatsache, dass von „Architecture & Morality“ Milllionen an Platten verkauft wurden, sie aber von den Kritikern als Musiker nicht mehr sonderlich ernst genommen wurden. Also entschieden sie sich gegen den sicheren Weg einer „Architecture & Morality - Part 2“-Produktion und schlugen wieder einen experimentelleren Kurs ein. Um dies zu erreichen, quartierten sie sich mit einem neuen Produzenten, Rhett Davies, der schon „Roxy Music“ und Bryan Ferry produziert hatte, in Phil Manzanera’s „White House Studio“ in Chertsey ein. Die Platte entwickelte sich im Laufe der Aufnahmesessions jedoch immer mehr zu einem Alleingang von Andy, der darauf fixiert war, einen völlig neuen Weg mit OMD zu gehen. So ließ er sich auch durch niemanden davon abbringen, seine radikalen und unkonventionellen Ideen in die Tat umzusetzen. Als man schließlich die Aufnahmen beendet hatte, machte sich die große Ernüchterung breit. Alle waren unzufrieden mit dem Endergebnis, aber niemand wagte es, konkret einzugreifen: Gordian Troeller nicht, der die Auffassung vertrat, dass das Album komplett neu aufgenommen werden müsste, „Virgin-Records“ nicht, die im Gegensatz zu Carol Wilson der Band (noch) freie Hand ließ, und letzten Endes auch Paul nicht, dessen Ideen sich am Ende nicht mehr gegen Andys Vorstellungen durchsetzen ließen. |
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„Dazzle Ships“ – so hieß die neue Langspielplatte, sollte ihren einstigen experimentellen Pionierdrang wiederbeleben – das Ergebnis jedoch klang über weite Strecken einfach nur hilflos und pubertär. „Dazzle Ships“ war eine futuristische Klangsuche mit Verwendung von osteuropäischen Radioschnipseln, internationalen Telefon-Zeitansagen und Industrie-Roboter-Sounds. Am 4. März 1983 wurde sie schließlich auf Andy und Pauls neugegründetem „Telegraph“-Label veröffentlicht, welches hauptsächlich zu dem Zweck gegründet wurde, den Wechsel zum Plattenmulti „Virgin“ zu verschleiern, um damit weiterhin einen gewissen Independentstatus vorzutäuschen. Obwohl das Album auch einige typische OMD-Songs beinhaltete und in England (wohl hauptsächlich wegen des Erfolges des vorangegangenen Millionensellers „Architecture & Morality“) sogar Platz 5 erreichte, fiel es bei den Kritikern reichlich in Ungnade. Nur geringfügig besser erging es noch der ersten Single „Genetic Engineering“. Sie erreichte Platz 19 in den UK-Charts, gefiel aber den Kritikern genauso wenig wie die LP. Bezeichnend für dieses Album ist auch der Umstand, dass es McCluskey und Humphreys nicht geschafft hatten, innerhalb von einem Jahr und vier Monaten mehr als vier wirklich neue Songs zu schreiben ("Genetic Engineering", "International", "Silent Running" und die B-Seite „4-Neu“). Die restlichen Stücke wurden bereits 1981/82 als "A & M"-Outtakes geschrieben ("Telegraph"), bzw. als Single-B-Seiten veröffentlicht ("The Romance Of The Telescope" und "Of All The Things We've Made"), – "Radio Waves" wurde bereits in ihrer "The ID"-Phase geschrieben – und die restlichen Lieder („Radio Prague“, „ABC Auto Industry“, „This Is Helena“, „Dazzle Ships“ und „Time Zones“ sind mehr skurrile Soundcollagen als konventionelle und eingängige Songs. OMD zu hören wurde zu einer zwiespältigen Angelegenheit: Einerseits waren beide immer noch in der Lage, wunderbare Popsongs zu komponieren, andererseits ließen ihre Experimente auch viele ratlose Hörer zurück. John Peel jedoch fand Gefallen am sperrigen Sound von „Dazzle Ships“ und lud OMD, nachdem sie ihn 1980 mit ihrem Album „Organisation“ zum letzten Mal besucht hatten, wieder in seine Alternativ-Show ein. |
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Die anschließende Tour, nach einem Jahr Bühnenpause ohne Liveauftritte, begann im Chaos. Der erste Gig in Genf endete damit, dass Andy und Malcolm ohne jegliche körperliche Kondition die Bühne verlassen mussten und die anschließenden Deutschlandgigs daraufhin abgesagt wurden. Das Management schob damals den Vorwand vor, Andy wäre an Mumps erkrankt. Auch waren die Songs für die Shows nicht unbedingt mit dem dafür nötigen Fingerspitzengefühl ausgewählt worden. Die gewohnte Magie eines OMD-Konzertes konnte sich deshalb nur schwer entfalten. Erst als das Programm komplett neu erarbeitet und eine bessere Songauswahl vorgenommen wurde, entwickelte sich die Tour – vor allem in England und auch in Spanien, wo „Genetic Engineering“ immerhin Platz 4 erreichte – zum großen Erfolg und konnte teilweise an die vorangegangene Tour anknüpfen. Die zweite Single „Telegraph“ war kommerziell gesehen ein Flop, obwohl es sich dabei noch um den am meisten als Single geeigneten Song aus „Dazzle Ships“ handelte. Von einer dritten Singleauskopplung (geplant dafür war „Radio Waves“) wurde schließlich abgesehen. Nach Ende der Europatour gönnte sich die Band erst einmal eine Pause. Paul flog mit seiner Frau zu ihren Eltern nach Kalifornien, Andy kümmerte sich um sein neues Haus an der Küste von Heswall, Mal ging zum Fischen nach Irland und Martin arbeitete mit David Hughes am Soundtrack eines Horrorfilmes. |
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Andy arbeitete nebenbei noch mit Brett Wickens (dem Assistenten von Designer Peter Saville) und dem 1983 noch unbekannten William Orbit an dem gemeinsamen musikalischen Projekt „The Partnership“. Es kam dabei lediglich zur Aufnahme eines einzigen Songs namens „Sampling The Blast Furnance“, denn das Projekt wurde danach nicht mehr weiterverfolgt. Das kommerzielle Desaster von „Dazzle Ships“ und der daraus resultierende finanzielle Verlust veranlasste die Band dazu, zukünftig eine konservativere Richtung einzuschlagen. Andy McCluskey bezeichnete diese Phase später als der Anfang vom Ende der Band. |
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KAPITEL 11: "JUNK CULTURE" - Die Flucht ins Steuerexil und eine musikalische Kurskorrektur auf Montserrat - |
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Die Band kam nach
eingehender Sondierung des |
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Heraus kamen ein Instrumentalstück, von Andy „Junk Culture“ betitelt, und ein weiterer Song namens „Tesla Girls“. Außerdem entstand hier das Lied „Heaven Is“, das es jedoch erst 1993 auf eine OMD-Platte schaffen sollte. Erstmals gingen OMD nun, entgegen ihrer bisherigen Gewohnheit, mit diesen und weiteren neuen Songs (u. a. mit „The Never Song“, der später in „Never Turn Away“ umbenannt wurde, „The Avenue“ und „All Wrapped Up“) auf eine kleine Tour, um die neuen Stücke live vor Publikum zu testen, bevor sie diese endgültig aufnahmen. Nach diesen drei Wochen in Schottland wechselten OMD dann in Bram Tchaikovsky’s Studio nach Lincolnshire, wo sie mit dem Produzenten Brian Tench, der als Assistent von Richard Manwaring bereits an „Architecture & Morality“ beteiligt war, an „Tesla Girls“ und an der von Paul geschriebenen und auch gesungenen Ballade „Never Turn Away“ zu arbeiteten begannen. Danach folgte ein erneuter Ortswechsel, diesmal in die Londoner „Mayfair-Studios“, wo Paul und Andy innerhalb von sechs Tagen die Songs „Hard Day“, „White Trash“ und „Love & Violence“ schrieben und fertig stellten. Nun hatten sie genug Material beisammen, um ihr fünftes Album in Angriff zu nehmen, das möglichst erfolgreich werden sollte und auch musste. |
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Allerdings kam jetzt ein
ganz anderes Problem auf Andy und Paul zu. Denn „Architecture & Morality“
verkaufte sich immer noch gut, es floss weiterhin reichlich Geld in die Kassen.
Jedoch musste dieses in England zu einem extrem hohen Satz versteuert werden.
Die einzige Alternative dazu bot sich in einer Flucht in ein Land mit
niedrigerem Steuersatz, was aber die Konsequenz haben würde, dass die neue LP
nicht in England aufgenommen werden konnte, da Andy und Paul sich dann nicht
mehr dort aufhalten durften. Also wurden OMD kurzerhand in das „Air Studio“ von
„Beatles“-Produzent George Martin nach Montserrat in der Karibik verfrachtet.
Die fantastische Insel und die hiesige Musik beeinflussten Andy und Paul so
nachhaltig, dass Reggae und Steeldrums sich schon bald stark auf ihre aktuellen
Kompositionen auswirken sollten. Bereits kurz vor ihrer Abreise beschäftigten
sich OMD mit einem neuen, synthesizerähnlichem Gerät, dem „Fairlight CMI“, und
ließen ihn samt Service-Techniker nach Montserrat einfliegen. Erste Experimente
damit, lediglich um herauszufinden wie es funktioniert, mündeten in einem
komplett neuen Song mit Namen „Talking Loud & Clear“. Der Aufenthalt auf
Montserrat beflügelte alle Beteiligten, neue Ideen und Kreativität konnten sich
entfalten und niemand dachte mehr an die schlimmen Unglücklicherweise endete schon bald ihre dort gebuchte Studiozeit und die Band musste in ein billigeres Studio nach Belgien umziehen. Der Wechsel von der karibischen Sonne auf Montserrat in das winterliche und kalte Belgien war ein kleiner Schock für alle Beteiligten, und die alten Probleme und eine gewisse Desillusion begannen sich von Neuem in der Band zu verbreiten. Simon Draper von „Virgin-Records“ und Manager Gordian Troeller wurden nun auch zunehmend nervöser. Zwar befanden sie das neue Material als gut, entschieden aber, dass nochmals Hand daran angelegt werden sollte. Für diese Aufgabe war Tony Visconti vorgesehen, der langjährige Intimus und Produzent von David Bowie. Visconti jedoch war zu dieser Zeit anderweitig beschäftigt, hatte aber zu einem späteren Zeitpunkt etwas Luft, um dann mit OMD arbeiten zu können. Also nutzten alle Beteiligten das Warten für eine Pause. Andy reiste durch China, Hongkong und Thailand, während Paul mit Maureen durch Europa reiste. Nach ihrer Rückkehr wechselten sie zum sechsten und letzten Mal das Studio, und zwar nach Hilversum in Holland, wo nach Anregung von Tony Visconti den Songs „Locomotion“ und „All Wrapped Up“ echte Bläserparts von den belgischen Studiomusikern Jan Faas, Jan Vennik und Bart van Lier hinzugefügt wurden. Letztlich stellte Brian Tench das Album mit dem Titel „Junk Culture“ ohne Mitwirkung Viscontis alleine fertig. |
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"Tesla Girls“ wurde von der Band als erste Singleveröffentlichung favorisiert, jedoch entschied sich „Virgin“ für „Locomotion“. Der Song erreichte Top 5-Positionen in England, Irland, Holland, Spanien, Portugal, Belgien und Singapur und OMD waren nach dem „Dazzle Ships“-Desaster zumindest kommerziell rehabilitiert und auch finanziell gerettet. Doch bei der englischen Presse konnte von einer künstlerischen Rehabilitation der Band nicht die Rede sein. Die meisten hatten der Band „Dazzle Ships“ immer noch nicht verziehen und verrissen „Locomotion“ fast einhellig. Dabei bemängelten sie, dass “Locomotion“ in keiner Weise mehr an OMD erinnern würde. Aber erinnerte „Maid Of Orleans“ damals noch an „Enola Gay“? „Architecture & Morality“ an „O.M.i.t.D.“? Auch am Album „Junk Culture“, veröffentlicht am 30. April 1984, ließen die englischen Musikkritiker kein gutes Haar. Ungeachtet dessen ermutigte der neue Sound OMD nun auch optisch zu einer Imagekorrektur. Die weißen Hemden und Krawatten, jahrelang ihr Markenzeichen, wurden eingemottet und durch Scott Crolla’s bizarren, farbenprächtigen Look ersetzt. Da Paul und Andy weiterhin Steuerflüchtlinge waren, jedoch für die anstehende Tour geprobt werden musste, wurde von „Virgin“ ein altes Bauernhaus in Belgien dafür angemietet. Drei Monate hatten sie dort Zeit, um sich auf ihre kommenden Auftritte vorzubereiten. Doch anstatt intensiv zu proben, waren ausgiebige Trinkgelage und allabendliche Clubbesuche, die in der Regel bis in die frühen Morgenstunden dauerten, die Folge.
Dies änderte sich erst, als zwei verrückte schottische Brüder im Proberaum aufkreuzten: NEIL WEIR (geb. 10. November 1961) und GRAHAM WEIR (geb. 22. Dezember 1960). Denn nachdem der Band die Arbeit mit der belgischen Bläsersektion auf „Junk Culture“ viel Spaß bereitet hatte, vermittelte Gordian Troeller die beiden Brüder, um OMD auf ihrer anstehenden Tour live mit Trompete und Posaune zu unterstützen. Die Weirs waren ausgebildete Musiker und beherrschten neben diversen Blasinstrumenten auch Keyboard, Gitarre und Bass. Dieser Umstand führte auch unweigerlich zu einer erheblichen musikalischen Leistungssteigerung innerhalb der Band. Im Mai und im Sommer 1984 absolvierten OMD eine Kurztour durch England und Spanien. U. a. spielten OMD auf dem "Festival San Juan" in Barcelona vor 250.000 begeisterten Zuschauern und in der Ferienregion Benidorm. Im Juni wurde von „Virgin“ „Talking Loud And Clear“ als Nachfolger von „Locomotion“ veröffentlicht. Auch diese Single wurde ein europaweiter Hit für OMD (Nr. 11 in England). Interessant war allerdings auch die B-Seite: Denn OMD nahmen dafür zusammen mit den Weir-Brüdern ihren Klassiker „Julia’s Song“ als Bläserversion komplett neu auf. |
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Nun war für OMD die Zeit
reif, um ihre erste, weltumspannende Tournee in Angriff zu nehmen. Beginnend in
Kanada, wo „Junk Culture“ hatte drei Top 20-Singles hervorgebracht, jedoch nur mühsam Goldstatus in England erreichen können. Also veröffentlichte „Virgin“ in der Hoffnung, mehr Alben dadurch verkaufen zu können, „Never Turn Away“ als vierte Single. Der Song entpuppte sich allerdings als ausgemachter Megaflop und bescherte OMD die bis heute zweitschlechteste Chartposition einer ihrer Singles: Platz 74 in England. In anderen Ländern wurde das Lied teilweise erst gar nicht veröffentlicht. Nach dem Misserfolg von „Dazzle Ships“ bewiesen Humphreys und McCluskey mit „Junk Culture“ eindrucksvoll, dass sie nach wie vor in der Lage waren, klassische 3-Minuten-Popsongs zu schreiben. Es gab allerdings auch vernichtende Kritik an der musikalischen Wandlung von OMD. So war in der OMD-Biografie von Christian Graf im Rockmusiklexikon Europa 1986 zu lesen: "OMD muten ihren Hörern eine Kurskorrektur von elektronischen Bandexperimenten zum hochgradig polierten Synthie-Pop zu" und weiter: "Junk Culture unterstreicht die Richtungslosigkeit einer aus der Mode kommenden Pop-Band, die ihre Originalität aufgegeben hat". Maßlos übertrieben? |
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Tatsache ist, dass die Band in musikalischer Hinsicht gezwungen war, Kompromisse einzugehen, um finanziell überleben zu können. Wie Andy McCluskey erst Jahre später herausfand, wurde die Gruppe nämlich von ihrer ersten Platte ab bis zu ihrer Trennung 1988 finanziell benachteiligt. Ein Beispiel: „Virgin“ berechnete OMD’s anteiligen Gewinn bis 1988 nach dem Verkauf ihrer Vinylplatten und nicht nach den erschienenen CDs – was rund 30 % weniger ausmachte, als der Band eigentlich zustand. Dies betraf ALLE bis dahin veröffentlichten OMD-CDs. Wegen diesem und noch anderer Gründe befand sich die Band deshalb trotz Millionen verkaufter Platten in chronischer Geldnot. Jede Single- und Albumveröffentlichung war also schon im Vorfeld dazu verdammt, ein Hit zu werden – und OMD gerieten in die Tretmühle des Popbusiness, in die sie ursprünglich unter keinen Umständen hinein wollten. |
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KAPITEL 12: "CRUSH" - Auf der Suche nach dem perfekten Sound - |
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Deutete das Album „Junk Culture“ bereits eine gemäßigtere und kommerziellere Richtung an, so sollte das nun folgende sechste Album die fast vollständige Abkehr von der experimentellen Musik der ersten Jahre markieren. Dass mit der Plattenfirma „A & M“ ein amerikanisches Label gefunden werden konnte, welches „Junk Culture“ veröffentlichte und der Umstand, dass „Locomotion“ in den US-amerikanischen Dance-Charts recht erfolgreich war, entfachte bei Andy und Paul neuen Enthusiasmus. Keinesfalls wollten sie sich jetzt die Chance entgehen lassen, in Amerika endlich einen Fuß in die Tür des dortigen lukrativen Plattenmarktes zu bekommen. So machten sie sich bereits kurz vor Weihnachten 1984 wieder an die
Arbeit und schrieben neues Material für ein Album, das später den Titel |
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Ausgesprochen arbeitserleichternd gestaltete sich dabei der Einsatz des „Fairlight-CMI“. Der „Fairlight“ hat, anders als ein normales Keyboard oder ein Synthesizer, keine eigenen Sounds, sondern muss regelrecht mit Klängen „gefüttert“ werden, bevor er diese speichert und verarbeitet, damit man dann wie mit einem ganz normalen Keyboard spielen konnte. Zudem können acht verschiedene zusätzliche Instrumente simultan dazugemischt werden, sodass Andy und Paul die Songs für das Album bereits weitgehend vollständig fertig hatten, bevor Malcolm, Martin und auch die Weir-Brothers, die jetzt zum ersten Mal an Albumaufnahmen beteiligt waren, im „Manor-Studio“ in Oxford (wo sie vier Jahre zuvor „Architecture & Morality“ aufgenommen hatten) dazustießen. Ihr Beitrag bestand nun zum größten Teil darin, die von Andy und Paul mittels des „Fairlight“ produzierten Instrumente zum Teil live wieder zu ersetzen und einzuspielen. OMD waren auf der Suche nach einem homogeneren Bandsound. Praktisch versuchten sie, ihren Livesound von der Bühne auf Platte zu transferieren. So wurden sogar zum ersten Mal seit Bestehen von OMD einzelne Songs mit allen Musikern gleichzeitig live aufgenommen (das fast schon rockige und gitarrenlastige „88 Seconds In Greensboro“ und die spätere Single-B-Seite „Maria Gallante“). |
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Andy hatte während der
Spanientour im vorangegangenen Sommer in Madrid seine neue Freundin Toni, eine
Amerikanerin aus San Diego, kennen gelernt und war Hals über Kopf in sie
verliebt, was sich nun wiederum extrem auf seine Songtexte auswirkte. In Folge
dessen entstanden etliche Songs, wie beispielsweise das wunderschöne Liebeslied
„Hold You“ oder „So In Love“, die dem neuen Album später den Ruf des
„OMD-Lovesong-Albums“ einbrachten. Andy und Paul schrieben nun auch oft
getrennt an Songs. So komponierte Paul z. B. im Alleingang das Stück „Secret“.
Es herrschte insgesamt eine entspannte und lockere Atmosphäre im Studio – die
erstrebte Spontanität wurde tatsächlich größtenteils umgesetzt. Graham Weir
improvisierte zum Beispiel das Posaunensolo im Titelstück „Crush“ in einem
Durchgang, die Schlagzeugparts wurden von Malcolm überwiegend live eingespielt.
Außerdem kam – für OMD-Fans ungewohnt – wie schon bei |
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Über zwanzig Songs waren innerhalb von vier Monaten zusammengekommen (auch das Lied „Southern“, das Andy zusammen mit Graham Weir schrieb, aber für „Crush“ noch nicht berücksichtigt wurde). Im Frühjahr 1985 begannen die endgültigen Aufnahmesessions. Paul hielt die Songs eigentlich schon für so gut wie fertig, dennoch wollte man sie nochmals einigen neuen Arrangements unterziehen. Für Andy und Paul kam aus diesem Grund diesmal nur ein Produzent in Frage, der auch selbst Musiker war. So entstand die Zusammenarbeit mit Stephen Hague. Andy und Paul waren damals begeistert von Malcolm McLaren’s Song „Madame Butterfly“, bei dem auch Hague mitgewirkt hatte. Stephen Hague produzierte u. a. die „Rock Steady Crew“ und später sehr erfolgreich die „Pet Shop Boys“. Er galt als ein Perfektionist und zudem als ein exzellenter Songwriter und Musiker. Und er war immer auf der Suche nach dem perfekten Sound.
Dieser gelang ihm nun auch bei „Crush“ – aber die neuen Songs von OMD verloren nicht zuletzt dadurch ihre ursprüngliche Vitalität und letztendlich auch jegliche Ecken und Kanten, ungeachtet der brillianten Produktion. Eine gewisse Langeweile machte sich auf dem Album breit, die sich auch auf die erste Singleveröffentlichung „So In Love“ (mitkomponiert von Hague) übertrug. Die englische Presse jedenfalls war auch dieses mal wieder nicht amüsiert und forderte lautstark ein neues „Enola Gay". |
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Für „So In Love“
nahmen OMD im spanischen Alhabia während des dortigen „Tag des Todes“-Festes
das dazugehörige Video auf, was den Song immerhin darin unterstützte, Platz 27
in den englischen Charts zu erreichen. In Alhabia wurde zum Teil auch für das
abendfüllende Video In Amerika jedoch verkauften sich OMD nach anfänglichen Schwierigkeiten weiterhin gut und „A & M“ hatte nun die Idee, OMD dort nicht als bereits etablierte Gruppe, sondern als „neue“ Band zu vermarkten. |
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KAPITEL 13: ERFOLG IN DEN USA - „Crush“ wird zum Renner und „If You Leave“ erreicht die Top-5 der US-Billboard-Charts - |
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OMD nutzten nun das erwachte Interesse an ihrer Musik in den Staaten und gingen ab August 1985 auf eine längere USA-Tournee. Dafür wurde allerdings die bereits angesetzte Deutschlandtour abgesagt. Unterstützt wurden sie in den USA von zahlreichen, der Band wohlgesonnenen Journalisten und DJ’s, die OMD bereits seit ihrer 1981er Tour kannten – sowie von zwei in den Staaten ansässigen neuen Partnern von Gordian Troeller: Steve Jensen, einem in den USA erfolgreichen Konzertpromoter, und Martin Kirkup, einem Verantwortlichen des „A & M“-Labels. Spielte die Band auf ihren ersten Ausflügen in die Staaten Anfang der achtziger Jahre ausschließlich in kleinen Clubs, so hatten sie diesmal die Möglichkeit, in größeren Hallen und kleineren Stadien zu spielen – vorerst jedoch nur als Anheizer für bekannte Bands. Die Reise für OMD begann zunächst als Vorgruppe von „The Power Station“, der neuen Band der „Duran Duran“-Mitglieder John und Andy Taylor. Anfangs kam das Publikum auch hauptsächlich wegen der beiden „Duran Duran“-Mädchenschwärme zu den Konzerten. Doch „So In Love“ stieg stetig die US-Charts hinauf und schon bald kam die Mehrzahl der Konzertbesucher hauptsächlich zu „The Power Station“, um OMD zu sehen. Dabei spielte die Band lediglich 40 Minuten – nur die Hits und ausschließlich die schnelleren Songs. Als die Tour mit „The Power Station“ beendet war und „So In Love“ den 26. Platz in den amerikanischen Billboard-Charts erreicht hatte, machten sich OMD eilig daran, den bisher erreichten Erfolg weiter zu festigen. |
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Im Juli 1985 hatten Paul und Andy in den „Paramount“-Filmstudios den amerikanischen Regisseur John Hughes kennengelernt. Dieser plante einen zweiten Teil von seinem Erfolgsfilm „Breakfast Club“, mit Molly Ringwald in der Hauptrolle. Die Fortsetzung mit dem Titel „Pretty In Pink“ sollte, wie in Filmen der Achtziger so üblich, eine Reihe von Popsongs enthalten. Hughes bat Andy und Paul um einen Beitrag zum Soundtrack. Vorausschauend hatten die beiden während eines Kurzaufenthalts in England bereits einen neuen Song dafür geschrieben: „The Goddess Of Love“. Allerdings konnte das Lied, als es bereits fertig aufgenommen war, dummerweise nicht mehr verwendet werden, da sich die Schlussszene des Filmes geändert hatte und nun der Text des Songs inhaltlich überhaupt nicht mehr dazu passte (das Paar im Film trennte sich, anstatt zusammen zu bleiben). So schrieben Andy und Paul innerhalb von drei Tagen den Titel „If You Leave“ und nahmen ihn mit den restlichen Bandmitgliedern und dem Toningenieur Tom Lord Alge, der bereits die Maxiversion von „La Femme Accident“ produziert und die Band in die New Yorker HipHop-Szene eingeführt hatte, auf. Die Aufnahme erfolgte im Eiltempo, weil nach diesen drei, für die Band eigentlich freien Tagen, bereits eine weitere Tour durch Amerika anstand. |
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Die Englandtour, die vor Monaten zugunsten der US-Tournee verschoben werden musste, wurde jetzt ebenfalls nachgeholt, was die Band anfänglich jedoch vor ein gravierendes Problem stellte. Spielten sie während ihrer monatelangen USA-Tour die fast immer gleichen zehn Songs pro Auftritt, so hatten sie nun von den restlichen neuen und alten Songs ihres gewohnten Livesets zum Großteil die Akkorde und Texte vergessen! Es war also unvermeidbar, im Mai 1986 nochmals ganz von vorne mit den Proben der Songs zu beginnen – und das direkt nach einer sechsmonatigen Tour! In ihrer Heimatstadt Liverpool startete die Band dann vor einem begeisterten Publikum ihre komplett ausverkaufte Englandtournee. Schlusspunkt der insgesamt acht Monate andauernden und längsten OMD-Tour bis dahin war ein Konzert in Paris, das simultan in zahlreichen französischen Kinos live übertragen wurde. Der Erfolg von OMD in Amerika erreichte nun nach dem Start des Films „Pretty In Pink“, der dort erfolgreich in den Kinos lief, seinen absoluten Höhepunkt und katapultierte „If You Leave“ bis in die Top-5 der amerikanischen Billboard-Charts – wo der Song den phänomenalen 4. Platz erreichte und dreizehn Wochen in den Top-40 zu finden war. OMD waren in den USA mittlerweile populärer als in ihrer Heimat England. Dort nämlich stieß der Song auf Desinteresse und erreichte lediglich den 48. Platz in den Charts. |
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Innerhalb der Gruppe begann es jedoch zu kriseln. Während Andy und Paul den langen Amerikaaufenthalt sehr genossen (Paul konnte mehr Zeit mit Maureen in L. A. verbringen und Andy seine Freundin Toni in San Diego besuchen), war die Stimmung der anderen Mitglieder Martin, Malcolm und den Weir-Brothers an einem Tiefpunkt angelangt. Sie waren mittlerweile nur noch Statisten, die weder in die Kreativarbeit involviert – noch von den Medien zur Kenntnis genommen wurden. Ihre freie Zeit verbrachten die Vier meistens zusammen, gelangweilt und zunehmend frustriert über den für sie viel zu langen Aufenthalt in den USA. In dieser spannungsreichen Zeit waren es vor allem Graham und Neil Weir, die durch ihren typisch schottischen Humor und Witz die Band vor Schlimmerem bewahrte und die endlosen Monate auf Tour noch relativ erträglich machten. Im Herbst starteten OMD dann trotz aller Differenzen dennoch zu einer längeren Tournee durch die Staaten, auch um den Erfolg von „So In Love“ und des „Crush“-Albums, das im Oktober 1985 bereits 200.000 mal in den USA über die Ladentheke gegangen war, zu festigen. OMD spielten als Vorgruppe der „Thompson Twins“, die im Gegensatz zu OMD in den USA bereits etabliert waren. Nach dem Highlight – einem Auftritt im berühmten „Madison Square Garden“ in New York – ging es weiter Richtung Kanada. Im Januar 1986 folgten dann noch Auftritte in Florida, Texas und Kalifornien. |
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Als sie im Februar 1986 nach sechs Monaten auf Tour endlich wieder nach England zurückkehrten, erwarteten sie dort schon gleich die nächsten Probleme. Denn Pauls neuer Steuerberater hatte in der Zwischenzeit einige finanzielle Unregelmäßigkeiten bei OMD’s „White Noise Ltd“ und Gordian Troeller’s Firma „Worldchief Ltd“ entdeckt. Die Konsequenz daraus war, dass sich die Band von ihrem langjährigen Manager trennte. Da Steve Jensen und Martin Kirkup von „Direct Management“ OMD in den USA bisher erfolgreich vermarktet und betreut hatten, war der Schritt nun naheliegend, die beiden als neues Managergespann an Bord zu holen. |
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KAPITEL 14: "THE PACIFIC AGE" - Ohne Pause um die ganze Welt - |
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Andy und Paul waren nun, was Filmmusik betraf, auf den Geschmack gekommen. Zeitgleich mit „Goddess Of Love“ hatten sie mit dem Titel „We Love You“ bereits einen weiteren Song für einen Filmsoundtrack geschrieben. Das Lied sollte für den Teenie-Streifen „Playing For Keeps“ verwendet werden. „We Love You“ kam dann zwar auch im Film vor, erschien allerdings nicht auf dem dazugehörigen Soundtrack-Album. Nach ihrem Erfolg in Amerika waren OMD nun auf dem besten Weg zu weltweiter Popularität. Und dennoch – trotz 15 Millionen verkaufter Schallplatten in sieben Jahren standen OMD jetzt erneut bei „Virgin“ finanziell in der Kreide. Schuld an dieser Misere waren vor allem die immens hohen Studio- und Tourneekosten, die vor allem während der „Junk Culture“-Periode aufgelaufen waren. Virgin hatte die Kosten vorgestreckt, jedoch von der Band zurückgefordert. So kann mit Sicherheit gesagt werden, dass OMD und ihr Unternehmen „White Noise Ltd.“ wiederholt am Rand des finanziellen Ruins gestanden hätten – wenn nicht „If You Leave“ und „Crush“ in den USA so erfolgreich gewesen wären. So konnte sich die Band nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Trotz der anstrengenden Tournee blieb weder Zeit für eine Pause noch für einen Urlaub – denn „A & M“ verlangte bereits nach einem neuen Album, um damit den von „If You Leave“ entfachten Erfolg in den Staaten weiter ausbauen zu können. |
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OMD hatten lediglich zwei Monate Zeit, um neues Material zu schreiben. Der Zeitdruck zwang Andy und Paul zum schnellen Arbeiten. Während der Aufnahmen ihrer zwei Filmsoundtracks entstand noch ein dritter Song namens „Watch Us Fall“, und auch der für „Crush“ geschriebene Titel „Southern“ fand nun Verwendung. Da aber Andys anfänglich dafür vorgesehener Gesang nicht recht dazu passen wollte, kam ihm die Idee, den Song mit einer der letzten Reden des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King vom 3. April 1968 zu unterlegen. Dafür wurden OMD später kritisiert, da so mancher der Auffassung war, dass sie die Textpassagen lediglich als Gag im Stil von Paul Hardcastle’s 1985er Hit „19“ benutzten, was jedoch in keiner Weise von der Band so gemeint war. In der Folge entstanden nun im Liverpooler „Amazon-Studio“ in Windeseile Demos für neue Songs. „Stay“ zum Beispiel, ein im 60’s-Stil gehaltener Track, entwickelte sich ungefähr nach der Devise: „Was kann hier jetzt noch eingefügt werden? Ein paar Backgroundvocals von schwarzen Sängerinnen? Ok, dann lasst es uns machen!“ Die meisten Songs entstanden im Prinzip einfach nur aus spontanen Einfällen heraus. So auch das Lied „Flame Of Hope“, das in nur vier Stunden komplett geschrieben und aufgenommen wurde und die gleichen Mitschnitte aus Japan beinhaltete, die bereits für den „Crush“-Titelsong verwendet wurden. Auch Graham Weir wurde mit in das Songwriting einbezogen und steuerte einen eigenen Song bei – „Shame“ – der aus Grahams Ansicht heraus entstand, dass der Musik von OMD der nötige Soul fehlen würde. Graham komponierte den kompletten Song im Alleingang, lediglich eine Melodielinie und die Strophen kamen von Paul und Andy. Zusammen mit Paul komponierte Graham außerdem noch den Song „Forever Live & Die“. Ein weiterer neuer Track – „The Dead Girls“ – sollte den Geist von „Architecture & Morality“ wiederbeleben und sich bewusst von den restlichen Liedern abheben und eine Spur experimenteller ausfallen als die restlichen Songs, was ansatzweise auch gelang. Einzig Malcolm war überhaupt nicht von der simplen Struktur des für ihn vorgesehenen Drumparts in dem Stück begeistert und weigerte sich, am Song mitzuarbeiten. So spielte Paul an seiner Stelle den Schlagzeugteil – und das übrigens nicht zum ersten Mal. Bereits 1982 übernahm er diese Aufgabe beim Lied „The Romance Of The Telescope“. Trotz des Zeitdrucks (vielleicht auch gerade deswegen) sprudelten die Ideen aus Andy und Paul nur so heraus. Obwohl bereits genug Material für das Album vorhanden war, schrieben die beiden eine Anzahl weiterer Songs, so z. B. Stücke wie „Cajun Moon“, „Cut Me Down“ und „Gun People“, die beinahe mitveröffentlicht worden wären, dann aber doch für das nächste Album zurückgehalten wurden. „Heaven Is“, der bereits für „Junk Culture“ geschriebene Track, stand schon als Lied für das Album fest. Allerdings wurde dem Song „Flame Of Hope“ der Vorzug gegeben, der ursprünglich als Single-B-Seite vorgesehen war. |
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Nach Fertigstellung der Arrangements und Demos
stellte sich nun die Frage, wo das Album produziert werden sollte. OMD hatten
bereits in der Karibik, in Belgien, Holland und in den USA aufgenommen – so
entschieden sie sich für ein Studio in Paris, dem „Studio de la Grande Armee“.
Die Band bezog daraufhin ein Hotel inmitten der französischen Hauptstadt. Wesentlich beeinflusst
durch die französische Kultur, die so ganz anders war als die zuletzt gewohnte
amerikanische, wurden die Aufnahmen für das neue Album umgehend in Angriff
genommen. Als Produzent holten sie erneut Stephen Hague und seinen Techniker
Tom Lord Alge an die Regler, entgegen der bisherigen, liebgewonnenen
Gewohnheit, nie zweimal denselben Produzenten für ein Album zu engagieren. OMD waren
durch die Integration der Weir-Brüder nun zu einer sechsköpfigen Band
angewachsen, und die gemeinsamen Auftritte der letzten zwei Jahre hatten
nachhaltig den Live-Sound der Band geprägt. Dieser war im Vergleich zu
den Plattenaufnahmen roher und wesentlich kraftvoller. Diesen Sound wollten OMD
nun auch auf ihr neues Album übertragen. Wurden in der Vergangenheit im Studio
überwiegend Drumcomputer benutzt, so nahmen sie diesmal Malcolms Drumparts live
im Studio auf. Anschließend fügten sie den Bass hinzu, wobei Andy diesen
diesmal nicht live einspielte, sondern alle Basssounds vom Keyboard produziert
wurden. Erst im Anschluss kamen die restlichen Instrumente hinzu. Damit
erreichte man tatsächlich einen homogeneren und dynamischeren Bandsound, der
letztendlich auf allen Songs zu hören ist, jedoch auch zu der Kritik
verleitete, die Lieder als relativ „unfertig“ zu bezeichnen. Neben dem
Studiomusiker Kamil Rustam (Gitarre auf Mit „The Pacific Age“, dem Titel eines weiteren neuen Songs, war dann auch der Name für das Album gefunden. Als erste Singleauskopplung entschied man sich – nachdem eigentlich schon „Stay“ dafür vorgesehen war – für den von Paul und Graham geschriebenen Song „Forever Live And Die“, den ursprünglich eigentlich Andy hätte singen sollen. Dieser glänzte bei den Aufnahmen des Stücks jedoch durch Abwesenheit, und so übernahm Paul eigentlich nur zu Demozwecken spontan den Leadgesang, wobei es letzten Endes dann auch blieb. Der Song entwickelte sich zum erfolgreichsten Titel von OMD seit „Maid Of Orleans“. Er erreichte Platz 18 in den amerikanischen Hot-100, Platz 11 in England – und in Belgien, Holland und Kanada war er sogar in den Top-5 vertreten. In allen anderen Ländern kam er zumindest in die Top-20. |
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Für das Cover von „The Pacific Age“ wollten Andy und Paul wieder die Arbeit von Peter Saville in Anspruch nehmen, was aber daran scheiterte, dass Saville durch seine Arbeiten für Peter Gabriel, die „Rolling Stones“ und „Wham“ mittlerweile in für OMD unbezahlbare Regionen aufgestiegen war. So kam es auf Vermittlung von Manager Martin Kirkup zur Zusammenarbeit mit Mick Haggerty, einem in L. A. lebenden englischen Künstler, der mit seiner darauffolgenden, recht außergewöhnlichen Arbeit den neuen, erdigeren Sound von OMD unterstreichen sollte. Anfang Oktober 1986 wurde „The Pacific Age“ veröffentlicht und sogleich verriss die englische Presse das Album wieder einmal fast ausnahmslos. “Keuchend, zerknittert und dahinhumpelnd –eine schmerzliche Enttäuschung“ schrieb beispielsweise der britische „Melody Maker“. OMD, überrascht und auch enttäuscht über die schlechten Kritiken, nahmen daraufhin dennoch ihre nächste Welttournee ins Visier. Im Oktober 1986 starteten sie in Birmingham, wo sie im Vorfeld auch gleich das Video zu ihrer zweiten Single „We Love You“ aufnahmen. Nach ihren Konzerten in England begannen OMD eine, sich über zehn Monate erstreckende Konzertreise quer durch die ganze Welt – beginnend in Kanada, wo OMD und hauptsächlich Andy und Paul von Erkältungen und Virusinfektionen geplagt wurden und Graham Weir mehr als einmal notgedrungen als Ersatzsänger einspringen musste. Anschließend ging es weiter nach Amerika, wo OMD zum ersten Mal als Headliner auftraten. Dort spielten sie auch einen umjubelten Gig in der "Radio City Music Hall" in New York vor sechstausend Zuschauern. OMD spielten vor ebenso begeistertem Publikum in Minneapolis, Cleveland, Boston, Detroit, Denver, Salt Lake City und beendeten schließlich ihren Amerikatrip in San Francisco und Los Angeles, wo die Band vor ausnahmslos ausverkauften Häusern spielte. Im Anschluss daran führte die Reise OMD zum ersten Mal nach Neuseeland, und auch Australien stand auf dem Programm, das sie 1984 bereits als Undergroundband besucht hatten. Anfangs waren die Konzerte dort wenig befriedigend, doch änderte sich diese Situation just ab dem Zeitpunkt, als „We Love You“ sich zu ihrem größten Hit in Australien entwickelte, während die Single in Amerika jedoch scheiterte. Bei einem Besuch des „Toucan“-Nachtclubs in Adelaide trafen OMD auch zufällig Michael Douglas wieder, ihren Keyboarder aus alten „Architecture & Morality“-Tagen, der nach seinem Weggang von OMD eine Zeitlang mit „The Human League“ tourte, danach nach Australien übersiedelte und in dem Club nun als Barmann arbeitete. |
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Nach dem heißen
australischen Hochsommer folgte für OMD die klimatische Schockwende auf ihrer
nächsten Station Japan, wo im Gegensatz zu „Downunder“ gerade tiefster Winter
herrschte. Auch dort hatten sie das volle Programm: Interviews,
Fernsehauftritte und natürlich ihre Liveshows. Umgehend nach ihrer Heimkehr
nach England ging es dann im Februar 1987 ohne Umwege nach Deutschland und
Holland zwecks Promotion für „We Love You“, denn ausschließlich in diesen
europäischen Ländern wurde die Single veröffentlicht. „Virgin“ hatte bereits
eine dritte Singleauskopplung aus „The Pacific Age“ beschlossen und
brachte nun „Shame“ heraus, in der Hoffnung, den Misserfolg von Angeschlagen kehrten OMD nach Liverpool zurück und kümmerten sich um die Pläne für das restliche Jahr 1987. So sollte schon bald ein „Best Of OMD“-Album mit ihren größten Hits veröffentlicht werden. Doch die Band war müde von dem nun schon seit acht Jahren andauernden, kräfteverschleißenden Platte/Tour/Promotion-Stress. Alle Beteiligten fühlten sich fertig und ausgebrannt, was auch zum großen Teil an der letzten, überaus anstrengenden Welt-Tournee lag. |
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KAPITEL 15: "DREAMING" – AUSGETRÄUMT - Das (vorläufige) Ende von OMD und einer Freundschaft - |
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Bereits im Juli 1987 schrieben Andy und Paul an einem Song für eine mögliche neue Single mit dem Titel „Suspicious“. Für die B-Seite komponierten die beiden ein Stück namens „Dreaming“. Schon bald jedoch wurde ihnen und auch den Verantwortlichen von „Virgin“ klar, dass „Dreaming“ weitaus mehr Hitpotenzial hatte. „Suspicious“ wurde daraufhin als A-Seite fallengelassen, verschwand letztendlich sogar im Archiv und wurde bis heute nicht veröffentlicht. Im „Amazon-Studio“ in Liverpool unter Eigenregie und ohne Produzentenbeteiligung aufgenommen, erschienen „Dreaming“ und „Satellite“, ein neu geschriebener Song für die dazugehörige B-Seite, dann Ende Januar 1988. Die Single reihte sich nahtlos ein in die Serie vorangegangener Misserfolge. In England erreichte der Titel gerade mal den 50. Platz. Das folgende, Mitte März 1988 veröffentlichte „The Best Of OMD“-Album entwickelte sich jedoch zum Verkaufsrenner und erreichte Platz 2 in den englischen LP-Charts. Es ist bis zum heutigen Tag das meistverkaufte Album von OMD. |
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Von April bis Juni 1988 unterstützten OMD zusammen mit dem britischen Musiker Thomas Dolby und der Gruppe „Wire“ die Band „Depeche Mode“ bei einigen Konzerten ihrer USA- und Kanadatour. Damit schloss sich der Kreis, denn OMD waren die Initialzündung für „Depeche Mode“ gewesen, die Anfang der 80er Jahre OMD’s erste Single „Electricity“ in einem Club gehört und daraufhin beschlossen hatten, solche Musik auch machen zu wollen. Bis heute blieb dabei für alle Musiker von OMD der Auftritt im „Rose Bowl“-Footballstadion in Pasadena im Juni 1988 vor 90.000 Zuschauern (wo „Depeche Mode“ auch ihr Livealbum „101“ aufnahmen) unauslöschlich in Erinnerung. Andy und Paul bezeichnen den Auftritt noch heute als ihren eindrucksvollsten Gig. Nicht wenige, die den Auftritt dort live miterlebten, behaupten gar, dass OMD wesentlich besser waren als die Hauptband. Es sollte jedoch der letzte gemeinsame Auftritt von Andy, Paul, Martin, Malcolm und den Weir Brothers als OMD gewesen sein. |
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Da OMD ein halbes Jahr permanent auf Tour gewesen waren, hatten sie keine Zeit gefunden, neue Songs zu komponieren. Einzig der Titel „Never Let You Go“ wurde aufgenommen – und es blieb der letzte gemeinsam im Studio eingespielte Titel, der bis dato allerdings noch unveröffentlicht ist. Hinzu kam, dass mittlerweile auch Martin, die Weirs und sogar Malcolm damit begannen, Lieder für OMD zu schreiben, mit denen Andy allerdings überhaupt nichts anfangen konnte. Gegenüber den Medien sprachen Andy und Paul schon von neuem Material, das bereits vorhanden wäre und auch bald veröffentlicht werden sollte – in Wahrheit jedoch standen sie mit leeren Händen da und hatten späteren Aussagen zufolge „nur im Studio herumgesessen, Tee getrunken und einen Haufen Mist produziert“ anstelle geeigneter Songs. Andy und Paul waren an ihrem kreativen Ende angelangt. Es fiel ihnen nichts mehr ein. |
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An diesem Punkt schlug Paul vor, eine längere Pause einzulegen, um OMD als Band neu definieren zu können und um neue Ansätze zu entwickeln. Es wäre das beste gewesen, was OMD zu diesem Zeitpunkt hätten tun können. Andy und die restlichen Mitglieder waren anfangs ebenfalls dafür, einzig „Virgin“ hielt dies für keine gute Idee, da sie den Zeitpunkt für eine Pause allein schon im Hinblick auf den Erfolg in Amerika für ungünstig hielten – und OMD zudem noch vertraglich zur Lieferung eines Albums verpflichtet waren. Die Band begann sich im Verlauf der Auseinandersetzung mit „Virgin“ auch untereinander uneinig zu werden, da Andy sich im Laufe der Zeit der Auffassung von „Virgin“ anschloss und weitermachen wollte. Bald schon gab es keinerlei Übereinstimmung mehr zwischen Andy und Paul – weder was die Musik anging, noch was das Management betraf. Auch in Tournee-Fragen konnte man sich nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Die letztendliche Konsequenz war, dass zuerst Paul und später auch Mal und Martin die Notbremse zogen und sich eigenmächtig eine Zwangspause verordneten, was praktisch zum Ende von OMD führte. Zumindest lag die Band nun für unbestimmte Zeit auf Eis. |
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Niemand wusste nun mehr so richtig, wie und ob es überhaupt mit OMD weitergehen sollte, bis sich ein paar Monate später, Anfang 1989, Paul bei Andy meldete und ihn darüber informierte, dass er zusammen mit Martin und Malcolm ohne ihn als OMD weitermachen wollte. Sie seien zu dritt – Andy jedoch sei alleine – und deshalb hätten sie juristisch gesehen auch das alleinige Recht, die Band weiterzuführen. Dies wollte McCluskey allerdings so nicht hinnehmen und informierte sich bei „Virgin-Records“ über die Legalität dieser Aktion. Die Plattenfirma – als Besitzer der Rechte an den OMD-Songs – erklärte lapidar, dass Andy der Frontmann der Gruppe sei, sein Gesicht und seine Stimme beim Plattenkäufer bekannt seien und das – sofern er bessere Songs liefern würde als seine drei ehemaligen Bandkollegen – er in Zukunft OMD sein wird. Dies war letztendlich der Fall, und Andy musste nun die von Paul gehaltenen, fünfzigprozentigen Rechte am Namen "OMD" von ihm erwerben. Dafür musste er sich allerdings wiederholt Geld bei „Virgin“ leihen, da dies von ihm alleine nicht finanziert werden konnte. Diese Aktion wurde von den Anwälten, die akribisch den genauen Marktwert von OMD errechneten, fas 2 ½ Jahre in die Länge gezogen und verschlang Unsummen an Anwaltskosten. Während dieser Zeit konnte weder Andy neue Songs veröffentlichen, noch Paul musikalisch tätig werden, da er bis zur endgültigen Klärung des Falles und der Übertragung der Rechte bei „Virgin“ unter Vertrag bleiben musste und ihn deshalb auch keine andere Plattenfirma neu unter Vertrag nehmen konnte und wollte. |
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KAPITEL 16: "SUGAR TAX" – ANDY McCLUSKEY IST OMD - Mit neuem Dancepop zu altem Erfolg - |
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In diesen 2 ½ Jahren, zwischen Sommer 1988 und Ende 1990, hing Andy praktisch in der Luft. Mittlerweile hatte er sein 500 Jahre altes Tudorhaus in Wirral bezogen, und sein einziges musikalisches Lebenszeichen in dieser Zeit sollte ein Gastauftritt als Leadsänger bei dem Stück „Walk Away“ auf Arthur Bakers 1989er Erfolgsalbum „Merge“ sein Andy hatte keinerlei Gewissheit darüber, wie die Geschichte mit den Rechten am Namen „OMD“ letztendlich für ihn ausgehen würde – und der laufende Rechtsstreit, der Millionen von Pfund an Anwaltskosten verschlang, stürzte Andy immer tiefer in eine finanzielle und persönliche Krise. Andy war der Verzweiflung nahe, am Rande eines Nervenzusammenbruchs und begann zunehmend an Depressionen zu leiden, die er erst mit Alkohol, dann mit Hilfe einer speziellen therapeutischen Behandlung zu bekämpfen versuchte. Andy hatte massive Probleme damit, neue Songs zu schreiben und war an einem Punkt angelangt, an dem er ernsthaft daran dachte, die Musik für immer an den Nagel zu hängen Erst die Bekanntschaft mit den zwei jungen Musikern STUART KERSHAW (Drums) und Lloyd Massett (Keyboards), von der Liverpooler Band „Raw Unlimited“, riss ihn aus seiner Lethargie. Beide arbeiteten im selben Studio wie Andy. Man fand eine gemeinsame musikalische Basis und beschloss, zusammen an neuen Songs für OMD zu basteln. Diese Zusammenarbeit wirkte sich sehr positiv auf Andys seelisches Gleichgewicht aus und setzte neue kreative Kräfte in ihm frei. Es entstanden mit der Zeit eine ganze Reihe neuer Songs. Neben den Stücken „Pandora’s Box“ (unterstützt von Stuart Boyle and der Gitarre), „Speed Of Light“, „Was It Something I Said“ (das von Andys gestörtem Verhältnis zu Pauls Frau Maureen handelt), „Big Town“, „Call My Name” und dem aus dem originalen Funkverkehr der ersten Mondlandung konstruierten Stück „Apollo XI“, die Andy alle im Alleingang schrieb, entstanden zusammen mit Massett und Kershaw die Songs „Then You Turn Away“, „Walking On Air“ (ein Stück über Andys Erfahrung mit zwei Hausgeistern, die angeblich in seinem uralten Haus spuken sollen), „Walk Tall“ und „All That Glitters“. Des weiteren erinnerte sich Andy wieder an seine alte Liebe, mit der Jahre zuvor alles begann – „Kraftwerk“. Das Endprodukt war eine phänomenale Coverversion von deren Titel „Neon Lights“, mit Christine Mellor als Sängerin. |
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Zwischenzeitlich richtete Andy McCluskey sich im Liverpooler „Lark Lane“-Bezirk sein eigenes Tonstudio ein – das "Motor Museum Studio", untergebracht in den Räumen einer früheren Autowerkstatt. Knapp zwei Monate später kam das erste von Andy McCluskey fast ausschließlich im Alleingang produzierte und von „Virgin“ vorfinanzierte neue Album auf den Markt: „Sugar Tax“. Die Frage im Vorfeld war jedoch: Wie würde es sich verkaufen, fast fünf Jahre nach dem letzten regulären Album „The Pacific Age“? Denn – „Sugar Tax“ enthielt zwar noch einige Fragmente des klassischen OMD-Sounds – nun allerdings kombiniert mit dem angesagten Dance-Pop der 1990er Jahre, der für viele alte Fans, die OMD bereits seit Anbeginn ihrer Karriere begleitet hatten, möglicherweise nicht unbedingt nachzuvollziehen war, zugleich aber eine ganz neue, jüngere Generation ansprechen konnte. Doch Andys Konzept ging auf – das Album, aufgenommen im eigenen „Pink Museum“-Studio und im „Amazon-Studio“, beide in Liverpool, sowie in zwei Studios in London – erreichte mit 1,5 Millionen weltweit verkauften Einheiten in England Platinstatus und kam dort bis auf den 3. Platz. Es wurde das bis zum heutigen Tag meistverkaufte, reguläre OMD-Studioalbum und rangiert damit sogar noch vor dem Klassiker „Architecture & Morality“. Kleine Randbemerkung: Wer aufmerksam das Booklet in der CD las, konnte
feststellen, dass dort nirgendwo der Name |
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Andy stürzte sich nun in die Vorbereitungen der Livepräsentation von „Sugar Tax“. Dafür brauchte er allerdings eine komplett neue Begleitband. Stuart Kershaw und Lloyd Massett waren mit ihrer Gruppe „Raw Unlimited“ beschäftigt und kamen somit nicht in Frage. Also hörte er sich in Liverpool um und fand schließlich in den jungen Musikern NIGEL IPINSON (geb. 22. Mai 1970) - Keyboards, PHIL COXON (geb. 1. Juli 1963) - Keyboards, später auch für die Maxi-Versionen und Remixe verantwortlich - und ABE JUKES (geb. 7. April 1971) - Drums, die ideale Tourband. McCluskey war heiß darauf, nach gut drei Jahren Bühnenabstinenz das neue Material in Verbindung mit den alten Hits (mit Ausnahme allerdings von Paul’s Songs „Souvenir“ und „Forever Live & Die“) live zu präsentieren. Eines ihrer ersten Konzerte im Juni 1991 führte sie nach Deutschland auf das Loreley-Festival. Zur gleichen Zeit etwa wurde die Nachfolgesingle „Pandora’s Box“ veröffentlicht, und auch dieser Titel schaffte mit dem 7. Platz den Einzug in die englischen Top-10. In Deutschland schrammte der Titel mit dem 11. Platz nur knapp daran vorbei. |
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Dann begannen Andy & Co. damit, den exzellenten Ruf von OMD als Liveband auf ihrer England-Tour von Juli bis Oktober 1991 zu bestätigen. Sie spielten trotz der langjährigen Pause vor einem immer noch begeisterten (und nun wieder recht verjüngten) Publikum. Einzige Wermutstropfen waren die nächsten beiden Singleauskopplungen aus „Sugar Tax“: „Then You Turn Away“ und „Call My Name“. Virgin machte im augenscheinlichen Erfolgsrausch und trotz der Negativbeispiele der vorangegangenen Jahre wiederum den Fehler, eine dritte und vierte Single aus einem Album auszukoppeln. Beide Songs kamen lediglich auf einen enttäuschenden Platz 50 in England. Im November machten OMD dann Station in Deutschland, und die Tour endete schließlich in Frankreich. Andy beschränkte sich nach den letzten beiden Welttourneen wieder ausschließlich auf Europa. Amerika war kein Thema mehr, dafür waren OMD dort zu lange von der Bildfläche verschwunden gewesen. Die „Sugar Tax“-Tournee war im Rückblick ein grandioser Erfolg, alle Konzerte waren ausverkauft. Andy bezeichnete diese Tour als die beste, die er je gemacht hatte. Er befand sich nun wieder auf der Sonnenseite des Lebens und genoss seinen neuen Erfolg. Doch die ersten dunklen Wolken begannen bereits unbemerkt am Horizont aufzuziehen... |
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KAPITEL 17: "LIBERATOR" & "THE LISTENING POOL" - Euphorisch in die nächste Krise - |
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Dermaßen motiviert vom unerwarteten Erfolg von „Sugar Tax“, der ersten beiden Singles und der Tour, machte sich Andy in seiner Euphorie darüber sofort an die Arbeit für ein Nachfolgealbum, das an den Erfolg nahtlos anknüpfen sollte. Das ganze Jahr 1992 über, sechs Tage die Woche und bis zu zehn Stunden täglich schrieb und programmierte er im fensterlosen „The Ministry“-Studio an neuen Songs. Unterstützt wurde er von Phil Coxon, der als einziger Mitwirkender von der „Sugar Tax“-Tourband einen relevanten Anteil an den Aufnahmen der neuen Songs haben sollte. Nur Nigel Ipinson war noch an einem Titel musikalisch beteiligt, sowie Stuart Boyle, der auch hier wieder bei drei Songs den Gitarrenpart übernahm. Den überwiegenden Teil der Songs schrieb Andy im Alleingang, lediglich die Titel „Best Years Of Our Lives“, „Christine“ und „Only Tears“ schrieb er zusammen mit Stuart Kershaw. Einzig „Stand Above Me“ entstand in Zusammenarbeit mit dem alten „Sugar Tax“-Erfolgsteam Kershaw und Lloyd Massett. Hinzu kamen außerdem zwei überraschende Coverversionen: Zum Einen eine gelungene Version von „Velvet Undergrounds“ Song „Sunday Morning“ und eine Neubearbeitung eines Titels der amerikanischen Soullegende Barry White. „Dream Of Me“ basierte auf dessen Hit „Love’s Theme“ aus den 70er Jahren. Andy musste White recht lange dafür beknien – und auch finanziell einiges aufwenden –, um von ihm die Genehmigung zur Verwendung eines Samples aus dem Song zu bekommen. Barry White selbst produzierte den Titel schließlich zusammen mit Andy. Interessant war auch der Umstand, dass Andy mit dem Stück „Everyday“ einen, im Jahre 1987 mit Paul Humphreys gemeinsam geschriebenen Song, aufnahm. Der bereits für das „Sugar Tax“-Album geschriebene und ursprünglich als Reggae konzipierte Titel „Love And Hate You“ fand nun ebenfalls Verwendung. Darüber hinaus schaffte es diesmal auch „Heaven Is“ in die Auswahl der Albumsongs (zur Erinnerung: Der Titel war bereits 1983 von Andy für das „Junk Culture“-Album geschrieben worden). |
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Im Zuge der Genehmigung von „Neon Lights“ lernte Andy 1991 auch den „Kraftwerk“-Musiker Karl Bartos näher kennen und so kam es dazu, dass sich Andy zwischen seinen eigenen Aufnahmen noch die Zeit nahm, um für dessen Projekt „Elektric Music“ und die Platte „Esperanto“ in Deutschland die Leadvocals auf dem Stück „Kissing The Machine“ zu übernehmen und ein weiteres Stück für das Album zu produzieren. Bartos erfüllte auch Andys langjährigen Wunsch und führte ihn in Düsseldorf u. a. durch die Aufnahmestudios von „Kraftwerk“. |
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Die Songs für das
geplante neue Album orientierten sich vom Sound her überwiegend an „Sugar Tax“.
Mit dem Lied Immernoch unter dem Eindruck
des „Sugar Tax“-Millionensellers wurde Anfang Mai 1993 mit großer Zuversicht
„Stand Above Me“ als erste Single veröffentlicht. Doch das alte Trauma und
Drama begann von Neuem. In England erreichte der Song gerade mal Platz 21, was
im Vergleich zu „Sailing On The Seven Seas“ als inakzeptabel bezeichnet werden
musste. Im Juni dann kam das Insgesamt sollte das Album im Fahrwasser von „Sugar Tax“ zwar noch recht profitable Erfolge erzielen, konnte aber, gemessen am Erfolg seines Vorgängers, in keiner Weise an diesen heranreichen. Das Album musste insgesamt als Flop betrachtet werden. Vor allem die Fans akzeptierten Andys Mixtur aus dem alten OMD- und dem 90er Technosound nur widerwillig und bedingt. Auch „Dream Of Me“ als zweite, zwei Monate nach „Stand Above Me“ veröffentlichte Single konnte daran nichts mehr ändern (Platz 24 in England). Der Song war im Vergleich zur Albumversion leicht verändert, da Barry White für die Singleveröffentlichung die Verwendung des bereits erwähnten Samples untersagte. Mit der wiederum zwei Monate danach herausgebrachten dritten Single „Everyday“ im September 1993 kam es mit Platz 59 zu einem weiteren klassischen Flop. Im Oktober gingen OMD mit der bewährten Livemannschaft der „Sugar Tax“-Tour – nur diesmal mit Stuart Kershaw anstelle von Abe Jukes an den Drums – auf große Europatournee. Nach je einem Auftritt in Schweden, Norwegen, Dänemark und Holland spielten OMD darauffolgend im November in Frankreich und Deutschland, bevor sie Anfang Dezember wiederum je einen Auftritt in Österreich, der Schweiz und in Belgien absolvierten und den Rest des Jahres in England auftraten. Live war das Interesse an OMD ungebrochen groß. Die Shows waren ausverkauft, doch wie bereits bei der „Sugar-Tax“-Tour konnte man entweder gerade mal die Kosten decken oder musste finanziell kräftig draufzahlen. Im Januar 1994 spielten OMD in Johannesburg (Südafrika) zum letzten mal in der Besetzung McCluskey, Kershaw, Ipinson und Coxon. Überhaupt sollte es für die darauffolgenden dreizehn Jahre der vorerst letzte offizielle Auftritt von OMD im Rahmen einer Tournee sein. |
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Was taten Andys alte Mitstreiter Paul Humphreys, Martin Cooper und Malcolm Holmes zu dieser Zeit? Mit seiner Frau Maureen, die er während der USA-Tour von OMD 1981 kennen gelernt hatte, lebte Paul Humphreys nach der Trennung von OMD in Los Angeles. Infolge des Rechtsstreits, den er mit Andy McCluskey um die Namensrechte von OMD auszufechten hatte, durfte Paul zwei Jahre lang keine Musik auf einem anderen Plattenlabel veröffentlichen und so konzentrierte er sich ganz auf seine Familie und auf seine Pflichten als Vater für seine Tochter Madelaine. Anfang der 90er-Jahre dann und um tausende britische Pfund an Anwaltskosten erleichtert, war für Paul das Namensrechte-Trauma endgültig beendet. Er wurde nach einer finanziellen Abfindung seitens von Andy offiziell aus seinem Vertrag mit OMD, bzw. "Virgin, entlassen. Überschattet wurde dieses, im Grunde durchaus befreiend wirkende, Ereignis allerdings durch die Scheidung von seiner Frau Maureen, was Paul später als „einewirklich harte Zeit für mich“ beschrieb. Durch die Trennung von OMD und nun auch noch von seiner Familie, lag sein Privatleben weitgehend in Trümmern. Erschwert wurde das ganze Dilemma noch durch den Umstand, dass Pauls Tochter in Los Angeles zur Schule ging, während er sich nun die meiste Zeit wieder in Liverpool aufhielt, um sich um das von OMD bereits im Jahre 1983 gegründete Independent-Label „Telegraph Records“ zu kümmern, das er zusammen mit seinen ehemaligen Mitmusikern von OMD – Malcolm Holmes und Martin Cooper – dort weiterführte, mit dem erklärten Ziel, lokalen Bands und talentierten Musikern zu helfen und sie zu unterstützen. Zusammen mit Malcolm Holmes und Martin Cooper gründete Paul dann schließlich die Band "The Listening Pool".
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Sie veröffentlichten 1994 auf ihrem eigenen „Telegraph Records“-Label die Singles "Oil For The Lamps Of China" und "Meant To Be" sowie das eher ruhig gehaltene Album "Still Life", für das man teilweise auf die Songs zurückgriff, die Ende der 80er-Jahre für OMD geschrieben wurden (z. B. „Wild Strawberries“). Alle Songs wurden von den Dreien gemeinschaftlich komponiert und produziert. Aufgenommen wurde in Pauls eigenem Studio „The Rythm Ranch“. Einzig Tom Lord-Alge war bei „Oil For The Lamps Of China“ noch als zusätzlicher Produzent beteiligt, der den Song in den „Wisselord-Studios“ in Holland abmischte, wo die Drei bereits 1984 mit OMD an „Junk Culture“ gearbeitet hatten. Zahlreiche Gastmusiker wurden verpflichtet, so beispielsweise die Sänger Thomas Lang und Paul Roberts, außerdem Gordon Longworth, Ronnie Stone, Tony Smith, Rob Fennah, Jake Hemmings und Colin Weavill an den Gitarren sowie Sylvan Richardson jr. und Kevin Roberts am Bass. Martin Cooper kehrte für das Album zudem zu seinen künstlerischen Wurzeln zurück und malte für das Albumcover das Bild „Frank’s Banjo“. Doch auch den drei früheren OMD-Musikern erging es in Sachen Erfolg – relativ gesehen – nicht viel besser als ihrem einstigen Weggefährten Andy McCluskey. Das Album, die Singles und überhaupt das gesamte Projekt entpuppte sich im Ganzen betrachtet als ein kommerzieller Flop. Es wurden danach keine weiteren Platten mehr veröffentlicht. 1996 trennten sich die musikalischen Wege von Paul, Martin und Malcolm dann endgültig. Zudem zerstritten sich Paul und Malcolm wegen Meinungsverschiedenheiten bezüglich ihres gemeinsamen Labels „Telegraph“. |
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KAPITEL 18: "UNIVERSAL" - Auf die neue Kreativität folgt das endgültige Aus - |
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Nach dem Ende der „Liberator“-Tour 1994 nahm sich Andy eine längere Auszeit, um in Ruhe über die weitere Zukunft und Vorgehensweise in Bezug auf OMD nachdenken zu können. Andy lebte während dieser Zeit in der irischen Hauptstadt Dublin und bezeichnete diesen wiederum recht depressiven Lebensabschnitt in einem späteren Interview als "eine Flucht vor dem Leben". Andy war überaus frustriert über „Virgins“ Art der Vermarktung von OMD, auf die er selbst keinen Einfluss hatte, die jedoch für sein künstlerisches und finanzielles Überleben von größter Bedeutung war. Die Plattenfirma aber setzte ihre Prioritäten mittlerweile bei anderen Künstlern. Um den Kopf vom langjährigen stupiden Kreislauf Platte/Promotion/Tour wieder freizubekommen und mental wieder aufzutanken, legte Andy OMD nun für längere Zeit auf Eis. Währenddessen reiste er achteinhalbtausend Kilometer quer durch die USA, und unternahm zusammen mit seinem damals 72-jährigen Vater Jimmy McCluskey mit der Eisenbahn einen Trip quer durch Asien – von Usbekistan bis Shanghai. Im Frühjahr 1996 begann Andy im Dubliner Studio „The Factory“ und im „JE Sound Studio“ in Los Angeles mit neugewonnener Inspiration mit dem Schreiben und Aufnehmen neuer Songs. Ideen dafür waren reichlich vorhanden. Bei seiner Reise durch China beispielsweise hatte sich Andy einige hiesige Platten zugelegt und machte auch einige Aufnahmen, die er jetzt für den Song „New Head“ verwendete, den er zusammen mit Simon Fung schrieb. Ebenso inspirierend für seine weitere musikalische Arbeit war die Reise durch den Süden der USA. Dort entdeckte er einen amerikanischen Gospelchor, die „Richard Allen Singers“, der ihn sehr beeindruckten. Flugs kaufte er sich eine Platte des Chores und im Studio machte sich nun daran, den Gesang des Stückes „Early My God Without Delay“ zu sampeln, in Bruchstücke aufzuteilen, ihn wieder zusammenzusetzen und eine völlig neue Melodie und einen neuen Text dazu zu schreiben. Auf diese Weise entstand der Titel „The Gospel Of St. Jude”. Andy wollte weg vom Sound der 80er und anstelle von elektronischen mehr konventionelle Instrumente verwenden. Die Texte die er jetzt schrieb, enthielten – im Gegensatz zu seinen bisherigen Liedern – vermehrt autobiografische Züge. Auch dieses mal komponierte Andy die meisten Songs alleine. Dennoch kam es zur Freude aller alten OMD-Fans zu einer Reunion der alten Partnerschaft mit Paul Humphreys. Gemeinsam komponierten sie das psychedelisch angehauchte Stück „Very Close To Far Away“. Eine weitere Gemeinschaftsarbeit von Paul und Andy war der bereits 1987 entstandene Titel „If You`re Still In Love With Me“. Dessen darauf enthaltene Streicher wurden von Anne Dudley („The Art Of Noise“) in Los Angeles arrangiert, nachdem Andy und Stuart Kershaw sie dort kennengelernt hatten. Und noch ein bekannter Name tauchte auf: Karl Bartos. Er revanchierte sich nun für die Mitarbeit Andys an seinem 94er Album „Esperanto“. Zusammen schrieben sie die Songs „The Moon & The Sun“ (der erste OMD-Song mit Akustikgitarre!) und „Mathew Street“, der später als Single-Bonustrack erschien. Andy ließ es sich dabei nicht nehmen, Karl Bartos als Gegenleistung für den Düsseldorf-Trip 1993 durch Liverpool zu führen und ihm alle Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Auch Stuart Kershaw war als Co-Autor der Songs "The Black Sea“ und „Too Late“ wieder mit von der Partie. Zusammen mit Keith Small und Nigel Ipinson, der OMD nach dem Ende der „Liberator“-Tour zusammen mit Phil Coxon verlassen hatte, schrieb Andy das Lied „Walking On The Milky Way“. Andy entschloss sich zu dem Schritt, keine neuen Musiker mehr als feste Bandmitglieder in OMD zu integrieren. So bestand die „Band“ ab 1996 allein aus Andy McCluskey. Einzig Stuart Kershaw konnte man noch mehr oder weniger dazuzählen. |
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Im „Townhouse“-Studio in London wurden schließlich mit Hilfe der Studiomusiker Phil Spalding (Bass), Matthew Vaughan (Keyboard, Piano, Gitarre, Bass), Jimmy Taylor (Gitarre) und Chuck Sabo (Drums, Percussion) die neuen Songs eingespielt – Songs, die Andy teilweise bewusst ohne zusätzliche Nachbearbeitung so stehen ließ, wie sie ursprünglich aufgenommen wurden („The Moon & The Sun“, „The Gospel Of St. Jude“). Einige Stücke klangen sehr nach den „alten“ OMD – besonders bei den Liedern „Universal“, das mit seiner langen Einleitung Erinnerungen an das alte Stück „Stanlow“ vom 1980er Album „Organisation“ wachrief und bei „The Black Sea“, einer wunderschönen, nur von Keyboards und Streichern getragenen Ballade. Für das Stück „The New Dark Age“, später als Single-Bonustrack veröffentlicht, benutzte Andy sogar genau die gleiche alte Orgel, die für den 1980er-Song „Statues“ verwendet wurde. Dennoch klang das Album, das, nachdem der Titel "That Was Then - This Is Now" wieder verworfen wurde, den Namen „Universal“ tragen sollte, über weite Strecken anders als alle bisherigen OMD-Alben – das Dritte nach der Trennung von Paul Humphreys und das Letzte, für das Andy vertraglich zur Lieferung an „Virgin“ noch verpflichtet war. Es wurde zwar an keiner Stelle erwähnt, doch war schon allein anhand einiger Textpassagen herauszuhören, dass Andy wohl schon während der Arbeit an diesem Album mit dem Gedanken spielte, dass es sein letztes OMD-Album werden würde („This dream is almost ending“ – Zeile aus „Victory Waltz“, dem letzten Song auf dem Album). |
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Anfang August 1996 erschien dann das stark autobiografische „Walking On The Milky Way“ als Single. Andy sagte später darüber: „Wenn [die damals angesagte Band] „Oasis“ den Song veröffentlicht hätte, wäre er wohl ein Welthit geworden“. Womit er vermutlich nicht falsch lag, denn „Oasis“ hätte mit Sicherheit die nötige Unterstützung und Promotion bekommen. Zudem konnte man das Lied tatsächlich als eine der stärksten Singles von OMD seit Jahren bezeichnen. Bei „Virgin“ jedoch war OMD nicht mehr erste Wahl. Die Werbung für die Single wurde auf das Nötigste beschränkt und so konnte man noch dankbar sein, dass es der Song dennoch in die Top-20 schaffte und Platz 17 in England erreichte. In Deutschland blieb er jedoch mit Platz 53 weit hinter allen Erwartungen zurück. So ging auch schließlich das Album, das Anfang September 1996 veröffentlicht wurde, im Wust der Neuerscheinungen kläglich unter und erreichte den, für die Qualität der darauf enthaltenen Songs doch recht unangemessenen 24. Platz in den englischen Charts. Zudem entfachte das Album kaum Medieninteresse, bekam nur wenig Radiounterstützung und auch die großen Ladenketten beachteten das Album so gut wie überhaupt nicht. Bezeichnend für das Desinteresse an den teilweise stark hitverdächtigen Albumsongs, wie beispielsweise „Too Late“, veröffentlichte „Virgin“ zwei Monate darauf das Stück „Universal“, mit komplett weggekürztem Intro als Single. Ziel sollte es sein, mit dem Titeltrack auf das Album aufmerksam zu machen, was jedoch völlig daneben ging. „Universal“ kam nicht über den 55. Platz hinaus und sollte die letzte reguläre Single der Gruppe OMD gewesen sein. Andy McCluskey gab nach dem mehr oder weniger weltweiten Misserfolg von "Walking On The Milky Way" und des Albums „Universal“ endgültig resigniert und enttäuscht auf. Andy sah keinen Sinn und vor allem keine Zukunft mehr darin, eine Band am Leben zu erhalten, die ihre Popularität weitgehend eingebüßt hatte und für die sich die breite Masse offensichtlich kaum noch ernsthaft interessierte. Erste Erwägungen bezüglich einer "Universal"-Tournee (z. T. mit Orchesterbegleitung) wurden fallengelassen – es gab lediglich einige sporadische kleine Auftritte (u. a. 1996 in Torgau/Deutschland im Rahmen der Veranstaltung „Tag der Sachsen“). Am 22. August 1996 stand Andy inoffiziellen Angaben zufolge in Barcelona (Spanien) zum letzten Mal als OMD live auf der Bühne. 1997 lief der Vertag mit „Virgin“ aus und Andy stellte abschließend noch die Forderung nach einer neuen „Best Of“-CD, welche die alten Hits der 80er und die der 90er vereinen sollte. War zuerst eine Doppel-CD mit den Single-A- und B-Seiten geplant, so war bald darauf eine Doppel-CD mit erstens den Single-A-Seiten und zweitens mit neuen Remixen der Singlehits im Gespräch. Letztendlich scheute das Plattenlabel aber die Kosten und veröffentlichte Ende September 1998 stattdessen eine Einfach-CD mit den neu abgemischten und klangtechnisch verbesserten Singlehits und eine 3-Track-EP mit Remixen von „Souvenir“ (gefertigt von „Moby“), „Enola Gay“ (von „sash!“) und einem unsäglichen Remix von „Electricity“ („The Micronauts“). Der Gesang von „Souvenir“ und „Enola Gay“ wurde dafür von Andy und Paul komplett neu aufgenommen. |
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1998 absolvierten Paul und Andy, die nach den Streitereien um die Namensrechte wieder auf einer freundlichen Basis zusammengefunden hatten, für das neue „The OMD-Singles“-Album einige Interviews, Fernsehauftritte und Fotoshootings.
Gemeinsam erklärten sie im Herbst 1998 in London die endgültige Auflösung von OMD – genau zwanzig Jahre nach ihrem ersten Auftritt als „Orchestral Manoeuvres in the Dark“ im Liverpooler „Eric’s Club". |
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KAPITEL 19: "ATOMIC KITTEN" & CLAUDIA BRÜCKEN - Andy McCluskeys erster Nr.1-Hit und auch Paul Humphreys probiert es mit Frauenpower - |
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ANDY McCLUSKEY Die Vergangenheit ruhen lassen und den Blick in die Zukunft richten – dies war nun Andy McCluskeys Absicht im Hinblick auf seine weiteren musikalischen Aktivitäten, denen er sich auch nach dem Ende von OMD weiterhin widmen wollte. Doch zögerte Andy erst einmal, da er sich im Grunde noch nicht eindeutig klar darüber war, wie sein musikalischer Weg denn überhaupt aussehen sollte. Andy wollte zwar weiterhin Songs schreiben, allerdings nicht mehr selbst als Künstler im Rampenlicht stehen. Speziell von Tourneen und Liveauftritten hatte er endgültig genug. So kam McCluskey nach einiger Zeit, trotz aller anfänglichen Zuversicht, unweigerlich an einen Punkt, an welchem er die Musik endgültig aufgeben wollte – überzeugt davon, lediglich seine Zeit zu vergeuden, ohne ein wirklich greifbares Ziel vor Augen zu haben. Erst ein Gespräch mit seinem Freund Karl Bartos, dem ehemaligen „Kraftwerk“-Mitglied, brachte ihn dann doch noch zurück auf den richtigen Weg. Erst aber musste Bartos, der die Songs von Andy schon immer großartig fand, Andy von dessen Songschreiberqualitäten überzeugen, bevor er ihm sinngemäß den folgenden Rat gab: „Wenn du Songs schreiben willst, dann gebe sie nicht deinem Verleger in die Hand, in der Hoffnung, dass er sie auch verwenden wird. Du wirst ihm damit immer auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sein. Was du tun musst, ist, dir selbst ein geeignetes Transportmittel für deine Songs zu erschaffen.“ |
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Andy nahm sich dies zu Herzen und je länger er darüber nachdachte, desto mehr konnte er sich mit dem Gedanken an eine von ihm selbst zusammengestellte Band, die seine Songs interpretiert, anfreunden. Im Grunde hasste er diese Art von Gruppen aus zusammengewürfelten Musikern ja auch nicht, solange sie nur gute Musik machten. Schon seit den Anfängen des Musikbusiness gab es etliche solcher „gecasteten“ Bands, die Andy gefallen haben, ob dies nun die „Supremes“ waren, die „Monkees“ oder später in den 80er-Jahren die britische Mädchenband „Bananarama“. Andy entschloss sich schließlich dazu, ebenfalls mit talentierten Mädchen zu arbeiten, da Boybands wie „Take That“ absolut nicht seine Sache waren. Und für eine Rockband Songs zu schreiben, kam ebenfalls nicht für ihn in Frage. Also lief am Ende alles auf eine Girl-Pop-Band hinaus. „Bananarama“, „The Supremes“, „The Ronettes“ ... – alle berühmten Girlgroups bestanden in der Regel aus drei Mitgliedern und so machte sich Andy nun auf die Suche nach „seinen drei Mädchen“. Bereits im Juli 1997 begann er
unter anderem mit Stuart Kershaw damit, eine Band zusammenzustellen.
Dieser erste Versuch hatte allerdings nicht den gewünschten
Erfolg. Aufgrund interner Spannungen untereinander verliefen erste
„Gehversuche“ mit Jo Jeffries, Heather Leigh, Joanne Mannion,
Rebecca Rudd und Jan Carr nach einiger Zeit schon wieder im Sande.
Mitte 1998 organisierte Andy McCluskey zusammen mit Martin O’Shea im Liverpooler Club „L2“ ein Casting. Und die Suche erwies sich als erfolgreich – mit den allesamt aus Liverpool stammenden jungen Mädchen Liz McLarnon, Kerry Katona und Heidi Range war das erste Line-Up der anfänglich noch „Honeyhead“ genannten, kurze Zeit später dann nach dem Modelabel „Automatic Kitten“ umbenannten Girlgroup perfekt. Die 15jährige Heidi Range verließ jedoch nach einigen Monaten die Band in Richtung „Sugababes“ und wurde durch die 16jährige Natasha Hamilton ersetzt. Andy und Stuart schrieben zahlreiche Songs für die drei Nachwuchstalente und nach einigen Monaten an ausdauernden Proben trat die Band zum ersten Mal im „Paradox“-Nachtclub in Aintree/Liverpool als „Atomic Kitten“ auf. Andy hatte offensichtlich zur richtigen Zeit die richtigen Leute gefunden – und vor allem auch die richtigen Songs geschrieben. Zwischenzeitlich, Mitte 1999 etwa, gründete er zusammen mit Stuart Kershaw und Martin O'Shea das für Liverpooler Newcomer initiierte Label "Engine Records". Mit diesem Label beabsichtigte Andy, eine Anlaufstelle für junge Bands und Künstler zu schaffen, indem er ihnen half, durch seine langjährige Erfahrung im Musikgeschäft, den Weg zu einer Karriere zu ebnen (u. a. mit kostenloser Aufnahmezeit in seinem Studio). Mit „Atomic Kitten“ gab es jedoch einige Anfangsschwierigkeiten. Trotz erster, eigentlich sehr zufriedenstellender Charterfolge mit den von Andy McCluskey mitgeschriebenen Titeln „Right Now“ (veröffentlicht im Dezember 1999), „See Ya“ (2000) und „I Want Your Love“ (2000), die alle drei unter die Top 10 in Großbritannien kamen, sollte die Band, die bei „Innocent Records“ unter Vertrag stand, von deren Muttergesellschaft „Virgin“ bereits wieder fallengelassen und aus ihrem Vertrag entlassen werden. |
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Genau zu dieser Zeit wurde der Titel „Whole Again“, geschrieben von Andy McCluskey und Stuart Kershaw, als Singleveröffentlichung ins Auge gefasst. Der Besitzer von „Innocent Records“, Hugh Goldsmith, war – wie auch Andy – fest davon überzeugt, dass dieser Song ein Megahit werden würde. Goldsmith bekniete „Virgin“ nun so lange, bis sie schließlich doch noch einlenkten, ein relativ kleines und limitiertes Werbebudget dafür bewilligten und den Song schließlich als Single veröffentlichten. Goldsmith und McCluskey sollten recht behalten: „Whole Again“ wurde im Sommer 2001 zum weltweiten Megaseller und erreichte in den britischen Charts Platz 1 – genau der Platz, der Andy mit OMD in England zeitlebens versagt blieb. Der Song wurde später sogar für den berühmten „Ivor Novello Award“ für Komponisten und Songwriter vorgeschlagen. Auch das von Andy und Stuart zum Großteil geschriebene und in Eigenregie produzierte Debutalbum "Right Now", welches aufgrund „seiner Wiederbelebung von Stilelementen des New Wave“ recht gute Kritiken erhielt, folgte der Single im Anschluss daran an die Spitze der englischen Charts. Weitere Hits und der Aufstieg von „Atomic Kitten“ zu weltweiten Superstars folgten. |
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Probleme speziell mit Leuten aus dem engeren Umfeld der Band ließen allerdings nicht lange auf sich warten und warfen ihre ersten dunklen Schatten über das gesamte Projekt. Zum Einen verließ Kerry Katona aufgrund ihrer Schwangerschaft die Gruppe und musste durch Jenny Frost ersetzt werden. Zunehmend pochten die „Kittens“ nun auch auf Mitspracherecht beim Songwriting und ebenso auf die Umsetzung ihrer eigenen Ideen in den Songs. Zum Anderen vertraute das Management der Band nun zunehmend etablierten Hitschreibern das Songwriting an und drängte McCluskey und Kershaw als Komponisten damit unweigerlich und wohl auch mehr oder weniger bewusst ins Abseits. So waren die beiden eigentlichen Initiatoren der Band am zweiten Album, das 2002 erschien, schon so gut wie nicht mehr beteiligt. Mitte 2002 zogen McCluskey und Kershaw daraus die Konsequenzen und trennten sich von den Mädchen. Das 2003 veröffentlichte dritte und letzte Album erhielt wegen seines belanglosen Mainstreampops durchweg vernichtende Kritiken und Anfang 2004 kam es dann auch unweigerlich zum Split von "Atomic Kitten". Im Juni 2006 konnten „Atomic Kitten“ mit der Charity-Single „Cradle“ nochmals eine Top 10-Position in den britischen Charts erklimmen – und Ironie des Schicksals – mit einem Song geschrieben von ihren „Entdeckern“ Andy McCluskey und Stuart Kershaw... |
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PAUL HUMPHREYS Etwa um 1999/2000 herum war Paul Humphreys für sein Label „Telegraph Records“ beruflich im südfranzösischen Canne unterwegs, um sich im Rahmen eines dort stattfindenden Musikfestivals mit einem (vermeintlichen) Interessenten an seinen Künstlern zu treffen. Während dieses Treffens stellte sich allerdings heraus, dass dieser weniger an Pauls Schützlingen interessiert war, sondern mehr daran, ein Label für eine deutsche Sängerin zu finden, die Paul bereits in den 80er-Jahren flüchtig während einer OMD-Tour kennen gelernt hatte. Es handelte sich um Claudia Brücken, ehemalige Sängerin der deutschen Synthie-Band "Propaganda", die in den 80er-Jahren so bekannte Hits hatte wie "Dr. Mabuse" und "Duel". Claudia hatte keinen Songwriter und so kam es, dass Paul mit Claudia in Kontakt trat und beide damit anfingen, gemeinsam Musik für verschiedene Projekte, unter anderem auch für „Propaganda“, zu schreiben. |
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Eines Tages dann wurde Paul überraschenderweise von Andy McCluskey angerufen, um ihm mitzuteilen, dass ihm, bzw. OMD, eine USA-Tour angeboten wurde, was er für seine Person allerdings abgelehnt hätte. So fragte er also Paul, ob er diese Tour machen wollte. Zuerst war Paul unsicher, doch dann sagte er schließlich zu und ging zusammen mit Claudia und einer von den Promotern angemieteten Sessionband zwischen August und Oktober 2000 auf Club-Tour durch folgende Städte der USA: Salt Lake City, Anaheim, Los Angeles, Seattle, Scotsdale, Chicago sowie das mexanische El Paso. Claudia war von Anfang an von der Zusammenarbeit mit Paul und den Gigs begeistert, da sie schon lange keine Konzerte mehr gegeben hatte. Paul und Claudia gingen zusammen auf die Bühne und probierten dort auch viele ihrer Songs aus, welche sie über die Zeit zusammen geschrieben, aber nirgendwo anders untergebracht hatten. Ihre Zusammenarbeit klappte so gut, dass beide mit dem Gedanken spielten, eine gemeinsame Band zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt hatten aber beide noch andere Verpflichtungen, die eine gemeinsame Zusammenarbeit im Rahmen einer einer eigenen Band noch um Jahre verschieben sollten. |
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CLAUDIA BRÜCKEN und PAUL HUMPHREYS 2000
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Was zuerst so geplant war, dass Paul nur diejenigen Stücke von OMD spielen und singen sollte, die er auch selbst damals dort gesungen hatte, änderte sich jedoch schon bald dahingehend, dass noch viele weitere Songs von OMD hinzukamen. Neben ein paar vereinzelten „Propaganda“-Songs sowie einem Cover von David Bowies „This Is Not America“ und noch zwei eigenen Titeln namens „Anonymous“ und „Gone For Good“ (ursprünglich geschrieben für Tina Turner) wurden die Konzerte am Ende überwiegend mit Songs von OMD bestritten. So standen „Messages“, „Secret“, „Women III“, „Almost“, „Talking Loud & Clear“, „Forever Live & Die“, „Locomotion“, „Souvenir“, „If You Leave“, „Telegraph“, „Dreaming“, „So In Love“, „Electricity“ und „We Love You“ auf dem Programm. Zwischen Paul und Andy kam es im Laufe der Tour unglücklicherweise zu einigen Spannungen, da die Konzertpromoter vor Ort diese Konzerte wohl ohne Wissen von Paul als OMD-Konzerte bzw. "OMD -featuring Paul Humphreys"-Konzerte ankündigten. Hier kam nun der alte Streit bezüglich der Benutzung des Namens „OMD“ wieder ins Spiel und das Recht war im vorliegenden Fall eindeutig auf der Seite McCluskey's. Diese Meinungsverschiedenheiten waren dann auch der Grund der Absage Andys für einige Reunion-Auftritte von OMD zusammen mit „Culture Club“, die auf Anregung von Graham Weir und unter Zustimmung von allen früheren Mitgliedern, sprich von Andy, Paul, Malcolm und Martin zeitweilig im Gespräch waren. |
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KAPITEL 20: OMD AUF DEM WEG INS NEUE JAHRTAUSEND - Paul McCartney, Martin Gore, OneTwo & Genie Queen ... und neue Releases von OMD - |
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Der Start ins neue Jahrtausend wurde den Fans von OMD mit einem ganz besonderen Leckerbissen versüßt. Denn im April 2000 wurde von „Virgin“ postum eine weitere offizielle OMD-CD veröffentlicht – „The Peel Sessions“. Die Platte enthielt exakt die Songs, die OMD 1980, 1981 und 1983 für die „Latenight-Show“ des Kult-Radiomoderators John Peel für den BBC-Sender „Radio 1“ aufgenommen hatten.
Ein weiterer Grund zur Freude aller Anhänger gab es dann schon bald darauf im Jahr 2001, als mit dem Album „Navigation – The OMD-B-Sides“ eine von Andy McCluskey zusammengestellte Auswahl an überwiegend älteren Single-B-Seiten erschien. Allerdings waren diese beiden Alben kein Thema mehr für irgendwelche Verkaufscharts. |
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Außerdem erschienen zwischen 2001 und 2003 noch drei sogenannte „Tribute“-Alben, mit teilweise exzellenten OMD-Coverversionen junger Bands und Künstler. Das gerade begonnene Zeitalter der elektronischen Medien ging auch an OMD nicht spurlos vorüber. 1993 wurde das Internet über das neu geschaffene „World Wide Web“ für jedermann via PC zugänglich und nutzbar gemacht, sodass bereits 1995 auf Initiative des Amerikaners Pat Fetty die erste, inoffizielle Website über OMD – www.omdweb.com – an den Start gehen konnte. Offiziell war und ist die Band seit 2001 unter der Adresse www.omd.uk.com zu erreichen, die von Paul Browne im Auftrag von Andy McCluskey betreut wird. Die immer noch große Anhängerschaft von OMD hatte nun erstmals die Möglichkeit, so eng wie nie zuvor zusammenzurücken, sich weltweit untereinander kennen zulernen und ihre Leidenschaft für die Band global ausleben zu können. Alle wichtigen Informationen über die Gruppe waren nun per Mausklick in Sekunden abrufbar und es entstand eine rege interaktive Kommunikation unter den Fans rund um den Erdball. Weitere sogenannte „Fansites“ entstanden, so z. B. „Motion & Heart“ von Neil Taylor und „cOMpileD“ von Kevin Pretlove (beide Großbritannien) – nur um die beiden Wichtigsten zu nennen. Hervorzuheben ist hierbei besonders die Arbeit von Kevin Pretlove und Ian Hayter, die 1997 in gedruckter Form erstmals eine vollständige Werkschau über das musikalische Schaffen von OMD zusammenstellten. Ab 1998 dann wurde diese erste umfassende Diskografie von OMD zusätzlich auch online als unverzichtbares Nachschlagewerk für alle Fans und Sammler zur Verfügung gestellt. |
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Abgesehen von seinem beruflichen Erfolg als Produzent und Mastermind von „Atomic Kitten“ begann für Andy McCluskey das Millenium auch im privaten Bereich recht positiv. So heiratete er am 6. August 2001 – nachdem sie mit einigen Unterbrechungen bereits siebzehn Jahre zusammen waren – seine aus Amerika stammende Frau Toni und lebte mit ihr und seinen zwei Kindern – Sohn James und Tochter Charlotte – in Wirral Peninsula. Der bekennende Fan vom englischen Fußballclub "FC Liverpool" wurde zudem von keinem geringeren als Sir Paul McCartney als Gastdozent an sein "Liverpool Institute For Performing Arts (LIPA)" berufen, wo er im Sommer 2003 für seine dortige Arbeit auch von McCartney persönlich ausgezeichnet wurde. |
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Nach Beendigung seiner
Tätigkeit für „Atomic Kitten“ blieb McCluskey erst
einmal seiner bisherigen musikalischen Richtung treu. So schrieb und
produzierte er noch im selben Jahr zusammen mit Stuart Kershaw zwei
Songs für den in England sehr bekannten Seifenopern-Star
Jennifer Ellison, die sich vom musikalischen Stil her kaum vom
gewohnten Material seiner Ex-Girlgroup unterschieden.
Wahrscheinlich war es das vermeintlich narrensichere Erfolgskonzept von „Atomic Kitten“, das Andy McCluskey dazu veranlasste, 2003 erneut eine Girlgroup aus der Taufe zu heben. "Genie Queen", so der Name der Band, setzten sich ursprünglich zusammen aus Abbey Clancy, Lauren Blake und Anna Ord. Nach Laurens Austieg stießen Ani Saunders und Gemma zur Band. Allesamt stammten sie aus der Gegend der Liverpooler Merseyside und beherrschten neben ihrem Gesang auch noch zusätzlich das Spielen von Instrumenten. Abbey Clancy war der eigentliche Auslöser für "GENIE QUEEN". Sie ware es, die 2003 bei Andy McCluskey – kurz nach seiner Trennung von "Atomic Kitten" – nachfragte, ob er ihr bei ihrem Wunsch helfen könne, Sängerin zu werden. Da Andy zu dieser Zeit zwar keine konkreten Zukunftspläne hatte, allerdings keine Einzelkünstler betreuen wollte, machte sie sich in der Boutique, in der sie arbeitete, auf die Suche nach geeigneter Unterstützung zur Gründung einer Gesangsgruppe. Diese fand sie dann auch in Gestalt von Lauren Blake und Anna Ord. Daraufhin nahm Andy das ursprüngliche Trio bei seinem "Whitenoise" - Label unter Vertrag. Die Mädels begannen anschließend mit einer Tanz- und Gesangausbildung und zusammen mit Andy McCluskey und einem weiteren Produzententeam in Stockholm (Schweden) wurden einige Aufnahmen von Songs getätigt, die sich musikalisch allerdings sehr von denen der Band "Atomic Kitten" unterscheiden sollten und mehr in Richtung angesagtem R'n'B tendierten, unter anderem der Titel "What A Girl Goes Through", welcher mit Samples von OMDs 1981er Hit "SOUVENIR" unterlegt war. Auch traten "Genie Queen" einige Male "live" auf, u. a. als Vorband der britischen Gruppe "Blue". Nach drei Jahren intensiver Zusammenarbeit gab Andy das Projekt schließlich im Frühjahr 2006 endgültig auf. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war letztendlich das vergebliche Bemühen von Andy, die Band bei einer großen Plattenfirma unterbringen zu können. Für die großen Major-Companies war der „Girlband“-Trend bereits schon wieder vorüber. |
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Paul Humphreys bekam mit der
Fortsetzung seiner Zusammenarbeit mit Claudia Brücken wieder
festen Boden unter die Füße. Die beiden, die auch auf
privater Ebene zusammenfanden und sich im Norden Londons mittlerweile häuslich
niedergelassen hatten, schrieben nun in Gemeinschaftsarbeit Songs,
wobei Paul hauptsächlich für die Musik und Claudia
überwiegend für die Texte zuständig war. Zu Beginn des
Jahres 2004 gaben sie ihrem Projekt schließlich den Namen
„OneTwo“ und veröffentlichten im Herbst desselben Jahres auf
ihrem eigenen, neugegründeten Label „therethere“ eine EP mit
dem Titel „Item“, auf der Paul auch endlich wieder zu seinen
elektronischen Wurzeln zurückfand.
Die EP enthielt fünf
brandneue Songs der beiden – der mit Unterstützung von Andy McCluskey
geschriebene Titel "Sister", welcher vom frühen Tod
von Pauls Schwester Sue handelt, "Signals", "Element Of
Truth" sowie eine überraschende Zusammenarbeit mit "Depeche
Mode"-Mastermind Martin Gore beim Stück "Cloud 9".
Diese Zusammenarbeit war für Paul Humphreys, der seit der
gemeinsamen Tour von OMD mit „Depeche Mode“ Ende der 80er-Jahre
mit ihm befreundet ist, etwas ganz besonderes – ist Gore doch
eigentlich als ziemlicher Eigenbrödler bekannt und hat in der
Vergangenheit noch nie wirklich als Co-Autor für andere Künstler
agiert.
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ONETWO - Livedebut in London 2004
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Verkauft wurde das Werk ausschließlich auf der damals neugegründeten, musikalischen Internetplattform des Internetauktionshauses „eBay“ – "UeberSonik" – und man konnte in den ersten Monaten tatsächlich auch einige Tausend Exemplare der EP auf diese Art absetzen. Zusätzlich zu „OneTwo“ produzierte Paul für „therethere“ das Album "Another Language" von Claudia Brücken und dem Pianisten/Komponisten Andrew Poppy. Am 30. September 2004 gaben "OneTwo" ihren umjubelten Debut-Auftritt in London. Erstmals seit 1986 trat Humphreys wieder auf einer Bühne in England auf. Neben einigen Titeln von Claudias Ex-Band „Propaganda“ und natürlich allen Titeln der EP von „OneTwo“ wurden an diesem Abend vor etlichen treuen Anhängern auch viele alte Songs von OMD gespielt. Beeindruckt vom unerwarteten Erfolg und am positiven Zuspruch an ihrer neuen Band – welcher sich allerdings zum überwiegenden Teil aus den Fan-Lagern ihrer beiden früheren Bands zusammensetzte – kündigten Paul und Claudia schließlich eine weitere Veröffentlichung in Form eines Albums und auch die Fortsetzung der Konzerte an. Von einer Veröffentlichung des Albums auf einem großen Major-Label sahen Paul und Claudia allerdings weiterhin ab, obwohl Anfragen dafür vorlagen. Denn nach Ansicht von Paul "werden ältere Künstler hauptsächlich wegen ihres Namens und ihres Backgrounds unter Vertrag genommen, nach ein paar Wochen Aufmerksamkeit aber schnell wieder fallengelassen, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen." |
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Wie begannen die anderen ehemaligen alten Wegbegleiter von Andy und Paul das neue Jahrtausend? |
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Viele seine Bilder wurden auf den verschiedensten Ausstellungen in Großbritanien und in Übersee präsentiert und sind auch in vielen privaten Sammlungen zu finden. Für seine Bilder, die überwiegend ein ruhig harmonisches Stilleben thematisieren, wurde Martin 1998 in der Londoner "Mall Gallery" mit dem "Sponsors Prize" ausgezeichnet. Während er zu seinen ehemaligen Bandkollegen Paul und Malcolm damals nur noch sporadischen Kontakt hatte, pflegte Martin mit Andy ein sehr freundschaftliches Verhältnis und hatte, trotz des Auseinanderfallens der Band, immer das beste Verhältnis von allen zu ihm. Beide wohnten auch nur knapp zwei Kilometer voneinander entfernt in Wirral .Ihre Kinder besuchten sogar zusammen dieselbe Schule. Auch mit David Hughes, dem zeitweiligen Mitglied von OMD in 1980, hielt Martin immer noch Kontakt. So besuchten ihn David und Andy beispielsweise im September 2003 zu Hause in Greasby, Merseyside, nachdem er sich wegen chronischer Rückenprobleme, unter denen er schon längere Zeit litt, einer OP unterziehen musste.
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Weniger glücklich begann das Millenium für Drummer Malcolm Holmes. Nach dem Aus von OMD lebte er einige Zeit in Südafrika und gründete später sein eigenes Plattenlabel "Fin Music", welches sein Repertoire ausschließlich über das Internet vertrieb. Das Album "Looser Friendly" von Dean Johnson war eine der ersten Veröffentlichungen auf seinem Label. Nach seiner Rückkehr nach England arbeitete er an einem weiteren Album von Dean Johnson. Mit daran beteiligt war Graeme Clark, der Bassist der Band "Wet Wet Wet". Zusammen mit Dean arbeitete Malcolm dann mit Jo Mooney, einer jungen britischen Nachwuchs-Soulsängerin. In Malcolms Heimstudio schrieben die beiden zusammen mit Jo an Songs für ein für 2003 geplantes Album und spielten sie unter Mithilfe von Gary Hodgson (Ex-"Equinox"- und "The ID"-Mitglied und später in der Tour-Crew von OMD) am Keyboard und Mischpult, Dean (Gitarre), Greame Clark (Bass), Ex-OMD-Mitglied Neil Weir (Trompete) und den beiden Musikern der Band "The Christians" – Henry Priestman (Gesang) und Gary Christian (Gesang) – ein. Das Album wurde allerdings nie veröffentlicht. Malcolm kehrte Mitte 2003 als Drummer der Band "The Christians" auf die Bühne zurück, als diese eine kleine Tournee durch Frankreich absolvierten. Außerdem gab er Schlagzeugunterricht. Im April 2004, unmittelbar nach der Gründung seines neuen Labels "Muzic2Burn", erlitt Malcolm einen schweren Herzinfarkt. Er musste sich mehreren Bypass-Operationen unterziehen und erholte sich in der folgenden Zeit nur langsam, immer wieder begleitet von gesundheitlichen Rückschlägen. |
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Martin Cooper lebt zusammen mit Alexandra Bibby, einer klassischen Pianistin und hat mit ihr gemeinsam zwei Söhne. Von den anderen, ehemaligen Bandmitgliedern ist nur von Graham Weir Näheres bekannt. So war er für einige Jahre an der „Napier“-Universität in Edinburgh (Schottland) als Dozent tätig, wo er in einem eigenen "Popstar"-Studiengang 30 Studenten pro Jahrgang beibrachte, wie man singt, Instrumente spielt und "Hits schreibt". |
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KAPITEL 21: DIE REUNION VON OMD - ERSTE GERÜCHTE - Andy McCluskey & Paul Humphreys denken laut nach - |
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Nach den postumen
Veröffentlichungen der „Peel Sessions“ und des
B-Seiten-Albums in 2000, bzw. 2001, gab es immer wieder Ankündigungen
seitens Andy McCluskeys, ein Album mit bislang unveröffentlichten
Songs von OMD auf den Markt bringen zu wollen. Material dafür
läge zwar nicht im Überfluss, aber dennoch für ein
Album in ausreichender Menge in den Archiven von „Virgin“-Records.
Sogar mögliche Termine für ein Erscheinen dieser
Zusammenstellung mit dem Arbeitstitel „The Unreleased Material
Album“ wurden des öfteren genannt, zuletzt gab man den Herbst
2003 hierfür an. Laut Andy McCluskey zeigte "Virgin"-Records, bei denen OMD zwar nicht mehr unter Vertrag stehen, die aber
weiterhin alle Rechte an allen aufgenommenen OMD-Songs bis 1996
besitzen, aber kein sonderlich großes Interesse daran. Somit lagen auch erst einmal die Pläne
für die Veröffentlichung einer neuen OMD-Single namens
„Sister Marie Says“ auf Eis, bei dem es sich um einen bereits
1996 für das „Universal“-Album geschriebenen und fertig
aufgenommenen Song handelte und der im Zuge des „Unreleased Material
Albums“ mit herausgebracht werden sollte.
Eine weitere Veröffentlichung war ebenfalls im Gespräch – eine Art „Best Of“-DVD, möglicherweise sogar mit bislang unveröffentlichtem Filmmaterial als zusätzlichen Inhalt. Über dieses Vorhaben wurde lange geredet, am Endewurde es allerdings genauso wenig realisiert wie alle anderen geplanten Projekte. Über ihre früheren Promovideos zu den Singles hatten sich Andy und Paul in der Vergangenheit meist recht abwertend geäußert und würden sie lieber heute als morgen in den tiefsten Tiefen irgendwelcher Archive verschwinden sehen. Einziger Grund zur Freude für die nach wie vor überaus loyale Fanbase weltweit waren die im Jahre 2003 wiederveröffentlichten ersten drei Alben von OMD: „OMITD“, „Organisation“ und „Architecture & Morality“ als „Remastered“-Ausgaben, sprich klangtechnisch aufpolierte und damit wesentlich verbesserte Aufnahmen aller regulären Albumtracks – ergänzt durch umfangreiches Bonusmaterial in Form von raren B-Seiten und „Extended“-Versionen. |
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Erste unerwartete Hoffnungen auf eine mögliche Rückkehr von OMD zurück in den Blickpunkt der breiten Öffentlichkeit, gab es dann urplötzlich im April 2004. Im Forum der offiziellen OMD-Website brachte Andy McCluskey die Teilnahme von OMD an der in England recht populären „Here & Now“-Tour ins Gespräch, eine Art Oldie-Revivalveranstaltung mit Künstlern aus den 80ern, meist nur unter Mitwirkung der jeweiligen Leadsänger der engagierten Bands und unterstützt von angemieteten Sessionmusikern. So verlockend dies für viele Fans auch geklungen haben mochte – ihre Band, bzw. Andy McCluskey und die alten OMD-Hits noch einmal „live“ auf der Bühne erleben zu können - so weit gingen dennoch die Meinungen darüber auseinander, ob eine Beteiligung an dieser unter den Fans nicht unumstrittenen Veranstaltung nicht dem Ansehen von OMD mehr schaden als nutzen würde. Am Ende wurde der Plan von Andy McCluskey verworfen, was wohl auch zu einem nicht unerheblichen Teil an der sehr zwiespältigen Meinung der Fans zu dieser Art Veranstaltung lag. Doch all diese kleinen Dinge brachten nun langsam wieder Bewegung in das eigentlich für immer stillgelegte Unternehmen „Orchestral Manoeuvres in the Dark“. Dinge, die am Ende zwar überwiegend nicht umgesetzt wurden, aber in ihrer Summe den Stein langsam aber sicher wieder ins Rollen brachten und eine mögliche Wiedervereinigung als nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen erscheinen ließen.
Denn auch ungeachtet aller früheren Vorfälle, Rechtsstreitigkeiten und Anfeindungen näherten sich Andy McCluskey und Paul Humphreys bereits schon Mitte der 90er-Jahre menschlich wieder aneinander an und so entstand langsam, aber sicher eine Wiederbelebung und Festigung ihrer alten Freundschaft. In Andys "Motor Museum Studio" in Liverpool, im Rahmen des in Manchester stattfindenden „OMD-Fan-Events“, ließ man im April 2005 dann gemeinsam die Bombe platzen: So erklärten Andy McCluskey und ein - zur Überraschung aller - ebenfalls anwesender Paul Humphreys während der Studiobesichtigung gegenüber ihren gänzlich verdutzten Fans, dass sie sich eine neuerliche Zusammenarbeit unter dem Namen "OMD" grundsätzlich wieder vorstellen könnten und schlossen auch eine Reunion von OMD nicht mehr aus. Auf seine Meinung darüber angesprochen, wie es denn wäre mit Andy wieder an neuen Songs zu schreiben, antwortete Paul in einem späteren Gespräch mit Paul Browne von der offiziellen OMD-Website, dass er von dieser Idee sehr angetan wäre, fügte allerdings hinzu, dass die Voraussetzung dafür sein müsse, mit der Band musikalisch wieder mehr in eine experimentellere Richtung zu gehen. |
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KAPITEL 22: DAS COMEBACK VON OMD – TV-Termine in Deutschland & „Nokia Night Of The Proms“ 2006 – |
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ANDY McCLUSKEY: „Wir denken, es ist nun die richtige Zeit für eine Reunion gekommen. Die musikalische Landschaft hat sich verändert. Mitte der 90er-Jahre, auf dem Höhepunkt der Brit-Pop-Ära, gab es nichts, was mehr 'old fashioned' hätte sein können als eine 80er-Jahre-Synthieband wie OMD. Heute aber, in dieser wunderbar postmodernen Zeit, werden die Dinge wieder einer neuen Bewertung unterzogen. OMD hat seinen festen Platz in der Ruhmeshalle des Synthiepop. Die Leute wollen uns hören.“ PAUL HUMPHREYS: „Seit 1998, als wir zusammen die „Singles Collection“ promotet haben, reden wir über die Möglichkeit, wieder als OMD zusammenzukommen. Damals kamen wir noch überein, dass die Zeit dafür noch nicht gekommen sei. Jetzt, acht Jahre später, denken wir, ist definitiv der richtige Zeitpunkt.“ |
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Die endgültige Entscheidung für eine Reunion von OMD fiel schließlich in Deutschland. Bereits einen Monat nach der ersten vagen Ankündigung einer Wiedervereinigung in Liverpool machte man bereits Nägel mit Köpfen. OMD lag eine Anfrage des deutschen TV-Senders RTL vor, ob sie nicht für einen Playback-Auftritt in einer ihrer Shows auftreten wollten. Lehnte Andy McCluskey in der Vergangenheit solche Ersuchen von TV-Sendern von vornherein kategorisch ab, so entschied er sich diesmal, nach Rücksprache mit Paul und – erneut überraschend – mit Malcolm Holmes und Martin Cooper, dafür, solch einen Auftritt mit OMD zu absolvieren und nahmen das Angebot an. Am 31. Mai 2005 traten OMD dann in der Besetzung Andy McCluskey, Paul Humphreys, Malcolm Holmes und Stuart Kershaw (der für den verhinderten Martin Cooper einsprang) mit ihrem Hit "Maid Of Orleans" in der TV-Sendung „Die ultimative Chartshow“ auf. Damit war der erste Schritt zu einer längerfristigen OMD-Reunion offensichtlich getan – Originalton Paul Humphreys: "Ich sehe den Auftritt als ersten Schritt zu etwas Größerem. Es macht Sinn, in einem kleinen Rahmen wieder anzufangen und damit eine Basis für etwas Größeres zu schaffen". Andy McCluskey bestätigte zu einem späteren Zeitpunkt in einem Interview für "www.germanmanoeuvres.com", dass noch am selben Abend, gleich nach Ende der Aufzeichnung, unter allen Beteiligten die einstimmige und endgültige Entscheidung gefallen war, zukünftig wieder gemeinsam als OMD weitermachen zu wollen. Dieser 31. Mai 2005 darf also getrost als offizielles Datum für die Wiedervereinigung von OMD bezeichnet werden und war vor allem auch für die im Fernsehstudio anwesenden Fans, die „ihre“ Band lautstark unterstützt hatten, aus bandhistorischer Sicht ein absoluter Glücksfall. |
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In Köln, wo die Aufzeichnung der „Ultimativen Chart Show“ stattfand, weilte auch Dirk Hohmeyer unter den Zuschauern. Als Chef von „Virgin“-Deutschland betreute er dort seit Beginn der 80er-Jahre auch OMD. Mittlerweile hatte er sich vom Schallplatten-Multi getrennt und sich als Organisator der europaweit renommierten „Nokia Night Of The Proms“ profilieren können. |
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Bei dieser Show handelt es sich um einen außergewöhnlichen Konzert-Event, welcher Klassik und Pop zusammen mit einem 72-köpfigen Orchester samt Chor zu einer einzigartigen, genreübergreifenden Show verbindet. Schon seit einigen Jahren trat er an Andy McCluskey heran und versuchte, OMD für seine Veranstaltung zu gewinnen – allerdings immer ohne den gewünschten Erfolg. Durch die Reunion schien sich das Blatt für ihn nun offensichtlich zum Positiven gewendet zu haben. Andy und Paul nahmen nun an diesem Abend in Köln die unverbindliche Einladung von Hohmeyer zum Besuch eines „Proms“-Konzertes in Hannover an, um sich von der Veranstaltung live vor Ort ein Bild machen zu können. Nachdem sie dort, im Dezember 2005, Ex-“Ultrovox“-Sänger Midge Ure und die superbe klassische Umsetzung seines Hits „Vienna“ miterleben konnten, waren Andy und Paul überzeugt davon, dass auch „Maid Of Orleans“ mit Orchesterbegleitung einfach nur fantastisch klingen müsste. Im Mai 2006 wurde die Teilnahme von OMD, allerdings lediglich in Gestalt des Duos McCluskey/Humphreys, an der „Proms“-Tour im Dezember 2006 offiziell bestätigt. |
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Und nun ging es Schlag auf Schlag: Andy und Paul hatten mittlerweile einen Zweijahresplan für alle weiteren Aktivitäten von OMD ausgearbeitet. Aus Anlass des 25. Jubiläums der Veröffentlichung ihres Erfolgsalbums „Architecture & Morality“ kündigte Andy McCluskey eine Tournee in der Originalbesetzung - McCluskey, Humphreys, Holmes und Cooper - für den Herbst 2006 an. Es wurde bekannt gegeben, dass sie dabei das vollständige Album "live" auf die Bühne bringen wollten, einige Songs, wie z. B. „The Beginning And The End“, überhaupt zum aller ersten Mal in ihrer Geschichte (wenige Monate später wurde diese Tournee allerdings aufgrund von Pauls Verpflichtungen innerhalb seiner Band „OneTwo“ auf das Frühjahr 2007 verschoben). |
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Vom Jubiläum mal abgesehen – Warum ausgerechnet „Architecture & Morality“? Andy McCluskey: „Für uns ist es der ideale Weg, uns beim Publikum ins Gedächtnis zurückzurufen, das uns möglicherweise schon vergessen hat, einem Publikum, das sich vielleicht erst wieder an uns erinnern muss und einem Publikum, das von uns bislang noch gar keine Notiz genommen hat.“ |
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Im März 2006 begab sich die Band erstmals seit 18 Jahren in kompletter Urbesetzung , also dieses mal tatsächlich mit dem ein Jahr zuvor für die „Ultimative Chartshow“ verhinderten Martin Cooper, zu einer neuerlichen TV-Aufzeichnung nach Deutschland, wo sie in München im Rahmen der Retro-Musikshow „The Best Of Formel Eins“ zwei Songs unter frenetischem Beifall der Zuschauer zum Besten gaben, „Maid Of Orleans“ und „Dreaming“. |
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Im gleichen Monat begannen für die Band auch schon die ersten Proben für die anstehende Tour im Mai 2007. Im Übungsraum spielten sich dabei teilweise aberwitzige Szenen ab. Viele der Songs spielte die Band „live“ zum letzten Mal vor 25 Jahren, also musste man sich erst einmal seine eigenen CDs anhören, um herauszufinden, wie die Lieder überhaupt gespielt werden mussten. Auch war man gezwungen, auf die moderne Sample-Technik zurückgreifen, um die Originalsounds der Synthies verwenden zu können, die sie damals benutzt hatten. Denn mittlerweile war von ihrem ursprünglichen Equipment nichts mehr vorhanden. Die Band musste sich buchstäblich bei ihren eigenen alten CDs bedienen, damit OMD zukünftig auch tatsächlich wie OMD klingen konnten. Während den Proben wurde die Band von einem Kamerateam begleitet, das damit begann, die nun folgenden Monate Material für eine Dokumentation über die Reunion von OMD zu filmen. Im Rahmen dieser Aufnahmen begaben sich Andy und Paul nach 25 Jahren auch erstmals wieder zurück zu den Stätten ihrer Anfänge – in den „Eric's Club“ in Liverpool sowie in das Anwesen, wo sich damals ihr „Gramophone Suite“-Studio befand und wo sie ihre ersten Platten aufnahmen. Im August 2006 wurde von „Virgin“ die geplante Veröffentlichung einer „Collectors Edition“ von „Architecture & Morality“ für April 2007 bekanntgegeben. Neben der bekannten „Remaster“-Version des Albums sollte in dieser Doppel-CD-Box auch eine DVD mit dem 1981 aufgezeichneten Konzert „Live At The Royal Drury Lane“ enthalten sein. |
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Im November dann begaben sich Andy und Paul ins belgische Antwerpen, wo die Proben für die „Nokia Night Of The Proms“ stattfanden. Im Zuge dieser „Rehearsals“ – es gab übrigens nur einen einzigen Probedurchgang für die beiden (!) – wurden „Sailing On The Seven Seas“ und „Maid Of Orleans“ aufgenommen, die es bereits im darauffolgenden Dezember – zum Start der „Proms“-Deutschlandtour – käuflich zu erwerben gab. Dies waren somit die ersten neuen Aufnahmen von OMD seit mehr als 10 Jahren! Auch wurden nun die ersten 10 Orte für die „Architecture & Morality“-Tour im Mai 2007 bekannt gegeben: Dublin, Glasgow, Liverpool, London, Stuttgart, Brüssel, Hamburg, Paris, Köln und Utrecht. Es sollten aber im Laufe der nächsten Monate noch viele weitere Konzerttermine hinzukommen. Paul Humphreys, der bandmäßig
nun gezwungenermaßen „zweigleisig“ fahren musste, nahm im
selben Monat eine kurze Auszeit von OMD und spielte zusammen mit
Claudia als „OneTwo“ einige Gigs in Südamerika, nachdem sie
einige Monate zuvor bereits sporadisch Auftritte in London, Leicester
und Leipzig absolviert hatten.
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Der Dezember, welcher das Ende
eines ereignisreichen Jahres für Andy und Paul markierte, stand
ganz unter dem Zeichen der „Nokia Night Of The Proms“-Tour. Neben
so bekannten Künstlern wie beispielsweise Mike Oldfield, Ike
Turner und John Miles spielten OMD drei Wochen lang vor insgesamt
ungefähr 180 000 begeisterten Zuschauern 18 Shows in 22
deutschen Großstädten. Andy McCluskey: „Es ist
absolut atemberaubend, mit solch einem Orchester auf der Bühne
zu stehen. Es war eine völlig surreale Erfahrung, als wir das
erste Mal mit dem Orchester, dem Chor und der Electric Band geprobt
haben.“ So kamen OMD mit insgesamt drei Stücken zurück
in das Bewusstsein ihrer deutschen Zuhörer – „Sailing On The
Seven Seas“, „Maid Of Orleans“ und mit einem Medley, bestehend
aus „Souvenir“, „If You Leave“, „Forever Live And Die“
und der Live-Uraufführung von „Walking On The Milky Way“.
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KAPITEL 23: DIE TOUR 2007 - RÜCKKEHR AUF DIE BÜHNEN EUROPAS – „Architecture
& Morality“ & „Greatest Hits“ live + Neue
CD/DVD-Veröffentlichungen |
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OMD wollten außerdem im Herbst 2008 für eine einzigartige "Greatest Hits"-Tour durch Europa und die USA erneut mit dem „London Philharmonic Orchestra“ zusammenarbeiten. Das Orchester sollte dabei auch die "Energy Suite" der „Peter Saville Installation“ musikalisch umsetzen, visuell unterstützt von Projektionen auf mehrere für diesen Zweck eingesetzte Großbildleinwände. Erste Proben und Workshops zusammen mit dem Orchester fanden damals auch schon statt. Nach der „Architecture & Morality“-Tour Ende Juli 2007 beabsichtigten Andy und Paul, mit der Arbeit an einem brandneuen OMD-Album zu beginnen. Alle
diese Pläne wurden größtenteils tatsächlich realisiert,
wenn auch mit einiger zeitlicher Verzögerung. Mehr darüber
ist in den nachfolgenden Kapiteln nachzulesen.
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OMD "live" in der französchischen Musikshow "taratata"
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Nachdem OMD in Deutschland ihr Comeback souverän auf den Weg gebracht hatten, folgte im März die erste wirkliche Live-Premiere in der alten Besetzung, diesmal in Frankreich. Im Rahmen der TV-Show „taratata“ gaben Andy, Paul, Malcolm und Martin mit einer exzellenten Version von „Enola Gay“ ihr Debut als reformierte Liveband und bewiesen eindrucksvoll, dass sie immer noch dazu in der Lage waren, ihr Repertoire adäquat auf der Bühne umzusetzen. Überrascht und auch beeindruckt war die Band von der Begeisterung des französischen Studiopublikums, welches OMD überschwenglich feierte. |
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Die Nachfrage von Veranstaltern an OMD-Livekonzerten stieg nun konstant an, ein Phänomen, das wohl auch für die Band selbst recht überraschend kam. Denn fast täglich wurden nun neue Konzertdaten für die ursprünglich 10 Auftritte umfassende „Architecture & Morality“-Tour bekannt gegeben, zum Teil mitunter sehr zum Verdruss mancher Fans, die sich teilweise bereits Karten für ein bereits feststehendes Konzert weitab von ihrem Wohnort gekauft hatten und plötzlich erfahren mussten, dass ein weiterer, neuer Termin praktisch einen Steinwurf weit weg vor ihrer Haustür angesetzt wurde. So erklärte man dann auch schon bald darauf, im März 2007, die Tournee ausweiten zu wollen und auf insgesamt drei unterschiedlich Sets aufzuteilen – in die ursprüngliche „Architecture & Morality“-Tour – nun auf 13 Orte angewachsen, in eine „Greatest Hits“-Tour ausschließlich durch 14 britische Orte sowie in ein 12 Konzerte umfassendes „Sommer Festival“-Open-Air-Programm. Aus 10 Gigs wurden am Ende insgesamt 39, welche die Band kreuz und quer durch Europa führen sollte – aufgrund der oben beschriebenen „we take what we can get“-Praxis teilweise sogar täglich in ein anderes Land. Trotz allem Chaos in der Zusammenstellung der Tour – die Fans waren dennoch begeistert darüber, ihre Band endlich wieder, bzw. überhaupt zum ersten Mal, im originalen Band-Line-Up live auf der Bühne erleben zu dürfen. So standen am Ende allein für Deutschland neun Konzerte auf dem Programm, sowie erstmals seit 1993 Auftritte in Großbritannien, Irland, Schottland, Belgien, Frankreich, Holland, Österreich, Spanien, Monte Carlo und - erstmalig in ihrer Bandgeschichte - auch in Griechenland. |
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Neben all diesen Aktivitäten
für die anstehende OMD-Tournee kümmerte sich Paul auch
weiterhin um seine Band „OneTwo“. Im Februar 2007 erschien das
langerwartete Debutalbum „Instead“, begleitet von „Cloud 9“
als erster Singleveröffentlichung. Der 13 Songs
umfassende Longplayer bekam überwiegend gute Kritiken und wurde
nun auch, anders als die EP „Item“, im regulären Handel verkauft. Dies wurde erst
möglich, nachdem in Daniel
Millers Label „Mute“ ein zuverlässiger
Vertriebspartner gefunden werden konnte. Die britische Tageszeitung
„Daily Telegraph“ urteilte in ihrer Ausgabe vom Februar 2007
folgendermaßen über das Album: „Instead ist ein
unerwartetes Vergnügen, wenn auch angehaucht mit einer gewissen
graziösen, technologischen Kälte.“ Teil des Albumsist auch der in deutscher Sprache gesungene Titel „Kein Anschluss“,
eine musikalisch eindeutige Hommage von Paul an seine alten Idole
„Kraftwerk“, dem die deutsch gesungenen Platten der
Elektronik-Pioniere schon immer mehr zugesagt hatten wie die
Englischsprachigen. Im April folgten dann noch einige Konzerte in
Deutschland, die zwar nur mäßig besucht wurden, beim
Publikum aber dennoch sehr gut ankamen.
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Am 30. APRIL 2007, kurz vor dem Start der OMD-Tour, veröffentlichte "Virgin/EMI" die sogenannte "COLLECTOR'S EDITION CD & DVD" vom Album "Architecture & Morality". Diese Neuerscheinung beinhaltete das bereits 2003 veröffentlichte und digital ge-remasterte "Architecture & Morality" - Album, inkl. den darauf enthaltenen Bonustracks, sowie zusätzlich eine DVD mit dem Konzert "Live At Drury Lane", welches 1981 bereits als VHS-Video erschienen und bis dato nicht mehr erhältlich war. Zusätzlich darauf zu finden sind die Promovideos von "SOUVENIR" und "MAID OF ORLEANS", ebenso der englische "Top Of The Pops"-Auftritt mit "JOAN OF ARC" aus dem Jahre 1981. |
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OMD
LIVE IN DUBLIN (Bilder von den Proben zum Tour-Auftaktkonzert),
12. Mai 2007
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Am 13. Mai 2007 war es dann endlich soweit - von ihrer ersten Station Irland aus brachen OMD nun auf zu ihrer insgesamt über zweimonatigen, 39 Konzerte umfassenden "ARCHITECTURE & MORALITY" - Comeback-Tournee durch insgesamt 11 europäische Staaten. Während
der sowohl beim Publikum und bei den Fans, wie auch innerhalb der Band, unerwartet
erfolgreichen Tour, die nach anfänglich geplanten 10
Konzerten am Ende bei fast 40 meist ausverkauften Auftritten
angelangt war, spielten sie die kompletten Songs aus ihrem 1981er Erfolgsalbum
- darunter einige Stücke überhaupt zum ersten Mal "live" -
sowie alle ihre großen Hits auch bei 9 Konzerten in
Deutschland. Vor
allem die Band war jeden Abend aufs Neue überrascht
und auch überwältigt von der teilweise überschwenglichen
und begeisterten Publikumsresonanz während den
1 1/2-stündigen Konzerten.
06.
Mai 07 - Birmingham (UK), Warm Up Gig
"GREATEST
HITS" - TOUR (NUR UK) 10.
Juni 07 - Southend (Cliffs Pavillion)
SUMMER
FESTIVAL-PERFORMANCES 01.
Juni 07 - Athen (Griechenland), Lykabettus Theatre |
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In der Originalbesetzung der 80er-Jahre - ANDY McCLUSKEY (Gesang, Bass, Gitarre), PAUL HUMPHREYS (Gesang, Keyboards), MARTIN COOPER (Keyboards, Saxofon) und MALCOLM HOLMES (Drums) spielten sie neben allen ihren bekannten Hits aus den 80er-Jahren - von "Enola Gay" (1980) über "Maid Of Orleans" (1982) bis hin zu "Dreaming" (1988) - auch viele Titel aus den 90er-Jahren wie"Sailing On The Seven Seas", "Pandora's Box", "Dream Of Me" und zum ersten Mal überhaupt live der letzte größere Hit von 1996 - "Walking On The Milky Way". Aber auch unbekanntere Stücke wie "The Romance Of The Telescope" und "Almost" (leider nur ein einziges Mal) kamen zu neuen Live-Ehren. Optisch unterbaut wurden die Songs bei den meisten Konzerten durch Videoeinspielungen über eine großen LED-Videoleinwand, welche die Stimmungen der einzelnen Songs nahezu perfekt visualisierten. |
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Alle vier Musiker präsentierten sich in Topform, auch MALCOLM HOLMES, der trotz mehrerer Herzoperationen in den vergangenen Jahren gewohnt souverän an den Drums agierte. Stuart Kershaw, der als Ersatz für Malcolm Holmes in den Startlöchern gestanden hätte, wären bei Holmes während der Tour unvorhergesehen gesundheitliche Probleme aufgetreten, kam nicht zum Einsatz. Vor allem aber Frontmann ANDY McCLUSKEY begeisterte sein Publikum, dem seine bis dato 48 Lebensjahre kaum anzumerken waren und in seinem unverwechselbaren Tanzstil wie schon in den 30 Jahren zuvor wie ein Derwisch über die Bühne fegte und eine unglaubliche physische Performance an den Tag legte. PAUL HUMPHREYS überzeugte als Sänger der Titel "Forever Live And Die" und "Souvenir" stimmlich weitaus mehr als im Vergleich zu seinen besten Zeiten bei OMD in den 80er-Jahren und präsentierte sich auch als Frontmann in seinem Auftreten wesentlich entspannter und souveräner. Trotz des Umstandes, dass Keyboarder MARTIN COOPER die überwiegende Zeit während der Konzerte sitzend an seinen Hocker "gefesselt" war, glänzte auch er vor allem durch seine Parts am Saxofon. Aufgrund seines schweren Rückenleidens war er leider nicht mehr dazu in der Lage, stehend einen Auftritt längere Zeit schmerzfrei durchzustehen. |
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So bekamen OMD 2007 für ihre Konzerte auch eine überwiegend anerkennende bis begeisterte Resonz vom Publikum wie auch in den Rezensionen der verschiedensten Pressemedien. Wer bei OMD eine peinliche "Oldie-Show" erwartete, wie sie manche in die Jahre gekommene Künstler immer wieder gerne abliefern, wurde jedenfalls enttäuscht. Und dies ließ auf weitere tolle Konzerte hoffen, die Andy McCluskey nicht müde wurde für 2008 bereits anzukündigen - und dies trotz des Umstandes, dass sich die Tour 2007 letztenendes finanziell nicht gerechnet hat und Andy McCluskey als alleiniger Finanzier der Tour dabei "drauflegen" musste. |
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Aufgezeichnet wurde die Show am 15. Oktober 2007 in Köln und wurde am 27. Oktober 2007 gesendet. Die Band trat im Line-Up ANDY McCLUSKEY, MARTIN COOPER, MALCOLM HOLMES und STEWART KERSHAW auf. PAUL HUMPHREYS konnte aufgrund familiärer Verpflichtungen, wegen der er sich zum Zeitpunkt der Aufzeichnung in den USA aufhielt, nicht daran teilnehmen. Im Gegensatz zum Auftritt im Jahre 2005 gab es keinen Interview-Part auf der Couch von Moderator Oliver Geissen. Allerdings wurde der Videotrailer, welcher 2005 verwendet wurde, in leicht veränderter Form nochmals vor dem eigentlichen Auftritt wiederholt. Unterstützt wurde die Band vor Ort auch diesmal wieder von Fans der "germanmanoeuvres"-Fancommunity, wenn auch leider nicht so zahlreich wie zwei Jahre zuvor. |
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Als würdiger Abschluß des für OMD überaus arbeitsreichen, aber auch erfolgreichen Jahres 2007 wurde am 16. November 2007 die auf 3000 Exemplare limitierte DVD "SOUVENIR - The OMD Documentary" veröffentlicht. Produziert wurde diese Band-Dokumentation von ROB FINIGHAN ("Aspect-TV"), einem ehemaligen leitenden TV-Produzenten der BBC und selbst ein langjähriger Fan von OMD. Somit ist eine Dokumentation entstanden, die sich - im Gegensatz zu den mittlerweile gewohnt oberflächlichen TV-Produktionen was dieses Genre betrifft - kompetent und auf hohem Qualitätsniveau mit der Bandgeschichte auseinander gesetzt hat. Diese "Limited Editon" - auch als "Director's Cut" bezeichnet, ist mit einer Spieldauer von insgesamt 95 Minuten um etwa eine halbe Stunde länger als die 60-minütige TV-Version, die im englischen BBC-Programm gezeigt wurde. Auf der DVD u. a. enthalten sind: Ausschnitte vom "Tour-Warm
Up"-Konzert der 2007er-Tour in Birmingham |
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KAPITEL 24: 30 JAHRE "ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK" – „30th
Anniversary
Tour 2008" + Einzelkonzerte
+ "Night Of The Proms" +
Weitere CD/DVD-Veröffentlichungen |
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Bereits am 28. Januar 2008 überraschte man mit der Veröffentlichung eines brandneuen Songs unter dem Namen OMD. Auch wenn es sich dabei zum Einen lediglich um eine Coverversion des von Andy McCluskey für "Atomic Kitten" geschriebenen Hits "WHOLE AGAIN" handelte und es sich zum Zweiten genau genommen auch nur um ein reines Soloprojekt von Andy McCluskey unter dem Namen "OMD", ohne jegliche Beteiligung der übrigen Bandmitglieder, so war dies doch das erste neue musikalische Lebenszeichen von OMD seit 1996. Veröffentlicht wurde der Song auf der Compilation "Liverpool - The Number One Album". Das Album enthält Coverversionen aller 56 Nummer 1-Hits von Liverpoolern Künstlern, allesamt eingespielt von Musikern und Bands, die ebenfalls ausschließlich aus Liverpool stammten. Untermauert werden sollte mit diesem mit diesem Musik-Charity- Projekt Liverpool's Status als "Kulturhauptstadt Europas 2008". Aus keiner anderen britischen Stadt kamen mehr Nr. 1 - Hits - insgesamt 56 an der Zahl. Über 1 Million Pfund sollten bei diesem Projekt an Spendengeldern zusammenkommen, welche ausnahmslos führenden Liverpooler Hilfsinstitutionen zukamen.
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Im März hatten die Fans dann erneut Grund zum Jubeln. Am 03.03.08 hatte man sich aus Anlass seines 25-jährigen Jubiläums dazu entschlossen, nach den ersten drei Alben von OMD nun auch den vierten Longplayer aus dem Jahre 1983 "DAZZLE SHIPS" als DIGITALLY REMASTERED EDITION erneut zu veröffentlichen. Das Album mit den bekannten Singles "Genetic Engineering" und "Telegraph" enthält als Bonustracks erstmals auf CD die diversen "Extended Versions" der Singles, sowie neben dem Song "4-Neu" erstmals den B-Seiten-Track "66 & Fading" in voller Länge. Außerdem wurde als besonderer Leckerbissen bisher unveröffentlichtes Material zugänglich gemacht, wie beispielsweise der Song "Radio Swiss International", der zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung von "Dazzle Ships" nicht für das Album berücksichtigt wurde. Als ein ganz besonderes Highlight für die Fans stellt sich die bis dato unbekannte Version von "Telegraph" dar, die bereits 1981 im Zuge der "Architecture & Morality"-Sessions im "The Manor"-Studio in Oxford aufgenommen wurde. Zu "Dazzle Ships" äußerte sich Andy McCluskey im Januar 2008 folgendermaßen: "Dazzle Ships ist eine kuriose LP, denn offensichtlich war es wohl das Album, das ich am schlechtesten verkauft hat. Heute bin ich außerordentlich stolz darauf. Wahrscheinlich beginnen wir einen kommerziellen Selbstmord damit, aber wir machten das Album aus den richtigen Gründen. Es birgt eine Art schmerzliche Schönheit in sich" . Das nun im Zuge dieser Remaster-Veröffentlichung möglicherweise auch alle weiteren Alben von OMD, wie z. B. "Junk Culture", "Crush" oder "The Pacific Age" in klangtechnisch verbesserter Form und mit Bonustracks herausgebracht werden, schloß Andy McCluskey allerdings aus. |
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Schlag auf Schlag ging es nun weiter. Schon im Zuge der "Architecture & Morality"-Tournee im Vorjahr kündigte Andy McCluskey vorab an, das es zu einem späteren Zeitpunkt eine Live-Aufzeichnung von einem Konzert der Tour , sowie erstmals in der Geschichte von OMD ein Live-Album geben sollte. So wurde dann auch während des Konzertes am 19. Mai 2007 im "Hammersmith Apollo" in London fleißig gefilmt und live mitgeschnitten. Beauftragt wurde dafür die Produktionsfirma "EAGLE". Und doch dauerte es fast ein ganzes Jahr, bis man Anfang April 2008 die Live-CD und erst drei Wochen später die Live-DVD endlich in Händen halten konnte. Schuld daran war offenbar die Produktionsfirma "EAGLE", mit deren gefilmtem Material Andy McCluskey am Ende wenig zufrieden war und aus diesem Grund sehr viel Arbeit und Zeit in eine umfangreiche Nachbearbeitung investiert werden musste. Am offensichtlichsten trat der Dilletantismus von "EAGLE" bei der Gestaltung des Covers zutage. Aufmerksame Fans waren es, die darauf hinwiesen, das auf dem, nebenbei bemerkt künstlerisch absolut einfallslosen Coverfoto, Martin Cooper im Hintergrund zu sehen sei und ob es denn wohl nicht angebrachter wäre, Paul Humphreys abzubilden, da er ja neben McCluskey der zweite, kreative Kopf von OMD wäre. "EAGLE" behob den Fehler dann dadurch, das sie Martin kurzerhand retuschierten und durch Paul Humphreys ersetzten. Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen, das Endresultat kann man rechts von diesem Text bewundern, bzw. man kann sich eigentlich eher darüber wundern, das es das Cover in dieser Form überhaupt in die Endproduktion geschafft hat. Wie auch immer: Das im "Hammersmith Apollo" in London aufgenommene Konzert ist zumindest auf der DVD vollständig enthalten. Zudem enthält sie zusätzliches Bonusmaterial in Form eines 20-minütiges Interviews mit der Band, ein Interview mit dem Regiseur Hambi Haralambous, der für das Filmen der Bühnenshow zuständig war, sowie drei komplette "On Stage"-Filme inklusive Audio. Leider verhält es sich da bei der Audio-CD etwas anders. Das Konzert wurde hier um ganze fünf Songs gekürzt, ebenso wurden fast alle Ansagen und weitgehend auch der Applaus des Publikums herausgeschnitten. Die US-Ausgabe des Albums wurde dann unverständlicherweise nochmals um fünf weitere Titel gekürzt. |
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Auch für 2008 standen nun einige Live-Aktivitäten auf dem Programm von OMD, wenn auch überwiegend nur in Form von Andy McCluskey und Paul Humphreys. Den Anfang machten OMD im April mit ihrer erneuten Teilnahme an der "Night Of The Proms". Nach der NOTP-Deutschlandtour 2006 wirkten die beiden OMD-Köpfe, gemeinsam mit dem aus über siebzig Musikern bestehenden Orchester "IL NOVECENTO", diesmal aber nur an lediglich vier Konzerten auf belgischen und spanischen Bühnen mit, um im klassischen Gewand ihre größten Hits zu präsentieren. Neben
OMD waren im belgischen Charleroi und im spanischen
Valencia und Benidorm u. a. auch die SIMPLE MINDS sowie
ALAN PARSONS mit am Start. |
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Ebenfalls im April gaben OMD bekannt, im Oktober erneut auf Tour gehen zu wollen. Geplant war, den Schwerpunkt des Live-Programms auf Songs des "Dazzle Ships"-Albums zu legen. Zudem beging man im Oktober ja auch noch zusätzlich das 30-jährige Bandjubiläum, welches würdig gefeiert werden sollte. Leider sollte es nur eine recht kleine Tournee werden, beschränkt auf sieben Konzerte und diese auch nur innerhalb Großbritanniens. Am 10. Juli 2008 traten Andy McCluskey und Paul Humphreys im Rahmen des "BEATLES DAY CONCERT" in der neu erbauten Liverpooler 'Echo Arena' auf. Mit dabei waren Liverpooler Musiklegenden wie z. B. Gerry Marsden, "The Quarrymen" (Paul McCartney and John Lennon’s Originalband), "The Swinging Blue Jeans", die "Merseybeats", Mike Pender von den "Searchers", "The Original Fourmost", "The Black Knights", "Karl Terry & The Cruisers", "The Undertakers" und Kingsize Taylor & The Dominoes. Gespielt wurden während des über 3-stündigen Charity-Konzertes zu Gunsten des Liverpooler Alderhey-Krankenhauses ausschließlich Lieder der BEATLES. OMD performten dabei den Song ACROSS THE UNIVERSE. |
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Schon ca. fünf Jahre zuvor war im Gespräch, eine Art "Best Of"-DVD mit zusätzlichem, bislang unveröffentlichtem Filmmaterial von und über OMD herauszubringen. Am Ende blieb es bei diesen Gedankenspielen und man hörte einige Jahre nichts mehr von diesem Projekt. So war Andy McCluskey und Paul Humphreys der Gedanke an eine Wiederveröffentlichung ihrer Promovideos zu den Singles auf DVD auch eher unangenehm. Als zu seicht und künstlerisch als nicht unbedingt wertvoll schätzten sie ihre früheren Video-Shots ein, als das sie diese erneut aus den Archiven hervorholen wollten. 2008 aber hatten sie ihre Meinung darüber dann glücklicherweise doch noch einmal überdacht. Im Gegensatz zu den beiden jeweils 1988 und 1998 herausgebrachten "Best Of"-Alben handelt es sich bei "MESSAGES" - so der Titel des Albums - um eine Kombination von Audio-CD + DVD. Neben einer regulären "Greatest Hits"-Audio-Zusammenstellung sind auf der DVD erstmals überhaupt in der 30-jährigen Bandgeschichte von OMD alle jemals veröffentlichten Promovideos zu den jeweiligen Singles zu sehen. Abgesehen von den Videos zu den Singles ist außerdem das bislang nur auf dem 1985 produzierten Film "Crush - The Movie" veröffentlichte Video von "HOLD YOU" (ursprünglich als Singleauskopplung aus dem gleichnamigen Album vorgesehen) enthalten. Außerdem wird als ganz besonderer Fan-Leckerbissen das bis zu diesem Zeitpunkt verschollene Promovideo zur 1980er-Single "RED FRAME/WHITE LIGHT" präsentiert. Von diesem Video existierte bis dato nur noch eine einzige erhaltene Aufnahme aus dem Privatarchiv von Paul Humphreys, die speziell für diese Compilation restauriert und digital transferiert wurde. Da zur Single "JOAN OF ARC" kein Promovideo produziert wurde, griff man für diese "Best Of"-Zusammenstellung der Vollständigkeit halber auf eine TV-Aufzeichnung der englischen "Top Of The Pops"-Reihe zurück. Ziemlich im Trend lagen 2008 sogenannte "Mash Up's" - ein Mix aus zwei Songs von jeweils zwei verschiedenen Künstlern, die dann zusammen einen Song als Endresultat ergaben. Auch OMD produzierten einige dieser Tracks, die ursprünglich als komplettes Album zusätzlich zu "MESSAGES" veröffentlicht werden sollten. Daraus wurde am Ende nichts, was größtenteils an massiven Problemen mit den verschiedensten Plattenfirmen lag, die auf ihre Urheberrechte pochten. So wurde ein für "MESSAGES" geplanter Mash-Up-Track namens "Dazzle Ships At The River" in letzter Minute wieder zurückgezogen, da "Sony Music", die Plattenfirma der Band "Groove Armada", deren Song "At The River" für den Mix verwendet wurde, trotz sehr positiver Reaktion seitens von "Groove Armada" ihre Zustimmung zur Veröffentlichung verweigert hatte. Andy McCluskey stellte darufhin diesen, sowie einige weitere Mash-Up-Tracks, als Internet-Stream über die offizielle OMD-Website zum Anhören bereit.
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OMD, bzw. Andy McCluskey und Paul Humphreys, nahmen dann im September 2008 in Belgien am STARS OF EUROPE-Konzert teil. Unterstützt wurde mit diesem Konzert die Kinderhilfsorganisation UNICEF. Bei diesem großen Konzertevent im Brüsseler Atomium präsentierte man generationsübergreifend die unterschiedlichsten künstlerischen Stilrichtungen. Weitere teilnehmende Künstler neben OMD waren u. a. Sharleen Spiteri, Robyn, Nile Rodgers und Kate Ryan. Musikalisch begleitet wurden OMD vom Orchester der NIGHT OF THE PROMS. Gespielt wurden die Songs ENOLA GAY und MAID OF ORLEANS. Der Eintritt zur Show war kostenlos und wurde live im belgischen Fernehen sowie überdiverse europäische TV-Sender übertragen. |
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OMD
TOUR 2008
Fast genau 30 Jahre nach ihrem Debutauftritt im Liverpooler "Eric's Club" starteten OMD unter dem dem Motto "30th Anniversary Tour" zu einer Kurztour, welche die Band zwischen dem 28. September und 07. Oktober ausschließlich durch Großbritannien führte. Der erste Auftritt fand im "The Ambassador Theater" in Dublin (Irland) statt. Weiter ging es nach Newcastle in die "Newcastle City Hall", dann nach Glasgow, wo man in der "Glasgow Royal Concert Hall" das Publikum begeisterte. Es folgten Liverpool , wo OMD in der neu erbauten "Liverpool Echo Arena" ihr Debut gaben, in Nottingham spielte man in der "Royal Concert Hall & Theatre Royal at Royal Centre" und anschließend in der "Symphony Hall" in Birmingham. Ihr letztes Konzert gaben OMD dann in London, wo die Tour im "Roundhouse" ihren viel zu frühen Abschluß fand. |
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Zwar
beschränkten sich OMD diesmal auf lediglich sieben Konzerte
in UK, Irland und Schottland, dafür gab
es allerdings einige unerwartete musikalische Leckerbissen
aus der 30-jährigen
Bandhistorie. So kamen außer den bekannten "Greatest Hits"
auch
GENETIC ENGINEERING und RADIO WAVES
aus dem 1983er-Album Das Live-Line-Up war identisch mit der Originalbesetzung der 2007er-Tour - Andy McCluskey, Paul Humphreys, Martin Cooper und Malcolm Holmes. Als Vorgruppe für die UK-Konzerte trat die Band CHINA CRISIS auf.
ANDY
McCLUSKEY während "STATUES"
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THE
ENERGY SUITE
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OMD produzierten dafür in Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Coverdesigner Peter Saville den Soundtrack für die "PETER SAVILLE INSTALLATION" im Rahmen des überaus vielfältigen Programmes der Stadt. Ebenfalls mit in das Projekt involviert war Filmemacher Hambi Haralambous, welcher bereits für die OMD-Tour 2007 (in Zusammenarbeit mit Andy McCluskey) die umfangreichen Video-Screen-Grafiken zusammenstellte und für diese Installation alle Filmarbeiten und deren Endbearbeitung ausführte. |
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Der Saville - Installation lag das folgende übergeordnete Thema zugrunde: "Eine Erkundung verschiedener nordenglischer Kraftwerke" - dabei handelte es sich um einen ca. halbstündigen Film, unterlegt mit neuer, speziell für diesen Anlass geschriebener und aufgenommener Musik von OMD. Titel dieser Komposition: "THE ENERGY SUITE" , thematisch basierend auf 5 verschiedene, englische Kraftwerke, die allesamt die unterschiedlichen Arten der Energiegewinnung repräsentieren. "THE ENERGY SUITE" setzt sich aus insgesamt 5 Songs zusammen, welche alle aus orchestral arrangierter Instrumentalmusik in Kombination mit den an den Originalschauplätzen aufgenommenen, typischen Geräusche der jeweiligen Kraftwerke bestehen, alle jeweils eine Spieldauer von ca. 5 - 6 Minuten haben und nach den einzelnen Arten der Energiegewinnung benannt sind und ähnlich des OMD-typischen Stils von Songs wie "Stanlow" und "Sealand" aufgebaut sind. DIE
TITEL IM EINZELNEN: |
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Bei diesem Projekt handelt es sich ausschließlich um eine gemeinschaftliche Arbeit von OMD-Mastermind ANDY McCLUSKEY und STUART KERSHAW, dem Ex-OMD-Mitglied der 90er-Jahre . Weder PAUL HUMPHREYS, noch Drummer MALCOLM HOLMES und Keyboarder MARTIN COOPER waren musikalisch an diesem Projekt beteiligt.
Die Installation war vom 12. Dezember 2008 bis zum 22. Februar 2009 in der "FOUNDATION FOR ART & CREATIVE TECHNOLOGY (FACT)" in Liverpool zu sehen. "FACT" ist die führende Organsisation in Sachen Auftragsvergabe und Präsentation von Film, Video und neuen Medien in England. Die Original-Installation selbst, sowie auch die dazugehörige Original-Musik von OMD wird weder als DVD, noch als Audio-CD veröffentlicht werden. Jedoch gab es am 20. Juni 2009 in der Liverpooler Philharmonic Hall eine Live-Premiere von "THE ENERGY SUITE" zusammen mit dem 75-köpfigen Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, wo auch die Filmaufnahmen der Installation auf großer Hintergrund-Leinwand gezeigt wurden. |
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KAPITEL 25: 2009 - ORCHESTRALE MANÖVER IM KLASSISCHEN GEWAND – OMD
with "The Royal Liverpool Philharmonic Orchestra"
+ "Night Of The Proms" + |
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Das Jahr 2009 begann relativ entspannt für OMD. Andy McCluskey's Aufmerksamkeit lag noch bis zu ihrem Abschluß im Februar auf der Ausstellung der "Energy Suite" in der Liverpooler "FACT"-Stiftung und auch in den nachfolgenden Monaten blieb es vorerst noch recht ruhig um OMD. Erst Anfang Mai gab es ein erstes Lebenszeichen der Band, als sie in zum nunmehr 3. Mal in der deutschen Musik-Sendung "Die Ultimative Chartshow" auftraten und sich in der 66. Folge, die diesmal unter dem Motto "50 Jahre deutsche Charts" stand, mit "MAID OF ORLEANS" den 24. Platz in der Gesamtwertung der erfolgreichsten Songs in Deutschland von 1959 an gerechnet sichern konnten. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Engagements von OMD in dieser Show traten sie diesmal erstmals in der kompletten Originalbesetzung auf. Dennoch waren zu dieser Zeit schon die Vorbereitungen für eines der großen OMD-Highlights des Jahres in vollem Gange - ein gemeinsamer Auftritt zusammen mit dem "Royal Liverpool Philharmonic Orchestra" und der damit verbundenen Live-Premiere der "Energy Suite". |
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Im ersten Teil des über 1 1/2-stündigen Konzertes kam der Besucher in den Genuss der Live-Uraufführung von THE ENERGY SUITE. Nach einer kurzen Begrüßung von Andy McCluskey spielte das Orchester im Anschluß daran alle fünf Titel dieser Kunst-Installation von Peter Saville, Andy McCluskey und Hambi Haralambous. Im
zweiten Teil des Konzerts präsentierten OMD
und das "Royal
Liverpool Philharmonic Orchestra"
dann zum Einen viele ihrer größten Hits wie Maid
Of Orleans,
Souvenir,
Enola
Gay und
Sailing On
The Seven Seas in vollständig neu arrangierten und überarbeiteten Versionen.
Zum Anderen kamen die Fans auch in den Genuß von
unbekannteren Album-Songs aus allen Schaffensperioden
wie z. B. La
Femme Accident, The Native Daughters Of The Golden West
und All That
Glitters.
Eröffnet wurde dieser zweite Teil überraschend mit dem 1983er-"Dazzle
Ships"-Album-Opener
Radio Prague, der zum ersten Mal in der
30-jährigen Bandgeschichte überhaupt live auf der Bühne
gespielt wurde.
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Auch 2009 stand für OMD wieder eine Teilnahme bei der NIGHT OF THE PROMS auf dem Programm. Diesmal in Belgien und in den Niederlanden. Neben OMD waren u. a. ROXETTE mit am Start. Auftritte absolvierten Andy McCluskey und Paul Humphreys vom 23. Oktober bis 10. November in Antwerpen (Sportpalais), vom 13. bis 14. November in Arnheim (Gelredome) und vom 18. bis 22. November in Rotterdam (Ahoy). In Antwerpen, wo vor Tourstart tagsüber traditionell auch die Proben für die NOKIA NIGHT OF THE PROMS stattfinden, hatten Andy und Paul auch die Gelegenheit, alte Freunde aus vergangenen Synthpop-Tagen zu treffen - Glenn Gregory und Martyn Ware von HEAVEN 17, die an der NOTP Deutschland-Tour teilnahmen.
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Als
kleinen Vorgeschmack auf das im Herbst 2010 erscheinende,
neue OMD-Album "The
History Of Modern", Ursprünglich
im Jahre 1996 unter dem Titel "Sister Mary Gabriel"
für das damalige, |
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Im Doppelpack zusammen mit den SIMPLE MINDS bereisten OMD von November bis Dezember 2009 Großbritannien, sowie einige Städte auf dem europäischen Festland. Für ein Konzert kamen sie für ihre deutschen Fans auch in die Sporthalle nach Hamburg. Mit ein Highlight während dieser Konzerte war eine gemeinsame Performance von KRAFTWERK's "Neon Lights" zusammen mit den "Simple Minds". DIE TERMINE: 26.11.09
- Amsterdam (Heineken Music Hall)
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Ein Weihnachtsgeschenk der ganz besonderen Art gab es dann Mitte Dezember 2009. "FACT" veröffentlichte eine Doppel-DVD des Konzertes vom 20. Juni, das OMD zusammen mit dem "Royal Liverpool Philharmonic Orchestra" in der Liverpooler "Philharmonic Hall" gaben. Neben
dem kompletten Mitschnitt des ursprünglich zweiten Teils
des Konzertes, wo OMD zusammen mit dem Orchester ihre
größten Hits und einige weniger bekannte Album-Klassiker
in klassischem Arrangement zum Besten gaben, veröffentlichte
man auf einer weiteren DVD die vollständige Live-Uraufführung
der "Energy Suite".
Da Andy McCluskey immer wieder betont, das es keine Veröffentlichung der "Energy Suite"-Originalaufnahme geben wird, da sie lediglich Teil der Peter Saville-Kunst-Installation war, ist diese Live-Präsentation des "Royal Liverpool Philharmonic Orchestra" das einzige erhältliche, vollständige Tondokument der fünf "The Energy Suite"-Songs. Die
DVD erreichte gleich nach
ihrer Veröffentlichung mit der Position 23
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KAPITEL 26: "THE HISTORY OF MODERN" - DAS MUSIKALISCHE COMEBACK VON OMD – Erstes neues Album seit 1996 + Europa-Tournee 2010 – |
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Im Jahr 2010 nun wagen Andy McCluskey und Paul Humphreys in musikalischer Hinsicht das erfeuliche, wenn auch möglicherweise riskante Comeback . Das erste wirklich neue OMD-Album mit dem Titel "THE HISTORY OF MODERN" wird am 17. September 2010 angekündigt, verbunden mit einer Live-Tournee durch Europa, wo neben den größten Hits auch einige der neuen Songs des Albums live präsentiert werden sollen. |
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Doch bis dahin bleiben OMD nicht untätig. Die Arbeiten an dem Album und die Organisation der Tournee unterbrechen Andy McCluskey und Paul Humphreys immer wieder für einige Live-Auftritte. So spielten OMD am 11. Februar 2010 einen Kurzauftritt im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich der Fertigstellung des "New Liverpool Museum" in Liverpool. Unterstützt wurden Andy McCluskey und Paul Humphreys dabei von einem 17-köpfigen Ensemble des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra. Auf dem Programm standen die Songs Maid Of Orleans, Electricity, Sailing On The Seven Seas und Enola Gay.
Am 19. Juni 2010 dann werden OMD im Rahmen des 2-tägigen "Britain's first Vintage Computer Festival" im "The National Museum of Computing (TNMOC)" Bletchley Park (Bezirk Milton Keynes) auftreten. Andy McCluskey und Paul Humphreys nehmen dort außerdem an einer Talk-Runde teil, wo sie u. a. über ihre musikalischen Einflüsse und über die Anfangszeit ihrer Karriere sprechen werden. Auch ist eine Diskussionsrunde gemeinsam mit dem anwesenden Publikum geplant. OMD werden eine Auswahl ihrer größten Hits spielen - sowie als Live-Premiere vorab einige Stücke des im Herbst erscheinenden, neuen Albums "The History Of Modern". Die vom Veranstalter auf 300 Stück limitierten Eintrittskarten waren bereits kurz nach Bekanntgabe restlos vergriffen. |
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Der
Einlass ist vorwiegend geladenen Business-Gästen
und Gästen aus der chinesischen Gemeinde vorbehalten.
Lediglich
100 Konzert-Tickets gingen in den freien Verkauf.
Das
Konzert dient als Generalprobe für das "Liverpool
Day Concert" im Rahmen der "World
Expo 2010" in Shanghai/China am 16.10.10, wozu
OMD eingeladen wurden. Dies ist der erste Auftritt von
OMD in China überhaupt. |
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THE HISTORY OF MODERN |
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Der 17. September 2010 wird dann ganz im Zeichen der Veröffentlichung des ersten, brandneuen Studioalbums seit 1996 mit dem Titel "THE HISTORY OF MODERN" stehen. Es handelt sich dabei um das erste neue Studioalbum von OMD seit 14 Jahren ("Universal", 1996). Es ist zudem das erste Album seit 24 Jahren ("The Pacific Age", 1986), an dem wieder alle Bandmitglieder der Original-Besetzung - Andy McCluskey, Paul Humphreys, Martin Cooper und Malcolm Holmes - beteiligt sind. Hier schon vorab die Tracklist: 01.
New Babies: New Toys
Infos zu einigen Songs: In "History Of Modern (Part I)" geht es um die Urknall-Theorie, "Sister Marie Says" entstand bereits 1981 im Zuge der "Arcitecture & Morality"-Sessions (wurde aufgrund seiner Ähnlichkeit mit "Enola Gay" aber nicht dafür berücksichtigt) und war außerdem unter dem Titel "Sister Maria Gabriel" für das "Universal"-Album (1996) zur Veröffentlichung vorgesehen. "RFWK" ist eine Hommage an Kraftwerk (Ralf-Florian-Wolfgang-Karl) und "The Right Side?" ist mit über 8 Minuten Spieldauer der bislang längste Song, den OMD jemals aufgenommen haben. Erscheinen wird das Album, das auch weltweit an andere Labels lizensiert wird, auf dem britischen Label "100 Percent Records", welches auch 'Moby', 'Placebo' und 'The Temper Trap' unter Vertrag hat. "The History of Modern" wird von Musikkritikern bereits vorab als ein "kraftvolles, spannendes, dynamisches und zeitgemäßes Album mit starkem Pop-Feingefühl" beschrieben. Einige der insgesamt 13 brandneuen Songs werden dabei sowohl als "Tanzflächen-Füller der Zukunft" - andere wiederum als "simple, aber wunderschöne klassische OMD-Songs" gelobt. Insgesamt wird das Album als "eine Rückkehr von OMD zu ihren elektronischen Wurzeln" zusammengefasst, "deren Sound viele der derzeit angesagten Electro-Künstler wie 'LCD Soundsystem’s James Murphy', 'The XX' und 'The Killers' massiv inspiriert hat".
Einige der Songs des von OMD selbst produzierten Albums wurden bei Mike Crossey ('Arctic Monkeys', 'Blood Red Shoes', 'Razorlight') für diverse Remixes in Auftrag gegeben. Das gesamte Artwork wurde gestaltet vom britischen Star-Designer Peter Saville, welcher schon in der Vergangenheit überwiegend für das Artwork von OMD verantwortlich war. Andy McCluskey bezeichnet "History Of Modern" schon jetzt als "das beste OMD- Album seit "Architecture & Morality", dem Erfolgsalbum und OMD-Klassiker aus dem Jahre 1981, inkl. seinem Megahit "Maid Of Orleans". Über die neuen Songs äußerte sich McCluskey in einem im September 2008 veröffentlichten Interview folgendermaßen: "Nichts ist deprimierender als wenn deine Lieblingsband aus alten Zeiten ein neues Album veröffentlicht und du feststellen musst, dass sie absolut nicht mehr dazu in der Lage sind gute Songs zu schreiben. Ich bin glücklich und eingebildet genug zu behaupten, dass das neue OMD-Album die Leute wirklich beeindrucken wird. Es macht sehr viel Spaß am neuen Material zu arbeiten. In den 90er-Jahren, auf dem Höhepunkt des Britpops, war ich der Meinung, das es das Beste ist zu versuchen, so wenig wie möglich nach OMD zu klingen. Aber heute, in dieser Post-Modernen Ära, wo eigentlich nichts mehr außer Mode ist, ist es eine coole Sache, wieder traditionelle OMD-Musik machen zu können, ohne das sie als "old fashioned" abgestempelt wird."
Exklusiv zur Albumveröffentlichung: HISTORY OF MODERN - LIMITED EDITION BOX SET
Das "The History Of Modern" - Limited Edition Box Set ist in Deutschland bereits ab dem 17. September 2010 im Handel erhältlich, in allen anderen Ländern (wie auch die reguläre Album-Veröffentlichung) ab dem 20. September. Das Box-Set beinhaltet exklusiv:
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Im Oktober und November 2010 werden OMD im Rahmen ihrer "HISTORY OF MODERN"-Tour in Originalbesetzung eine Reihe von Konzerte in Großbritannien und auf dem europäischen Festland geben. Dabei werden OMD neben ihren größten Hits auch neue Songs aus dem gleichnamigen Album, das im September 2010 erscheinen wird, live präsentieren. Neben England, den Niederlanden (Amsterdam), Belgien (Brüssel), Luxembourg und Frankreich (Paris) stehen auch insgesamt 7 Konzerte in Deutschland auf dem Plan.
UK 29.10
- Brighton (Dome) EUROPA DEUTSCHLAND DO,
11.11 - Köln (E-Werk) 21.11
- Luxembourg (wird noch bekannt gegeben) Tickets für die Deutschland-Konzerte ab 20.05.10 hier: Die
Ticketpreise liegen bei durchschnittlich 45,00 EUR.
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...wird fortgesetzt.
Verwendete Quellen:
Die offizielle OMD-Biografie
"MESSAGES" von Johnny Waller & Mike Humphreys
erschienen im Verlag Sidgwick &
Jackson, London, 1988
Die offizielle OMD-Website
www.omd.uk.com
Die britische OMD-Fansite "cOMpileD"
von Kevin Pretlove & Ian Hayter
www.omd.eu.com
Die amerikanische OMD-Fansite von Pat
Fetty
www.omdweb.com
Die unauthorisierte OMD-Biografie von
MIKE WEST
erschienen bei Omnibus Press, 1982
Zahlreiche dt. und engl. Presseberichte
sowie umfangreiche eigene Recherchen
Fotonachweis:
Virginia Turbett, Trevor Key, Eric Watson, Arnold Williams,
Charles Robinson, Eugene Adebari, Paul Cox, Andrew Catlin, Ian Tilton, Derick
Santini, Andy Phillips, Kevin Cummins, Ian Hilder, Chris van de Vooren,
Andre Csillag, Ian Hooton, Lukas von Saint George, Susan Pippet, Richard
Haughton, Kocour, McCluskey, Sara Harvey, Paul Browne, Neil Taylor, Pat Fetty,
Allebeth Holme & Heidi Firminger, Malcolm Holmes, Rhonda Thwaite, Steve
Rapport, Robert Ellis, Bob Boyd, Achim Peter, Hagen Schmitt, Ian Plested, Bob
McCluskey, Mark McNulty, FAC6, Karen Kassulat (NOTP), Martin Pursey, Kevin Pretlove,
Phil Marsh, David Smith, Stephen Cork, Nella
sowie möglicherweise einige weitere ( leider unbekannte) Fotografen
Ganz herzlich bedanken möchte sich der Autor außerdem noch bei:
Claudia Ehrentraut
Lola Karnapke
Gunnar Scholz
(für ihre mehr als professionelle Korrektur des Manuskriptes
in Bezug auf Rechtschreibung, Satzbau und Formulierung)
sowie bei
Wolfgang Brandl
Frank Jaschke
Mario Kruschinsky
(für ihre Hilfe in Sachen Informationsbeschaffung)
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Special thanks to Pat Fetty from www.omdweb.com for his help and support Please
note that www.germanmanoeuvres.com
is a non-commercial website and is not affiliated with any commercial organisation. Many thanks for the
source of inspiration to: Paul Browne from the
the official OMD website www.omd.uk.com photo (index & banner) by Kevin Cummins
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